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Kryptobörse insolvent Was vom FTX-Imperium übrig bleibt

Das Insolvenzverfahren der Kryptobörse FTX hat begonnen und damit die Suche nach Vermögenswerten, um Gläubiger zu entschädigen. Gründer Bankman-Fried bereut, diesen Schritt gegangen zu sein.
24.11.2022 - 14:54 Uhr 1 Kommentar
FTX-Gründer Sam Bankman-Fried bereut den Insolvenzantrag. Quelle: Bloomberg
FTX-Gründer Sam Bankman-Fried

Der FTX-Gründer bereut es, einen Insolvenzantrag gestellt zu haben.

(Foto: Bloomberg)

Denver Die Gläubiger der insolventen Kryptobörse FTX müssen sich auf ein kompliziertes und langwieriges Verfahren einstellen – und auf hohe Verluste. „Große Mengen“ an Assets seien verschwunden und möglicherweise gestohlen worden, sagte der Anwalt von FTX James Bromley am Dienstag bei der ersten Gerichtsanhörung im US-Bundesstaat Delaware.

„Wir haben eine der schnellsten und schwierigsten Firmenpleiten in der Geschichte von Corporate Amerika erlebt“, stellte Bromley klar. Er arbeitet für die renommierte Kanzlei Sullivan & Cromwell und ist Teil der neuen FTX-Führungsriege um CEO John Ray, die im Zuge der Insolvenz installiert wurde.

Die einst drittgrößte Handelsplattform für Kryptowährungen musste am 11. November Gläubigerschutz anmelden. Gründer Sam Bankman-Fried wird vorgeworfen, Kundengelder in Milliardenhöhe entwendet zu haben. Zum Teil soll er damit Löcher bei seinem Hedgefonds Alameda gestopft und zum Teil sich selbst bereichert haben.

Durch das Verfahren „können nun alle unter die Decke schauen und müssen erkennen, dass der Kaiser keine Kleider trägt“, so Bromley. Bankman-Fried zählte einst zu den angesehensten Kryptounternehmern, der die Nähe zu Regulierern gesucht hat und vor wenigen Wochen in Schwierigkeiten geratene Konkurrenten übernommen hat. Der 30-Jährige war für sein zerzaustes Haar und seinen Schlabber-Look bekannt, trug meistens alte T-Shirts und Shorts und gab sich als Anhänger einer Bewegung, die sich Effektiver Altruismus nennt. Für ihn bedeutet das, mit Kryptowährungen so viel Geld wie möglich zu verdienen, um es dann zu spenden.

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    FTX-Gründer Sam Bankman-Fried schrieb Brief an Mitarbeiter

    Doch Bromley zeichnete am Dienstag vor Gericht ein anders Bild. „FTX wurde von einer Gruppe von unerfahrenen und arglosen Personen geführt. Einige oder alle von ihnen haben keine guten Absichten gehabt.“

    Bankman-Fried meldete sich am Dienstag unterdessen selbst zu Wort. Er sei „angesichts des große Drucks in Schockstarre verfallen“, schrieb er in einem Brief an die FTX-Mitarbeiter, den das Nachrichtenportal Semafor veröffentlichte.

    Er habe hochriskante Kryptotrades zu lange geduldet. Die erste große Schwächephase im Frühjahr hätte den Wert der als Sicherheiten hinterlegten Kryptowährungen um 50 Prozent reduziert, der Crash im November hätte den Wert noch einmal halbiert. So seien die Sicherheiten von 60 auf neun Milliarden Dollar zusammengeschrumpft. Er habe bis zuletzt versucht, das Unternehmen zu retten, versicherte Bankman-Fried. „Im Nachhinein hätte ich viele Dinge anders machen sollen.“

    >>Lesen Sie auch: FTX-Pleite und ihre Folgen: Krypto, Bitcoin, Blockchain – war’s das jetzt?

    Insolvenz der Kryptobörse FTX nach nur 3 Jahren

    In nur drei Jahren hatte er ein Imperium aufgebaut, das über 100 Tochterunternehmen auf der ganzen Welt umfasste. Nun sind Anwälte und Restrukturierungsspezialisten dabei, die Strukturen zu entflechten auf der Suche nach Vermögenswerten, um die gut eine Million Gläubiger zumindest zum Teil zu entschädigen.

    Gefunden haben sie bereits eine ganze Reihe von Luxusgrundstücken. So soll eine FTX-Tochter 300 Millionen Dollar für Immobilien auf den Bahamas ausgegeben haben, wie bei der Anhörung bekannt wurde. Dabei soll es sich hauptsächlich um Wohnungen und Ferienhäuser für Topmanager gehandelt haben. Weitere Details wurden nicht genannt. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte zuvor berichtet, dass FTX und Bankman-Fried mindestens 19 Immobilien im Wert von 121 Millionen Dollar gekauft haben soll.

    Bei einem Haus in der bewachten Wohnsiedlung Old Fort Bay sind die Eltern des FTX-Gründers als Käufer eingetragen. Die Immobilie wird laut Eintragungen von Juni als Ferienhaus genutzt. Ob sie das Haus aus eigenen Mitteln oder mit FTX-Geld gekauft haben, wollten Bankman-Frieds Eltern, Juraprofessoren an der Universität Stanford, nicht sagen. Das Ehepaar versuche seit dem Insolvenzantrag, das Haus an die FTX zurückzuführen, teilte ein Sprecher der Eltern mit.

