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Corona-Impfungen Wie sinnvoll ist der Booster? Das ist über die nachlassende Wirksamkeit der Covid-Impfstoffe bekannt

Die sich ausbreitende Delta-Variante rückt das Thema Booster-Impfung in den Fokus. Ein Überblick über Studien und Strategien der Hersteller.
18.08.2021 - 15:23 Uhr Kommentieren
Die deutsche Gesundheitsminister-Konferenz hat sich Anfang August für Auffrisch-Impfungen bei Patienten mit Immunschwächen, Pflegebedürftigen und „Höchstbetagte“ ausgesprochen. Quelle: dpa
Impfaktion

Die deutsche Gesundheitsminister-Konferenz hat sich Anfang August für Auffrisch-Impfungen bei Patienten mit Immunschwächen, Pflegebedürftigen und „Höchstbetagte“ ausgesprochen.

(Foto: dpa)

Frankfurt Im Kampf gegen die Corona-Pandemie rücken Auffrischimpfungen in den Fokus. Neue Studien sprechen dafür, dass sie noch schneller nötig werden als von vielen erwartet. Sowohl die Impfstoffhersteller als auch Zulassungsbehörden bereiten deshalb die Booster-Impfungen vor.

So haben Biontech und Pfizer am Montagabend erste Daten aus ihrer laufenden Studie mit einer dritten Dosis ihres Covid-Impfstoffs BNT-162b2 bei der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA eingereicht. Sie erzeugte bei den Testpersonen nach Angaben von Biontech deutlich höhere Antikörperkonzentrationen als nach der zweiten Impfung.

Phase-3-Daten aus der Studie erwarten Biontech und Pfizer in naher Zukunft. Man werde diese sowohl bei der FDA als auch bei anderen Zulassungsbehörden einreichen.

Die US-Regierung ist einem Bericht der „New York Times“ zufolge bereits entschlossen, den meisten Amerikanern eine Booster-Impfung acht Monate nach der Zweitimpfung zu empfehlen und anzubieten. Die entsprechende Impfkampagne könnte danach Mitte September starten.

Die FDA hatte zuvor – ähnlich wie die Behörden in Deutschland und Israel – bereits ein Zeichen in Richtung Booster-Impfung gesetzt, indem sie die Notfall-Zulassungen für die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna erweiterte und eine Zusatzimpfung für Personen mit geschwächtem Immunsystem genehmigte.

„Nach einer genauen Analyse der verfügbaren Daten sind wir zum Ergebnis gekommen, dass diese kleine, vulnerable Gruppe von einer dritten Impfung mit den Impfstoffen von Pfizer/Biontech oder Moderna profitieren könnte“, erklärte FDA-Chefin Janet Woodcock dazu. Allerdings bekräftigte sie dabei auch, dass andere voll geimpfte Personen keinen zusätzlichen Schutz benötigten und nach Einschätzung der FDA weiter adäquat geschützt seien.

Israel genehmigt die Booster-Impfung für alle Personen über 50 Jahre und hat inzwischen angefangen, diesen Personenkreis mit einer dritten Dosis zu impfen. In Deutschland hat sich die Gesundheitsminister-Konferenz bereits Anfang August für Auffrischimpfungen bei Patienten mit Immunschwäche, Pflegebedürftigen und „Höchstbetagten“ ausgesprochen.

Dass solche Strategien angebracht sind, wird inzwischen auch von größeren Beobachtungsstudien bestätigt. Sie zeigen, dass vor allem bei dem Biontech/Pfizer-Impfstoff die Schutzwirkung im Zeitverlauf nachlässt und dass damit Booster-Impfungen auch auf breiterer Front sinnvoll und notwendig sein könnten, insbesondere um die Ausbreitung der Delta-Variante besser einzudämmen.

Geringerer Schutz vor Infektion nach Delta-Ausbreitung

Das jedenfalls legt zum Beispiel eine jüngst als Preprint publizierte Studie der amerikanischen Mayo-Klinik nahe, die die Wirksamkeit der beiden mRNA-Impfstoffe von Moderna und Biontech/Pfizer auf monatlicher Basis analysierte.

