Reformen gefordert Versorger rufen nach der Politik
Nach Ansicht von Experten konnten die Konzerne diese Entwicklung nicht komplett vorhersehen. „Das EEG wurde vermutlich von niemandem zu Ende gedacht und zu Ende gerechnet“, sagt Analyst Guido Hoymann vom Bankhaus Metzler. Die Investitionen in erneuerbare Energien nahmen seiner Meinung nach auch deshalb solche unerwarteten Ausmaße an, weil die Renditen von Wind und Sonne angesichts der Niedrigzinsen im Euroraum attraktiver wurden.
Konventionelle Erzeugung wird aber noch viele Jahre gebraucht, solange ausreichend große Stromspeicher für die Erneuerbaren fehlen. Das gilt nicht nur für die Versorgung bei Nacht und Windstille, sondern angesichts der Stromschwemme zunehmend auch für den Ausgleich der Netzspannung an besonders wind- und sonnenreichen Tagen. Der Winterorkan „Xaver“ Anfang Dezember mit neuen Windstromrekorden an der Nordsee zwang den Netzbetreiber Tennet etwa zu Ausgleichsmaßnahmen mit konventionellen Kraftwerken bis nach Österreich.
Die Stromkonzerne reagieren auf den scharfen Einnahmerückgang mit den üblichen Rezepten: Sparpakete mit Stellenabbau, Verkauf von Beteiligungen, Dividendenkürzungen und Verlagerung von zentralen Aufgaben ins preiswertere Ausland.
Branchenprimus Eon setzt stark auf die Wachstumsmärkte in Brasilien und in der Türkei, steht angesichts der Finanzprobleme des brasilianischen Partners Eike Battista aber auch im neuen Jahr vor Herausforderungen. RWE ist wegen der kommunalen Eigner stärker an den Heimatmarkt gebunden und muss umso schärfer kürzen. Die Essener bauen laufende Projekte fertig, danach sollen Investitionen vorerst nur noch in die Instandhaltung fließen. Immerhin kann RWE - genau wie Vattenfall in der Lausitz - auf stabile Einnahmen aus der Braunkohle bauen. EnBW hat wegen der früher starken Ausrichtung auf Atomkraft einen besonders harten Weg.
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Von der großen Koalition erhoffen sich die Erzeuger einen „Kapazitätsmechanismus“ - also Geld für das Vorhalten von Gas- und Kohlestrom unabhängig von Marktpreisen. Der Koalitionsvertrag stellt das nur „mittelfristig“ und unter starken Einschränkungen in Aussicht. Die Industrie ist trotzdem optimistisch - nicht zuletzt mit Blick auf das klare Eintreten der SPD unter NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft für die konventionelle Erzeugung. „Schlimmer als jetzt kann es in der Erzeugung außerdem doch gar nicht mehr werden“, sagt ein Energiemanager.
