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Jubel in Paris

Der Weltmeister feiert sich selbst – und wird gefeiert.

(Foto: dpa)

Pressestimmen Frankreich zum zweiten Mal Weltmeister – „Die Welt ist blau“

Weltweit feiern Medien Frankreichs WM-Titel. In der Heimat träumt man von Einigkeit. Doch Gesellschaftskritik ist kaum zu überhören.
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Kroatien

Die internationale Presse feiert Fußballweltmeister Frankreich – und Vizeweltmeister Kroatien gleich mit. Auf dem Balkan mischen die Medien ordentlich Pathos in ihre Schlagzeilen. So schreibt die kroatische Website Index: „Kroatien ist für uns die Nr. 1 der Welt“, weil: „Die Nr. 1 definiert sich nicht allein über die Trophäe, sondern durch die Fähigkeit und die Kraft, sich aus den dunkelsten Momenten seines sportlichen Lebens zu befreien und bis zur Spitze zu kommen“.

Die Euphorie in der ehemaligen jugoslawischen Teilrepublik ist greifbar, keine Spur mehr von der Teils harten Kritik an Spielmacher Luka Modric. „Die 'Feurigen' kommen zurück. Kommt auf die Balkone und begrüßt die Champions“, fordert das Portal „24sata“ zum Feiern auf.

Laut „TV-RTL“ lobt die kroatische Regierung für jeden Spieler umgerechnet rund 9.500 Euro Prämie aus – ein Bruchteil dessen, was vom Verband ausgelobt wird. Allein für die WM-Teilnahme 2014 gab es für jeden Spieler 140.000 Euro.

Frankreich

Im Land des Weltmeisters überschlagen sich die Reaktionen naturgemäß. „Ein ewiges Glück“, ruft gar die Sportzeitung „L'Équipe“ aus. Und holt weit aus, bis zu den furchtbaren Anschlägen, die Paris und das Land vor drei Jahren erschütterten – am Rande eines Fußballspiels: „Wir werden den Männern von Didier Deschamps niemals genug dafür danken können, dem Land dieses verzauberte Intermezzo geschenkt zu haben, diese vier Wochen, von denen wir hoffen, dass sie ewig dauern - nach einer Zeit, die von den Anschlägen gebeutelt war, darunter dem vom 13. November 2015 an den Toren des Stade de France.“

„Alle Superlative“ erlaubt sich „Le Figaro“ gleich selbst: „Der Tag des Ruhms ist gekommen. Der Traum ist wahr geworden.“ Es sei nicht nur ein Team, sondern ein ganzes in die Trikolore-Fahne gehülltes Volk, das sich heute als Weltmeister fühlt.

Zu sprachlichen Höchstleistungen läuft der „Le Parisien“ auf, der „Der Kopf in den Sternen“ titelt: „Wir kommen alle ins Paradies, und die Blauen öffnen uns die Tore, hier und jetzt zu unseren Lebzeiten, weil sie Traum-Händler sind.“ Die Zeitung huldigt Jungstar Mbappé. Der Jugendliche aus Bondy trete ins Pantheon ein: „Er ist in der Lage, euch 2022, 2026 oder 2030 einen dritten Stern nach Hause zu bringen.“ Etwas salopper nimmt es der „Les Echos“: „Wie feiert man am besten den 20. Jahrestag der ersten von den Blauen gewonnenen Weltmeisterschaft? Indem man eine zweite holt!“

Für die „Libération“ vereinen elf Spieler ein ganzes Land: „Wunderschöne Aufheiterung für diese Nation, die der verdrießlichen Stimmung so zugeneigt ist“, heißt es dort. Die Spieler hätten ihren Vertrag erfüllt, und darüber hinaus habe Deschamps seinen Platz im Fußball-Pantheon gesichert.

Offenbar ein beliebtes Bild bei den Franzosen. Die Zeitung sieht das Außergewöhnliche aber beim Publikum, „das gemischte, aber vereinte Volk, das in einer unwiderstehlichen Flut die Straßen und Plätze Frankreichs gestürmt hat - alle Klassen, alle Regionen, jede Herkunft zusammen.“

Russland

„Moskau hat das interessanteste WM-Finale des 21. Jahrhunderts erlebt“, schwärmt indes das russische Medium „Moskowski Komsomolez“. Das Gastgeberland kommt nicht umhin, auch sich selbst zu feiern, wie etwa die Zeitung „Sport-Express“: „Vive la France! Lang lebe Russland!“ Und schließt mit der Aussage, dass gegen so ein Frankreich auch kein kroatischer Charakter helfe – was immer das bedeuten mag.

