Aktuelle Studie Europa drohen Stromversorgungsengpässe

Das Beratungsunternehmen Capgemini sieht die Netzstabilität in Europa gefährdet. Laut einer Studie könnte ein kalter Winter zu Versorgungsengpässen führen. Der Energiemarkt müsse daher reformiert werden.
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Windenergieanlagen im Landkreis Märkisch-Oderland nahe Mallnow, Brandenburg: „Kurzfristig könnte ein sehr kalter Winter zu Versorgungsengpässen führen und die Netzstabilität gefährden.“ Quelle: dpa

Windenergieanlagen im Landkreis Märkisch-Oderland nahe Mallnow, Brandenburg: „Kurzfristig könnte ein sehr kalter Winter zu Versorgungsengpässen führen und die Netzstabilität gefährden.“

(Foto: dpa)

BerlinDie Wirtschaftskrise, dramatische Preisänderungen auf den Energiemärkten und der schnelle Ausbau erneuerbarer Energien bedrohen nach einer aktuellen Studie die Strom-Versorgungssicherheit in Europa. „Kurzfristig könnte ein sehr kalter Winter zu Versorgungsengpässen führen und die Netzstabilität gefährden“, fasste Energieexperte, Andreas Weiler, das Ergebnis einer Studie des Beratungsunternehmens Capgemini zusammen. Doch auch langfristig bedrohe die instabile Situation die Sicherheit der Energieversorgung.

Die Studie warnt, Gaskraftwerke, die zur Bewältigung von Spitzenbelastungen notwendig seien, würden wegen mangelnder Rentabilität geschlossen und die Reserven für den Winter, wie etwa Gas in unterirdischen Speichern, seien deutlich geringer als in den vergangenen Jahren.

Rund 60 Prozent der auf Gas basierenden Kapazitäten seien derzeit unrentabel und könnten bis zum Jahr 2016 geschlossen werden. Denn wegen der anhaltenden Wirtschaftskrise in Europa und des wachsenden Angebots erneuerbarer Energien seien die Gaskraftwerke immer weniger ausgelastet, heißt es in der Studie. Außerdem litten die Anlagen unter dem Boom der Kohlekraftwerke, die von niedrigen Weltmarktpreisen für das schwarze Gold und niedrigen Preisen für CO2-Zertifikate profitieren.

Eine umfassende Reform des europäischen Energiemarktes sei dringend notwendig, betonte Weiler. Dazu gehöre eine Reform des Emissionshandelsystems, der Aufbau eines Kapazitätsmarkts auf europäischer Ebene und ein kontrolliertes Wachstum der erneuerbaren Energien.

Die Baustellen der Energiewende
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Deutschlands Verbraucher bewerten die Fortschritte bei der Energiewende zwei Jahre nach dem Start kritisch. Zwar stehen vier von fünf Verbrauchern laut einer Umfrage des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv) hinter den wichtigsten Zielen wie Atomausstieg und Netzumbau. 48 Prozent sehen die Umsetzung des Umstiegs jedoch skeptisch, vor allem wegen steigender Energiekosten. Die Energiewende ist ein gesamtgesellschaftliches Mammutprojekt mit vielen Baustellen.

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Atomausstieg

Ein langfristig angelegtes Energiekonzept hatte die Bundesregierung zwar schon 2010 vorgelegt. Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima jedoch sah sie sich gezwungen, dieses Konzept radikal umzuarbeiten: Schwarz-Gelb beschloss den Ausstieg aus der Atomenergie bis zum Jahr 2022. Monate zuvor noch hatte die Koalition eine Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke durchgesetzt. Nach wie vor ungelöst ist die Frage nach einem Atommüll-Endlager. Die Bundesregierung rollte die Suche nach einer Lagerstätte neu auf. 2031 soll nun eine Entscheidung fallen.