    Auch Barmittel sind aufgetaucht. Am Dienstag veröffentlichte Gerichtsunterlagen zeigen, dass die Börse über einen Kassenbestand von 1,24 Milliarden Dollar verfügt. Dies sei „deutlich mehr“ als bislang gedacht.

    Keine zentrale Übersicht über Barbestände bei FTX

    CEO und Restrukturierungsexperte John Ray, der bereits die Enron-Pleite vor gut 20 Jahren abgewickelt hatte, monierte mangelnde Standards bei FTX. So soll der Mutterkonzern auf den Bahamas keine zentrale Übersicht über die Barbestände geführt haben. Es habe „keine genaue Liste von Bankkonten und Bevollmächtigten gegeben“, hatte Ray bereits im Vorfeld der Anhörung kritisiert. Zudem habe es FTX bei der Frage der Kreditwürdigkeit seiner Finanzpartner nicht so genau genommen.

    FTX schuldet nach eigenen Angaben den 50 größten Gläubigern rund 3,1 Milliarden Dollar. Diese könnten erst einmal weiter anonym bleiben, wie der zuständige Richter genehmigte. Viele Gläubiger sorgten sich vor Cyberangriffen, wenn ihr Name publik würde, so die Anwälte Insolvenzverfahren in den USA sind in der Regel deutlich transparenter als in Deutschland. Auch deutsche Firmen sind unter den Gläubigern, wie aus Gerichtsdokumenten hervorgeht.

    So hat das Frankfurter Bankhaus Scheich Forderungen in Höhe von 2,3 Millionen Dollar geltend gemacht. Bei der Blockchainfonds II GmbH & Co. KG sind es Forderungen in Höhe von 1,6 Millionen Dollar. Laut Handelsregister ist der persönlich haftende Gesellschafter eine Tochter des Blockchain-Unternehmens Immutable Insight aus München, das von Katharina Gehra geführt wird. Gehra war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

    >> Auch interessant: Verschwundenes Vermögen, manipulierte Software, Millionentransfers per Emoji: Die Horrorbilanz von FTX

    Kompliziertes Insolvenzverfahren nach FTX-Pleite

    Unklar ist derzeit noch, wie groß der Einfluss der Amerikaner sein wird. FTX meldete zwar in den USA Insolvenz an, hatte seinen Hauptsitz jedoch auf den Bahamas, was die Lage zusätzlich verkompliziert. Auf den Bahamas haben die Behörden bereits Kryptowährungen gesichert, um sie vor dem Zugriff anderer zu schützen. Vermögenswerte der FTX Europe AG sind nach Informationen des Handelsblatts nicht mit denen von den Bahamas und aus den USA vermischt worden.

    „Es kommt bei großen Insolvenzfällen immer wieder mal vor, dass sich mehrere Jurisdiktionen gleichzeitig für zuständig erklären“, gibt Tom Braegelmann, Insolvenzrechtsexperte bei der Kanzlei Annerton, zu bedenken. „In der Praxis wird versucht, das zu vermeiden oder schnell gerichtlich zu klären.“

    FTX-Gründer Sam Bankman-Fried bereut Antrag auf Insolvenzverfahren

    Die USA hätten jedoch einen entscheidenden Vorteil: „Dort sind die Insolvenzgerichte schon seit Enron, Madoff, Chrysler und Lehman auf große, komplexe Verfahren mit Millionen Gläubigern weltweit vorbereitet, ebenso die digitalen Dienstleister, und die Gerichtsakte und die Insolvenztabelle sind online für die Öffentlichkeit einsehbar“, so Braegelmann.

    Bankman-Fried bereut unterdessen, das Insolvenzverfahren beantragt zu haben, mit dem er die Kontrolle über sein Unternehmen an John Ray übergab. Er habe das Verfahren „aus Verzweiflung“ beantragt, schrieb er an die FTX-Mitarbeiter. „Etwa acht Minuten, nachdem ich die Papiere unterschrieben habe, kam Interesse für eine milliardenschwere Finanzierung“, so der FTX-Gründer. Wer das war und wie belastbar das Angebot war, schrieb er jedoch nicht.

    Er wolle den Rest seines Lebens damit verbringen, die Kunden zu entschädigen. Doch er wolle keine großen Hoffnungen wecken. „Ich mache mir Sorgen, dass selbst das nicht ausreicht.“

    Mehr: Hoffnung nach dem Kollaps: Europäische FTX-Kunden könnten leichter ausbezahlt werden

    Erstpublikation: 23.11.2022, 02:35 Uhr

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    1 Kommentar zu "Kryptobörse insolvent: Was vom FTX-Imperium übrig bleibt"

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    • "Der 30-Jährige war für sein zerzaustes Haar und seinen Schlabber-Look bekannt, trug meistens alte T-Shirts und Shorts und gab sich als Anhänger einer Bewegung, die sich Effektiver Altruismus nennt. Für ihn bedeutet das, mit Kryptowährungen so viel Geld wie möglich zu verdienen, um es dann zu spenden."
      Altruismus bedeutet für den Schlabber-Herrn
      - Immobilien kaufen, kaufen, kaufen
      - Fußballvereine finanzieren
      - riesige Spende für Bidens Wahlkampf
      DAS IST ALSO DER NEUE ALTRUISMUS - DA MUSS ICH ABER MEINEN KONSERVATIVEN ALTRUISMUS UNBEDINGT ANPASSEN!
      Diese Gutmenschen Heuchelei ist dermaßen unerträglich!

      Und dazu unglaubwürdig "acht Minuten nach der Unterschrift wäre die Rettung gekommen!" - geht's noch?

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