Energiewende Bund soll Nordsee-Windparks anbinden

Die SPD-Länderminister fordern, den Offshore-Netzausbau nicht allein der Privatwirtschaft zu überlassen. Es sei sinnvoll, das Projekt nicht von "einzelbetrieblichen Überlegungen" abhängig zu machen.
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Der Bund müsse sich am Netzausbau für die Offshore-Windenergie beteiligen, fordern SPD-Politiker. Quelle: dpa

Der Bund müsse sich am Netzausbau für die Offshore-Windenergie beteiligen, fordern SPD-Politiker.

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Die SPD-Wirtschaftsminister aus Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Thüringen sehen die Energiewende in Gefahr, sollte der Staat den Netzausbau weiter allein der Privatwirtschaft überlassen. "Die Minister fordern den Bund auf, eine eigene Beteiligung im Offshore-Netzausbau zu prüfen", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der Ressortchefs Nils Schmid, Garrelt Duin und Uwe Höhn, die dem Handelsblatt vorliegt.

Die Minister berufen sich auf eine von ihnen in Auftrag gegebene Studie der TU Berlin, die alternative Modelle für die Organisation und Finanzierung des Netzausbaus untersucht hat. Der erfordert bis 2023 Investitionen in Höhe von 32 Milliarden Euro.

Die vier Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Amprion, TransnetBW und Tennet sind laut der Studie durchaus in der Lage, den Netzausbau an Land zu stemmen. Dagegen gebe es bei der von der niederländischen Tennet verantworteten Anbindung der Windparks in der Nordsee bisher nur "wenige Anreize für Kosteneffizienz", kritisieren die Minister. Sie fordern, der Bundesnetzagentur stärkere Kontrollrechte einzuräumen, damit Kosten nicht länger einfach durchgereicht werden könnten.

Erneuerbare Energien nutzen
huGO-BildID: 17623366 In this photo taken on March 28, 2010 and released by the Shanghai Pacific Institute for International Strategy on Wednesday, A
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Die Nachfrage ist da: Die Erzeugung erneuerbarer Energien kann die Umweltverschmutzung reduzieren und die Versorgungslage verbessern. Dennoch tun sich viele Länder schwer damit, erneuerbare Energien effektiv und kosteneffizient in bestehende Netze zu integrieren. Ein Überblick der Herausforderungen und Lösungen in verschiedenen Ländern.

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Windräder im Morgennnebel
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Alles unter Kontrolle?

2012 wendete Deutschland 24 Milliarden Euro für Einspeisungstarife auf, die für Strom aus erneuerbaren Energien einen festen Preis pro Kilowattstunde garantieren. Diese Kosten haben die Begeisterung für erneuerbare Energiequellen abkühlen lassen.

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Prime Minister opens world's largest offshore wind farm the Londo
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Ihre Gebote bitte!: Eine weitere Möglichkeit, Energiekosten zu senken: ein Auktionssystem. Brasilien versteigert Windkraftkapazitäten gekoppelt an langfristige Verträge. Durch Versteigerungen von Verträgen mit 20 Jahren Laufzeit konnten die bisherigen Einspeisungstarife um bis zu 20 Prozent gesenkt werden.

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Enrique Pena Nieto
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Die Saison ist eröffnet: In Mexiko setzt die staatliche Energieversorgung auf einen Prozess namens „Open Season“: Übertragungskapazitäten sollen auf transparente Weise an private Erzeuger erneuerbarer Energien ausgegeben werden. Bis 2026 will Mexiko 35 Prozent seiner Versorgung mit erneuerbaren Energien realisieren.

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Kraftwerk Mehrum
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Hindernisse: Die monopolistische Position der Stromnetzbetreiber führt häufig zu hohen Anschlusskosten oder hohen Tarifen für erneuerbare Energien. Das aber hemmt das Wachstum. Um ihre Energieziele zu erreichen, müssen Regierungen weltweit für mehr Transparenz sorgen und die Tarifsituation im Sinne eines fairen Wettbewerbs regeln.

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Die Studie zeige aber auch, dass öffentliche Beteiligung sinnvoll sein könne, um den Offshore-Netzausbau "unabhängig von einzelbetrieblichen Überlegungen zu gewährleisten", schreiben die Minister. Die Studie schlägt vor, dass sich der Bund zum Beispiel über die Förderbank KfW an künftigen Kapitalerhöhungen der Übertragungsnetzbetreiber beteiligt.

Die drei Minister fordern zudem rechtliche Anpassungen, damit die Ausbauverantwortung nicht automatisch einer bestimmten Privatfirma zufällt. Bisher ist das deutsche Übertragungsnetz in vier regionale Zonen aufgeteilt, für die jeweils einer der Netzbetreiber zuständig ist. In Tennets Verantwortungsbereich fällt die Küstenregion. Kritische Ausbauvorhaben sollte der Bund künftig auch einer öffentlichen Gesellschaft zuweisen dürfen, um "mehr gestaltenden Einfluss auf das Ob und Wie des Leitungsausbaus zu bekommen", so die Minister.

Das Gutachten sei kein Plädoyer für eine "Bundesnetzgesellschaft", sagte Schmid dem Handelsblatt. Es zeige aber, dass eine öffentliche Beteiligung im unsicheren technologischen Umfeld im Offshore-Bereich durchaus Sinn haben könne: "Hier ist der Bund gefordert, auch um die Kosten für die Verbraucher in einem verträglichen Rahmen zu halten."

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