Nachhaltige Logistik Alles im grünen Bereich

Umweltschonende Transportkonzepte ermöglichen Unternehmen, Kosten zu senken. Experten sehen in der Ressourceneffizienz eine Schlüsseltechnologie. Insbesondere der Einsatz von Erdgas als Treibstoff wird gefördert.
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Verkehr auf der A2 bei Hannover: Erdgas als Treibstoff für Lkws wird steuerlich gefördert. Quelle: dpa

Verkehr auf der A2 bei Hannover: Erdgas als Treibstoff für Lkws wird steuerlich gefördert.

(Foto: dpa)

Die weltweite Wachstumsschwäche und die Probleme in der Euro-Zone bremsen die deutschen Transport- und Logistikunternehmen. Nach einem leichten Umsatzplus von 0,7 Prozent im vergangenen Jahr stagniert das Wachstum der Branche in diesem Jahr. Auf ein baldiges Anspringen des Konjunkturmotors zu hoffen, hilft den Speditionen kaum weiter. Sie können stattdessen mit Hilfe neuer Technologien ihre Ausgaben reduzieren – und so wettbewerbsfähiger und rentabler zu werden.

Das geht zum Beispiel über „grüne“ Logistik. Damit sind nachhaltige und umweltschonende Transport- und Logistikkonzepte gemeint, die Treibhausgase wie Kohlendioxid (CO2) reduzieren. „Bei einer zunehmend arbeitsteiligen Welt und global diversifizierten Absatzmärkten kommt der effizienten Logistik eine Schlüsselrolle für die deutsche Wirtschaft zu“, so Michael Kotzbauer, Bereichsvorstand Großkunden der Commerzbank, anlässlich des Branchenkolloquiums Transport Logistik im Oktober in Berlin.

Grüne Logistik ist für Transport- und Logistikfirmen nicht nur angesichts der gestiegenen Klimaschutzauflagen ein Thema. Ein umweltschonendes Geschäftsprinzip bietet potenziell auch finanzielle Vorteile wie das Beispiel der Kübler Spedition aus Schwäbisch Hall belegt.

Die Firma, zu der 90 Mitarbeiter gehören, transportiert Schwergüter wie Lokomotiven und schwere Maschinenteile. „Schwertransporter, die mit einer Fracht von 200 Tonnen auf den Straßen unterwegs sind, verbrauchen rund 160 Liter Diesel auf 100 Kilometern und beeinträchtigen den Verkehrsfluss“, sagt Heinz Rößler, Geschäftsführer und Inhaber der Spedition.

Ökologisches Bauen senkt Energiekosten

Seine Firma hat alle Transporte, sofern ökologisch sinnvoll und möglich, auf Wasserwege verlagert. So arbeitet das Unternehmen seit 2005 mit einem Reeder zusammen, der dafür sorgt, dass die Schwergüter per Schiff von Mannheim nach Rotterdam und Antwerpen gelangen.

Seitdem verbraucht die schwäbische Spedition nur noch zehn Prozent des Treibstoffs, den sie für den Straßentransport benötigen würde. „Der Transport über den Wasserweg ist nicht nur kostengünstiger, sondern auch schneller“, betont Rößler. So benötige das Schiff von Mannheim nach Rotterdam 27 Stunden. Per Lkw würde es vier Tage dauern.

Eine weitere „grüne“ Maßnahme des Unternehmens ist das ökologische Bauen. So sind die Dächer der Gebäude mit Solarmodulen ausgestattet. Beheizt werden die Immobilien durch Erdwärme (Geothermie). „Die Fußbodenheizung benötigt nur 25 Prozent der Energie, die wir vorher mit einer herkömmlichen Heizung verbraucht haben“, so Rößler.

Der Firmenchef hat vor drei Jahren auch seine geräumigste Lagerhalle, die so groß wie zwei Fußballfelder ist, mit einer Geothermie-Anlage ausgestattet. Dafür musste das Familienunternehmen erst einmal viel Geld in die Hand nehmen. „Die Investition hat sich in acht bis neun Jahren amortisiert“, sagt Rößler. Die verschiedenen grünen Maßnahmen seiner Firma haben laut dem Firmenchef die CO2-Belastung, die in dem Unternehmen entsteht, insgesamt um die Hälfte reduziert. Im Jahr 2010 seien dies rund 2000 Tonnen CO2 gewesen.

KfW fördert nur umweltfreundliche Lkw-Flotten

Lkws auf der Autobahn: Der Transport per Binnenschiff geht häufig schneller. Quelle: dpa

Lkws auf der Autobahn: Der Transport per Binnenschiff geht häufig schneller.

(Foto: dpa)

Heinz Rößler spart am richtigen Ende. Denn die stark angestiegenen Energiekosten der vergangenen Jahre machen der Branche am meisten zu schaffen. So verteuerte sich der Kraftstoff seit 2010 um rund 25 Prozent. Mittlerweile liegt der Anteil der Kraftstoffkosten im Güterkraftverkehr bei rund 30 Prozent des Gesamtaufwandes der Firmen - Tendenz steigend. Vor diesem Hintergrund gewinnen umweltfreundliche Transporte stark an Bedeutung.

So hat die Politik Anreize gesetzt, den Einsatz von Erdgas als Treibstoff für Kraftfahrzeuge voranzutreiben. LNG (Liquified Natural Gas) und CNG (Compressed Natural Gas) werden bis Ende 2018 mit einem niedrigeren Mineralölsteuersatz über das Energiesteuergesetz gefördert. Das Deutsche Verkehrsforum (DVF) fordert, dies langfristig beizubehalten.

Ein Ziel der Europäischen Union ist, nicht noch mehr Transportkapazitäten auf die Straße zu bringen. „Daher fallen Speditions-Lkws aufgrund der EU-Beihilfethematiken grundsätzlich aus den besonders zinsgünstigen Förderprogrammen der KfW heraus“, sagt Thomas Heitmann von der Mittelstandsbank Westfalen-Lippe-Ems der Commerzbank. Ausnahme sind bis Jahresende 2013 noch Lkws, die die Euro-Norm 6 erfüllen. Diese Fahrzeuge seien günstig über das KfW-Umweltprogramm – als beihilfefreie Variante – zu finanzieren.

Gute Möglichkeiten gibt es laut Heitmann bei der Finanzierung von Logistik- und Verwaltungsgebäuden. „Sofern der Energieverbrauch gemäß der Energieeinsparverordnung 2009 um mindestens 20 Prozent unterschritten wird, kann das KfW-Energieeffizienzprogramm zum Einsatz kommen“, so der Commerzbank-Mittelstandsexperte.

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