Gas aus Windstrom Technik mit großem Potenzial

Das Bundesumweltministerium will die Anrechnung von aus Windstrom gewonnenem Gas auf die Biokraftstoffquote ermöglichen. Das könnte dem Power-to-Gas-Konzept zum Durchbruch verhelfen.
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Windräder in Niedersachsen: Schub für die Branche. Quelle: dpa

Windräder in Niedersachsen: Schub für die Branche.

(Foto: dpa)

BerlinEs geht nur um eine paar Sätze in der Novelle des Bundes-Immissionsschutzgesetzes, doch für eine noch junge Branche bedeuten sie viel: Das Bundesumweltministerium will im neuen Gesetz den Weg dafür bereiten, dass aus Windstrom gewonnenes Gas auf die Biokraftstoffquote angerechnet werden kann. Die Branche erhofft sich davon einen gehörigen Schub.

"Für uns ist es wichtig, über die Schwelle der Versuchs- und Modellvorhaben hinauszukommen", sagte Werner Diwald, Sprecher der Initiative "Performing Energy", dem Handelsblatt. "Wenn der Gesetzgeber ermöglicht, aus Windstrom gewonnenes Gas auf die Biokraftstoffquote anzurechnen, könnte das ein entscheidender Impuls für eine breite Markteinführung sein."

Nimm Gas, mach Strom und Wärme
Blockheizkraftwerk
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Blockheizkraftwerke (BHKW) basieren auf dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Dabei werden über einen Gasmotor oder eine Gasturbine Strom und Wärme erzeugt.

Blockheizkraftwerke
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Die entstehende Abwärme wird möglichst ortsnah, zum Beispiel als Fernwärme für ein Wohngebiet oder zur Warmwasserbereitung, eingesetzt. Auch die Nutzung für Prozesswärme oder in industriellen Anwendungen ist weit verbreitet.

Gaskraftwerk in Lubmin
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Die direkte Nutzung der Abwärme macht Blockheizkraftwerke besonders effizient. Bei modernen Gas-Kombi-Kraftwerken können bis zu 60 Prozent der Energie, die das Gas enthält, in Strom umgewandelt werden. Der Rest entweicht als Abwärme. Da diese bei Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung genutzt wird, ergibt sich ein Gesamtwirkungsgrad von mehr als 90 Prozent. Der Ausstoß von Treibhausgasen wird so deutlich reduziert.

Neue Biogasanlage in Lüchow
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In der Getränkeindustrie oder der Landwirtschaft kommt die Nutzung eines Blockheizkraftwerks häufig vor. Durch die Vergärung von Brauereiabwässern oder Biomasse kann Biogas erzeugt werden, das sich anschließend in einem Gasmotor verfeuern lässt.

Bitburger
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Ein prominentes Beispiel: Die Bitburger Brauerei setzt seit mehr als fünf Jahren auf die Nutzung von Biogas und Abwärme. Der Primärenergieverbrauch kann damit gegenüber der getrennten Energie- und Wärmeerzeugung – durch ein Generator-Set und einer separaten Wärmequelle – um bis zu vierzig Prozent reduziert werden.

Deutschlands größte Vergärungsanlage geht in Betrieb
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In einem BHKW bei Passau wird jährlich aus 20.000 Tonnen Biomüll Biogas gewonnen und in Strom umgewandelt. Laut Internationaler Energie Agentur (IEA) wird ein Zehntel der weltweit erzeugten Energie über das Kraft-Wärme-Kopplungs-Prinzip gewonnen. In Deutschland sind es etwa zwölf Prozent. Bis 2030, so errechnen die IEA-Experten, sei aber eine Verdopplung des Anteils möglich, sofern die Entwicklung von der Politik gefördert wird.

Regensburg
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Einige Gemeinden in Deutschland nutzen bereits jetzt Blockheizkraftwerke intensiver als andere. Seit knapp 20 Jahren setzt der Regensburger Energie- und Wasserversorger REWAG auf Jenbacher Gasmotoren von GE. Jährlich spart die Stadt so rund mehr als 23.700 Tonnen CO2 ein.

In der Initiative sind Unternehmen wie Linde, Total, Siemens und Vattenfall zusammengeschlossen. Auch die Deutsche Umwelthilfe und das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme machen mit. Ziel von "Performing Energy" ist es, der Gewinnung von Gas aus Strom ("Power to Gas") zum Durchbruch zu verhelfen.

In kleinerem Maßstab funktioniert das Power-to-Gas-Konzept bereits. So eröffnete Audi im vergangenen Jahr im niedersächsischen Werlte eine Pilotanlage. Dort wird aus Windstrom durch Elektrolyse Wasserstoff produziert, der in Methan verwandelt wird. Methan ist mit fossilem Erdgas fast identisch, kann ins Erdgasnetz eingespeist und zum Betanken von Erdgas-Autos genutzt werden. Mit dem in Werlte produzierten Gas aus Windstrom lassen sich jährlich 1 500 Mittelklassewagen betanken, die jeweils 15.000 Kilometer zurücklegen.

Interessant wird das Verfahren, das im Prinzip jahrzehntealt ist, erst durch die Energiewende: Gerade im Norden Deutschlands wird immer häufiger mehr Windstrom produziert, als sich sinnvoll verwenden lässt. Aus diesem überschüssigen Windstrom ließe sich künftig in großem Maßstab Gas herstellen.

Im Umweltministerium erkennt man das Potenzial der Technik. Die Vorschläge von "Performing Energy" zur Einbeziehung des aus Windstrom gewonnenen Gases in den Kraftstoffsektor "sind sinnvoll und werden in unserem Haus auch ähnlich verfolgt", sagte ein Ministeriumssprecher auf Anfrage des Handelsblatts. Die EU-Kommission arbeite derzeit an entsprechenden Vorschriften, die über eine in der Novelle des Immissionsschutzgesetzes vorgesehene Verordnungsermächtigung "zeitnah umgesetzt werden".

Auch für die Mineralölwirtschaft hätte die Anrechnung Vorteile. Die Branche ist nach dem Biokraftstoffquotengesetz verpflichtet, einen wachsenden Mindestanteil von Biokraftstoffen in den Verkehr zu bringen. Könnte sie dabei auf "Power-to-Gas"-Produkte zurückgreifen, würde sich das begrenzte Angebot an Biotreibstoffen erhöhen.

Infografik Wie Energie sich speichern lässt



Allerdings ist Power to Gas von der Wirtschaftlichkeit noch weit entfernt. Energiewirtschaftlich bedeutsam kann das Verfahren dennoch sein. Denn schließlich kann man das produzierte Gas ins Erdgasnetz einspeisen. Das Netz bietet dafür noch reichlich Kapazität. Damit hätte man überschüssigen Windstrom - über den Umweg der Elektrolyse - gespeichert. Angesichts knapper Stromspeicherkapazitäten wäre das eine interessante Alternative.

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