Danach zeigten beide Impfstoffe im Juli, als die Deltavariante im Einzugsbereich der Klinik die Oberhand gewonnen hatte, eine geringere Schutzwirkung gegenüber Infektionen als in den Monaten zuvor. Der Rückgang der Effektivität war dabei im Falle des Biontech-Impfstoffs Comirnaty deutlich ausgeprägter als bei dem Moderna-Vakzin mRNA-1273.

Konkret lag danach der Wirkungsgrad des Biontech-Impfstoffs im Juli nur noch bei 42 Prozent gegenüber 76 Prozent im gesamten Zeitraum von Januar bis Juli. Für das Vakzin von Moderna ermittelten die Autoren der Studie eine Relation von 76 Prozent im Juli gegenüber 88 Prozent im Gesamtzeitraum.

Insgesamt war das Risiko für sogenannte Durchbruchsinfektionen, also Infektionen trotz vollständiger Impfung, nach Einschätzung der Autoren bei dem Moderna-Impfstoff nur halb so hoch wie beim Vakzin von Biontech und Pfizer. Allerdings war dabei der Schutz vor Covid-bedingten Todesfällen und schweren Erkrankungen, die eine stationäre Behandlung erforderten, bei beiden Impfstoffen ähnlich hoch und im Juli nur leicht verringert.

In eine ähnliche Richtung hatten zuvor bereits israelische Beobachtungsstudien gedeutet, die im Juli publiziert wurden. Danach hatte sich die Schutzwirkung des Biontech-Impfstoffs gegenüber symptomatischen sowie symptomlosen Covid-Infektionen im Juni auf 64 Prozent verringert.

In dieser Zeit bestimmte die Delta-Variante bereits maßgeblich das Infektionsgeschehen in Israel. Zuvor lagen die beobachteten Werte für die Effektivität bei etwa 94 Prozent. Die Zahl der Neuinfektionen ist in Israel zuletzt wieder deutlich angestiegen.

Eine britische Beobachtungsstudie war zuvor zum Ergebnis gelangt, dass sich die Schutzwirkung des Vakzins vor Infektionen unter dem Einfluss der Delta-Variante auf 79 Prozent verringert hat gegenüber 92 Prozent bei der Alpha-Variante. Sowohl die britische Analyse als auch die Daten aus Israel hatten dem Impfstoff dabei aber eine nach wie vor hohe Schutzwirkung von mehr als 90 Prozent gegenüber schweren Covid-Erkrankungen und Krankenhauseinweisungen bescheinigt.

Auch in Deutschland wächst die Zahl der Impfdurchbrüche. Alleine in der ersten Augustwoche gab es nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) mehr als 2000 Impfdurchbrüche und insgesamt gut 2600 Infektionsfälle bei Geimpften. Das entspricht rund 14 Prozent der Neuinfektionen in diesem Zeitraum.

Impfeffektivität von RKI weiter als hoch eingestuft

Seit Beginn der Impfkampagne beträgt die Gesamtzahl der Infektionen bei voll Geimpften bis zum 8. August 18.229. Darunter befanden sich gut 10.800 symptomatische Fälle. Die Impfeffektivität wird dabei vom RKI mit 87 Prozent weiterhin als hoch eingestuft, wobei das Institut aber nicht zwischen den verschiedenen Vakzinen differenziert.

Relativ zur Zahl der vollständigen Impfungen ist der Anteil der Impfdurchbrüche beim Moderna-Vakzin bisher mit weniger als 0,01 Prozent deutlich niedriger als bei Biontech (0,021 Prozent). Allerdings dürfte dabei in Deutschland die Tatsache eine Rolle spielen, dass die Impfungen mit mRNA-1273 später begannen als die mit dem Biontech-Impfstoff.

Die Forscher der Mayo-Klinik sehen unterdessen eine mögliche Ursache für den tendenziell schnelleren Wirkungsabfall beim Biontech-Impfstoff auch darin, dass er in einer niedrigeren Dosierung verabreicht wird. Gespritzt werden 30 Mikrogramm je Dosis, beim Moderna-Impfstoff sind es 100 Mikrogramm.

