Debatte um Fracking Deutsche Erdgasproduktion gesunken

Die Förderung deutschen Erdgases ist im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. Die Branche will neue Lagerstätten erschließen, fühlt sich aber durch zu lange Genehmigungsverfahren ausgebremst. Auch das Reizthema Fracking spielt weiter eine Rolle.
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In den USA ist Fracking weit verbreitet, in Deutschland ist der Widerstand noch groß. Quelle: ap

In den USA ist Fracking weit verbreitet, in Deutschland ist der Widerstand noch groß.

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Deutschlands Erdgasproduktion ist im vergangenen Jahr stark gesunken. 2013 förderte die Branche 9,8 Milliarden Kubikmeter Erdgas aus heimischen Quellen, teilte der Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung (WEG) am Mittwoch in Hannover mit. Im Vorjahr hatte das Volumen noch bei 10,8 Milliarden Kubikmetern Gas gelegen.

Die Erdölförderung aus deutschem Boden hielt sich den Angaben zufolge dank hoher Investitionen mit 2,6 Millionen Tonnen auf stabilem Niveau. Grund für den Rückgang der Gasproduktion seien vor allem verzögerte Genehmigungen für die Erschließung neuer Lagerstätten und der natürliche Rückgang in älteren Feldern, hieß es.

Der WEG vertritt die Interessen der deutschen Erdöl- und Erdgasbranche. Sie trägt nach Verbandsangaben mit einem Umsatz von 4 Milliarden Euro über Förderabgaben von jährlich rund 760 Millionen Euro zur Wertschöpfung bei. Unter allen Bundesländern ragt Niedersachsen heraus: Hier lagern nach Daten des Landesamts für Bergbau, Energie und Geologie 95 Prozent der deutschen Reserven.

Das größte international tätige deutsche Förderunternehmen Wintershall hatte die Landesregierung in Hannover in der vorigen Woche aufgerufen, Niedersachsen auf Bundesebene selbstbewusster zu vertreten. „Bundesländer, die selbst über gar keine Öl- und Gasquellen verfügen, sollen nicht die Regeln für andere aufstellen“, sagte der Chef von Wintershall Deutschland, Joachim Pünnel. Erdgas aus Niedersachsen decke derzeit 12 Prozent des deutschen Bedarfs.

Nimm Gas, mach Strom und Wärme
Blockheizkraftwerk
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Blockheizkraftwerke (BHKW) basieren auf dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Dabei werden über einen Gasmotor oder eine Gasturbine Strom und Wärme erzeugt.

Blockheizkraftwerke
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Die entstehende Abwärme wird möglichst ortsnah, zum Beispiel als Fernwärme für ein Wohngebiet oder zur Warmwasserbereitung, eingesetzt. Auch die Nutzung für Prozesswärme oder in industriellen Anwendungen ist weit verbreitet.

Gaskraftwerk in Lubmin
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Die direkte Nutzung der Abwärme macht Blockheizkraftwerke besonders effizient. Bei modernen Gas-Kombi-Kraftwerken können bis zu 60 Prozent der Energie, die das Gas enthält, in Strom umgewandelt werden. Der Rest entweicht als Abwärme. Da diese bei Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung genutzt wird, ergibt sich ein Gesamtwirkungsgrad von mehr als 90 Prozent. Der Ausstoß von Treibhausgasen wird so deutlich reduziert.

Neue Biogasanlage in Lüchow
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In der Getränkeindustrie oder der Landwirtschaft kommt die Nutzung eines Blockheizkraftwerks häufig vor. Durch die Vergärung von Brauereiabwässern oder Biomasse kann Biogas erzeugt werden, das sich anschließend in einem Gasmotor verfeuern lässt.

Bitburger
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Ein prominentes Beispiel: Die Bitburger Brauerei setzt seit mehr als fünf Jahren auf die Nutzung von Biogas und Abwärme. Der Primärenergieverbrauch kann damit gegenüber der getrennten Energie- und Wärmeerzeugung – durch ein Generator-Set und einer separaten Wärmequelle – um bis zu vierzig Prozent reduziert werden.

Deutschlands größte Vergärungsanlage geht in Betrieb
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In einem BHKW bei Passau wird jährlich aus 20.000 Tonnen Biomüll Biogas gewonnen und in Strom umgewandelt. Laut Internationaler Energie Agentur (IEA) wird ein Zehntel der weltweit erzeugten Energie über das Kraft-Wärme-Kopplungs-Prinzip gewonnen. In Deutschland sind es etwa zwölf Prozent. Bis 2030, so errechnen die IEA-Experten, sei aber eine Verdopplung des Anteils möglich, sofern die Entwicklung von der Politik gefördert wird.

Regensburg
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Einige Gemeinden in Deutschland nutzen bereits jetzt Blockheizkraftwerke intensiver als andere. Seit knapp 20 Jahren setzt der Regensburger Energie- und Wasserversorger REWAG auf Jenbacher Gasmotoren von GE. Jährlich spart die Stadt so rund mehr als 23.700 Tonnen CO2 ein.

Angesichts der kontroversen Debatte um das sogenannte Fracking sei das grundsätzliche Bekenntnis des niedersächsischen Wirtschafts- und auch des Umweltministers zur heimischen Förderung ein wichtiges Zeichen. Es müsse gezeigt werden, dass – unabhängig von der Diskussion um Schiefergas – unter strengen Auflagen bei der konventionellen Erdgasförderung weiter mit dem Hydraulic-Fracturing-Verfahren gearbeitet werden kann. „Wintershall steht für ein Modellprojekt bereit“, betonte das Unternehmen. Beim Fracking wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien in die Tiefe presst, um an gebundendes Erdgas zu kommen. Kritiker fürchten ums Trinkwasser.

  • dpa
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