Kriegsgebiet statt WM Schweizer Fans verfahren sich im Donbass

Krisengebiet statt Punkt gegen Brasilien: Der Umweg Ukraine hat Schweizer Fußballfans in eine heikle Situation gebracht – mit glimpflichen Ausgang.
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Schweizer Fans wollten ihren Weg zum Spiel durch das Krisengebiet Donbass abkürzen. Quelle: AFP
Mit der Metro wäre das nicht passiert

Schweizer Fans wollten ihren Weg zum Spiel durch das Krisengebiet Donbass abkürzen.

(Foto: AFP)

MoskauDas Abenteuer Fußball-Weltmeisterschaft hat eine Gruppe Schweizer Fans in eine prekäre Lage gebracht: Wie die ukrainische Journalistin Anna Dombrowskaja berichtet, hat sie die fünf Männer, die eigentlich auf dem Weg zum Gruppenspiel der Schweiz gegen Brasilien waren, in der Konfliktzone im ostukrainischen Donbass-Gebiet angetroffen. Die Schweizer „wären fast an der Front gelandet“, schrieb Dombrowskaja am Samstag auf ihrer Facebook-Seite.
Die Männer waren in einem Kleinbus unterwegs, wollten offenbar ausnutzen, dass in der Ukraine – und während der WM für Fußballfans mit Eintrittskarten auch in Russland – Visafreiheit gilt. „Das Navigationsgerät hat ihnen eine Route durch das okkupierte Donezk vorgeschlagen. Übernachten wollten die Fans im okkupierten Amwrossijewka“, führte die Journalistin aus. Tatsächlich führt der kürzeste Landweg von der Schweiz in die südrussische Millionenstadt Rostow-am-Don durch das Donbass-Gebiet. Die Rostow-Arena, die neben dem Spiel der Eidgenossen noch drei weitere Gruppenspiele und das Achtelfinale beherbergt, liegt weniger als 100 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Optimal ist die Route durch den Donbass deswegen mitnichten. So sind die beiden genannten Städte seit Ausbruch des Konflikts im Donbassgebiet 2014 unter Kontrolle der prorussischen Separatisten, die auf dem Gebiet die „Donezker Volksrepublik“ ausgerufen haben.

Dombrowskaja wunderte sich, warum die Fans nicht von den Sperrposten, die das ukrainische Militär im Donbass – noch weit vor der Frontlinie zwischen den Konfliktparteien – aufgestellt haben, nicht aufgehalten und umgedreht wurden. Ihren Angaben nach zeigte sie den Schweizern einen Weg aus der Kampfzone, um auf einer ungefährlicheren Route ans Ziel zu kommen.

Im Donbass-Gebiet haben sich die Spannungen kurz vor der Weltmeisterschaft in Russland wieder einmal verschärft. Beide Seiten sprechen von massiven Verstößen der jeweiligen Gegenpartei gegen die geltende Feuerpause. Am Freitag wurden auch die OSZE-Beobachter nahe der von den Separatisten gehaltenen Ortschaft Pikusy beschossen. Russlands Präsident Wladimir Putin, der eine Woche vor der WM den Separatisten auf seiner alljährlichen TV-Fragestunde Hilfe zusicherte, ging während der Sendung so weit, der Ukraine „schwere Folgen für die Staatlichkeit“ anzudrohen, sollte es während der WM zu heftigen Gefechten in der Krisenregion kommen.

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