Diese Einschätzung würde auch zu Schlussfolgerungen passen, die etliche Experten aus den enttäuschenden Testresultaten des mRNA-Impfstoffs der Tübinger Curevac gezogen haben. Dieses Vakzin reduzierte das Infektionsrisiko in einer großen klinischen Studie lediglich um 48 Prozent. Als ein möglicher Grund dafür wird die noch niedrigere Dosierung von lediglich 12 Mikrogramm betrachtet.

Moderna hat unterdessen die potenziell längere Wirkdauer des eigenen Vakzins am Wochenende mit zusätzlichen Labordaten untermauert. Einer in der Fachzeitschrift „Science“ veröffentlichten Studie zufolge wurden bei der Mehrzahl der Studienteilnehmer auch bis zu sechs Monate nach der Impfung neutralisierende Antikörper gegen Sars-CoV-2 gemessen. Dabei habe sich zwar ein Trend von niedrigeren Antikörper-Konzentrationen gegen Virusvarianten bei den ältesten Personen gezeigt. Die Unterschiede seien aber gering.

Vorbereitung angepasster Varianten-Impfstoffe

Dessen ungeachtet lässt auch das Moderna-Management wenig Zweifel an der Erwartung, dass die Effektivität des Impfstoffs nicht dauerhaft hoch bleibt. „Auch wenn wir eine anhaltende Wirksamkeit nach sechs Monaten beobachten, gehen wir doch davon aus, das die Antikörperkonzentrationen nach und nach zurückgehen werden und dies die Effektivität des Impfstoffs beeinflussen wird“, sagte Moderna-Forschungschef Stephen Hoge im jüngsten Analysten-Call des Unternehmens.

Moderna arbeitet daher bereits an mehreren Zusatzversionen: an einer ergänzenden Impfung mit dem existierenden Vakzin mRNA-1273, einer Zusatzimpfung mit speziell an die Beta- und Delta-Variante angepassten Impfstoffen und an einem multivalenten Impfstoff, in dem mehrere solcher modifizierten Vakzine gleichzeitig enthalten sind, darunter auch eine Version gegen die Delta-Variante.

Ugur Sahin im Labor seines Unternehmens. Quelle: dpa
Biontech-Gründer

Ugur Sahin im Labor seines Unternehmens.

(Foto: dpa)

Eine ganz ähnliche Strategie nutzen Biontech und Pfizer. Primär setzen sie bisher auf eine Booster-Impfung mit dem etablierten Vakzin. Sie generierte laut Biontech in ersten Studien bei Teilnehmern eine fünffach höhere Antikörperkonzentration als nach der zweiten Impfung.

„Wir glauben daher, dass es im Moment die beste Strategie ist, mit einer Auffrischimpfung mit dem bisherigen Vakzin voranzugehen“, so Biontech-Chef Ugur Sahin. Es sei zwar denkbar, dass neue Varianten in den nächsten sechs bis zwölf Monaten eine Anpassung des Impfstoffs erforderlich machen könnten. Aber derzeit sei das nicht der Fall.

Vorsorglich hat indessen auch Biontech sein Forschungsprogramm im Bereich Covid inzwischen verbreitert und arbeitet zusätzlich an einer Booster-Dosis mit einer speziell gegen die Beta-Variante des Virus gerichteten Impfstoffmodifikation. Für das vierte Quartal planen Biontech und Pfizer außerdem eine Studie mit einem „multivalenten“ Impfstoff gegen die Delta- und Alpha-Variante.

Wie groß der Bedarf an Booster-Impfungen am Ende wirklich sein wird, bleibt vorerst schwer abzuschätzen. Analysten gehen bisher davon aus, dass Biontech und Moderna nicht zuletzt dank der Nachfrage nach Auffrischimpfungen 2022 ähnlich hohe Umsätze einfahren werden wie im laufenden Jahr. Längerfristig könnte sich der Markt ähnlich entwickeln wie der Grippe-Markt, wo viele Personen jährlich neue Impfungen erhalten.

Mehr: Was für und gegen eine dritte Impfung spricht

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