Großbritannien

Das britische Boulevardblatt „The Sun“ übt sich im Tonfall eines Franz Beckenbauers: „Kylian Mbappé und die jungen Franzosen können nach dem überwältigenden WM-Triumph 2018 noch jahrelang herrschen“, heißt es dort. Es bestehe die Gefahr, dass die Mannschaft fortan nur noch besser wird – und bei den kommenden Turnieren kaum noch zu bezwingen sein könnte.

Der „Guardian“ zeigt sich lyrischer: „Wille, Geschicklichkeit und eine sorgfältige Coachingschablone haben eine Mannschaft geschmiedet, deren schiere Jugendlichkeit den Rest der Welt erschrecken sollte“, schwärmt die Tageszeitung, und fährt blumig fort: „An einem stürmischen, leicht wilden Nachmittag in Moskau wurde Frankreich zum zweiten Mal Weltmeister, mit dem Endpunkt für eine siegreiche Epoche und einem verführerischen Hinweis auf eine andere.“

Spanien

„La Belle Époque“ ruft auch die spanische Sportzeitung „Marca“ aus. „Zwischen Pogba und Griezmann, Symbole für Muskelkraft und Einfallsreichtum, erobert Deschamps' Frankreich die Welt“, heißt es im Hausblatt von Real Madrid. Von einer Leistungsschau spricht die Zeitung, einer Zusammenfassung der „gallischen Fußballweltmeisterschaft“. „Es ist kein Frankreich mit nur einem Kaiser, es ist ein Team aus Granit“, schwärmen die Redakteure. Kroatien sei erst dem Videobeweis erlegen, dann der körperlichen und geistigen Müdigkeit. Auch für „Mundo Deportivo“ stand der Videoassistent im Mittelpunkt: „Der Videobeweis der Protagonist eines Finales, in dem es nicht viel Fußball gab.“ Die Zeitung lobt jedoch auch den „Punch“ des nun zweimaligen Weltmeister. Die „Bleus“ hätten sich gegen müde Kroaten durchgesetzt, die sich entgegenstellten, als sie noch Kraft hatten.

„Französischer Titel, kroatischer Ruhm“, titelt „El País“. „Modrics Team, das beste des Turniers, war überlegen, bis es durch zwei umstrittene Schiedsrichterentscheidungen und das endgültige Durchstarten von Mbappé zugrunde gerichtet wurde“, analysiert die panische Zeitung. Und die „AS“ kürzt ab: „Frankreich gewinnt die Videobeweis-WM.“

Italien

Die italienische „Corriere della Sera“ lobt Frankreichs Trainer über den grünen Klee: „Klasse und Organisation: So hat Deschamps den französischen Weltmeister gebaut.“ Die Zeitung äußert sich aber gleichzeitig gesellschaftskritisch. Der Sieg von Moskau sei noch nicht nachhaltig: „Es gibt noch viel zu tun, und die Banlieus, die gestern Abend vor Glück explodiert sind, können morgen früh vor Wut wieder explodieren.“ Beim Fachmagazin „Tuttosport“ wiederum heißt es kurz und knapp: „Die Welt ist blau“.

Österreich

Der österreichische „Kurier“ mosert am Spielstil des Weltmeisters herum: „Der Erfolg stand beim neuen Weltmeister ganz klar über dem spielerischen Glanz“, heißt es bei der Zeitung. Die erhoffte Torgala der Traumoffensive rund um Griezmann und Mbappé hätten die französischen Fans nur beim packenden 4:3-Erfolg gegen Argentinien im Achtelfinale gesehen. „Sonst war oftmals Magerkost angesagt, stand eine sichere Defensive samt erfolgreicher Kontertaktik auf dem Programm, die voll aufging“. analysiert das Blatt.

Die „Kronen Zeitung“ kann sich einen Gruß ins Nachbarland nicht verkneifen: „Aus und vorbei, die Regentschaft von Deutschland als Fußball-Weltmeister ist endgültig beendet - der neue „König der Fußball-Welt“ ist Frankreich!“ Damit ist aber lediglich der offizielle Wachwechsel gemeint, den Philipp Lahm auch mit der Übergabe der WM-Trophäe vollzog.

Schweiz

Die Schweizer Zeitung „Blick“ nimmt ebenfalls die gesellschaftliche Komponente auf. „Frankreich soll Moment der Einigkeit genießen“, heißt es dort, „dieser WM-Titel hat gewiss eine gesellschaftlich integrative Kraft.“ 1998 sei das schon einmal gelungen, heute wisse man jedoch, dass dies nur eine Momentaufnahme gewesen sei. Und schließt: „Die Integrationsprobleme kann der Fußball nicht lösen. Nicht in Frankreich, nicht anderswo.“

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