WM Bierhoff vor Schweden-Spiel: „Sind wir dann nicht mehr Weltmeister oder was?“

Oliver Bierhoff zeigt sich vor dem zweiten WM-Spieltag verständnisvoll gegenüber der harten Kritik. Nur an einem Punkt geht er in die Offensive.
Update: 20.06.2018 - 14:37 Uhr Kommentieren
Der Manager der deutschen Fußballnationalmannschaft teilt viele Kritikpunkte am ersten WM-Auftritt. Quelle: dpa
Oliver Bierhoff

Der Manager der deutschen Fußballnationalmannschaft teilt viele Kritikpunkte am ersten WM-Auftritt.

(Foto: dpa)

SotschiNationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff hat vor dem zweiten Gruppenspiel bei der Fußball-WM in Russland am Samstag gegen Schweden vor zu viel Hektik und Unruhe gewarnt. „Wir dürfen nicht verkrampfen und müssen eine gewisse Ruhe bewahren“, sagte Bierhoff am Mittwoch bei der DFB-Pressekonferenz im Spielort Sotschi. „Wir haben ja die Fähigkeiten, wir müssen nicht daran zweifeln. Aber wir müssen gewinnen, das ist eine klare Sache. Das wird ein ganz harter Kampf und sicher kein Hurra-Spiel.“

Sehr wohl sei sich der Weltmeister nach der 0:1-Niederlage zum Auftakt gegen Mexiko am vergangenen Sonntag aber darüber im Klaren, dass es „schon das erste Endspiel ist. Es ist ärgerlich, dass es so früh kommt, aber das ist selbst verschuldet und wir müssen damit umgehen.“ In Gruppe F droht Deutschland bei einer weiteren Niederlage das frühe Aus bei der Endrunde.

Am Dienstag hatte es vor dem Abflug nach Sotschi eine Krisensitzung beim Titelverteidiger gegeben. „Es hat nicht so geknallt, wie es vielleicht früher geknallt hat“, sagte Bierhoff: „Es ist wichtig, dass wir die nächsten Tage einen guten Mix aus Fokussierung und Angespanntheit finden. Für uns war es wichtig, nicht zur Tagesordnung überzugehen.“

Nach dem Umzug vom Teamquartier aus Watutinki in der Nähe von Moskau an das Schwarze Meer erhofft sich Bierhoff, „ein bisschen mehr Leichtigkeit zu finden“. Auch die Köpfe sollen in der neuen Umgebung in der Olympia-Stadt „frei werden“, dabei spiele es keine Rolle, „ob der Himmel mehr blau ist. Jetzt zählt nur Leistung auf dem Platz.“

Grundsätzlich zeigte sich Bierhoff offen für Kritik und sehr selbstkritisch. Die Mannschaft habe mit der Leistung absolut verdient verloren. Es werde auch Impulse gesetzt, antwortete der Team-Manager vielsagen auf die Leistung der etablierten Spieler angesprochen. Er selbst gehe in sein neuntes Turnier als Funktionär und müsse sich natürlich dem Druck von außen stellen.

Die Frage eines Journalisten, ob mit einem Ausschieden die Arbeit der vergangenen 14 Jahre vergebens war, konterte Bierhoff allerdings brüsk: „Sind wir dann nicht mehr Weltmeister oder was?“ entgegnete der DFB-Direktor. Er betonte die Entwicklung im deutschen Fußball, und, auf Nachfrage, auch, dass natürlich eine Aufarbeitung stattfinden müsse, sollte es zum Aus kommen.

Mit auf dem Podium fanden sich die Nationalspieler Marco Reus und Thomas Müller ein. Während Reus sich viel Lob für seine das Spiel belebende Einwechslung abholte, musste sich Müller schon kritischeren Fragen zu seiner Leistung stellen. Ob es an der Position gelegen habe? Am Einsatzwillen? Die meisten Punkte umschiffte der zweimalige WM-Torschützenkönig humorig, nahm sich aber bei der Grundkritik nicht aus.

Dafür stellte sich Müller, wie zuvor schon Manuel Neuer, gegen den Eindruck, die Mannschaft sei zerrissen. „Bayern-Block? Gibt es dafür Quellen?“ flachste er in die Runde, um dann ernst anzufügen, dass es keine Grüppchenbildung im DFB-Lager gebe. „Beim Mittagessen vielleicht“, gab er zu bedenken, „aber auch am Tisch bin ich variabel einsetzbar“. Spannend hingegen jedoch der Zusatz, dass es während der großen Rivalität zwischen dem BVB und dem FC Bayern auch in der Nationalmannschaft zu Reibereien gekommen sei: „Da hatten wir nicht die beste Chemie.“

Reus wiederum druckste bei der Frage herum, ob er nun gegen Schweden gesetzt sei. Nach dem Auftaktspiel hatte der Angreifer im Eifer des Gefechts zu viel verraten: Es habe schon im Trainingslager festgestanden, den lange verletzten Dortmunder eher in den „wichtigen Spielen“ einzusetzen. Gemeint war damit die KO-Runde, Hintergrund die noch nicht wieder völlig hergestellte Leistungsfähigkeit des 29-Jährigen.

Reus erklärte nur schmallippig, dass er noch nichts dazu sagen könne. „Steht doch vorher fest, hast Du gesagt“ frotzelte Müller, was durchaus als ernstgemeinter Seitenhieb zu interpretieren ist. Kleinlaut fügte Reus dann auch an, dass die Entscheidung natürlich schon feststehe. Experten gehen stark von einem Startelfeinsatz aus.
Mit Material von dpa.

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