File photo of workers installing solar panels on roof of farmstead barn in Binsham
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Erneuerbare Energien

Kernelement der Energiewende ist der massive Ausbau der Energieerzeugung mit erneuerbaren Energiequellen. Bis 2050 sollen 60 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden und sogar 80 Prozent des Stromverbrauchs.

Die Bundesregierung fördert den Ausbau erneuerbarer Energien erheblich durch festgelegte Vergütungen für die Einspeisung von Öko-Energie, etwa aus Wind oder Biomasse, ins öffentliche Netz. Dies führte in den vergangenen Jahren insbesondere zu einem Boom bei Solarstrom-Anlagen. Im vergangenen Jahr beschloss die Bundesregierung deshalb, die Förderung für neue Anlagen drastisch zu kürzen.

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Netzausbau

Der Ausbau der Ökostrom-Erzeugung hängt stark mit dem Ausbau des Stromnetzes zusammen. Eine wichtige Herausforderung ist es, Strom von Windparks aus Deutschlands Norden und in der Nordsee möglichst verlustarm in den Süden zu transportieren, wo sich wichtige Industriezentren befinden. Hierfür sind neue "Stromautobahnen" von großer Bedeutung, die großteils noch in Planung sind. Der Netzausbau sorgt dafür, dass das Stromnetz stabiler wird. Probleme gibt es derzeit beim Netzanschluss von Hochsee-Windparks. Zuletzt wurde die Anlage "Riffgat" eingeweiht, konnte wegen Munitionsfunden unter dem Meeresspiegel aber nicht angebunden werden.

Stromzähler
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Intelligente Netze

Auch die Verteilnetze, welche die Energie zu den Verbrauchern bringen und Strom von kleineren Öko-Erzeugungsanlagen abtransportieren, müssen umgebaut werden. Sie sollen "intelligent" werden: Das heißt, sie sollen den Austausch von Verbrauchs- und Erzeugungsdaten ermöglichen, mit deren Hilfe auch die Netzauslastung reguliert werden kann.

Auch sollen auf diese Art und Weise Nachfrage und Produktion besser in Einklang gebracht und zunehmend über intelligente Stromzähler auch verbrauchsabhängige Tarife angeboten werden, etwa je nach Tageszeit. Daneben fördert die Bundesregierung Batteriespeicher, die helfen sollen, Schwankungen in der Öko-Stromerzeugung auszugleichen.

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Konventionelle Kraftwerke

Abgesehen von den Atommeilern soll der Park konventioneller Kraftwerke in Deutschland bis 2020 ausgebaut werden. Zusätzlich zu den bisher im Bau befindlichen Anlagen sollen Kraftwerke mit einer Erzeugungskapazität von weiteren zehn Gigawatt errichtet werden. Auch dadurch sollen Netzstabilität und Versorgungssicherheit gesichert werden. Verschiedene Konzerne wollen jedoch konventionelle Kraftwerke stilllegen. Die Bundesnetzagentur bewertet dies besonders für die Versorgungssicherheit in Deutschlands Süden als kritisch.

Gebäudesanierung
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Gebäudesanierung und Energieeffizienz

In Deutschland soll es nicht nur mehr Ökoenergie geben, sondern auch der Energieverbrauch deutlich gesenkt werden - vor allem der Wärmebedarf. Der Bund fördert die energetische Gebäudesanierung im Zeitraum 2012 bis 2014 mit jährlich 1,5 Milliarden Euro. Ab 2020 sollen alle neu gebauten Häuser in Deutschland Niedrigstenergiehäuser sein. Daneben will die Bundesregierung auf EU-Ebene strengere Regelungen für die Verbrauchskennzeichnung von Produkten durchsetzen.

Capgemini ist ein internationales Beratungsunternehmen mit Sitz in Frankreich. Es beschäftigt 125.000 Mitarbeiter in 44 Ländern. Der weltweite Umsatz im Jahr 2012 betrug 10,3 Milliarden Euro.

  • dpa
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