UMWELTPOLITIK Inspektionen gibt es kaum

Die Bundesregierung will den Klimaschutz voranbringen und stellt dafür allerlei Richtlinien auf. Allerdings sorgt sie sich wenig um Einhaltung der eigenen Vorgaben und kontrolliert die kaum.
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Den Klimaschutz schreibt sich die Regierung in zahlreichen Richtlinien groß auf die Fahnen. Ob die Vorschriften auch eingehalten werden, kontrolliert sie kaum. Quelle: dpa

Den Klimaschutz schreibt sich die Regierung in zahlreichen Richtlinien groß auf die Fahnen. Ob die Vorschriften auch eingehalten werden, kontrolliert sie kaum.

(Foto: dpa)

BerlinMehr als ein Drittel der Energie verbrauchen die Deutschen in Gebäuden. Für die Bundesregierung gilt daher die klimapolitische Erkenntnis: „Mit heute verfügbarer Technik kann der Bedarf in diesem Bereich deutlich reduziert werden“, sagt Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Umweltministerium.

Doch an der Umsetzung fehlt es. Dabei geht es nicht nur um die energetische Sanierung der Fassaden, um neue Fenster oder den Austausch veralteter Heizungen, über die sich der Betrieb von Gebäuden effizienter und damit kostengünstiger gestalten lässt. Allein der Sanierungsstau bei Klimaanlagen kostet jede Menge Energie. Größere Klimaanlagen, die fast ausschließlich in öffentlichen und gewerblichen Gebäuden zum Einsatz kommen, müssen laut Energieeinsparverordnung alle zehn Jahre überprüft werden.

Allerdings werden bisher nur drei Prozent der Anlagen untersucht, wie eine Studie des Instituts für Luft- und Kältetechnik Dresden und der Schiller Engineering aus dem Jahr 2013 zeigt. „Seitdem deutet nichts darauf hin, dass sich an dieser erschreckend niedrigen Inspektionsquote etwas ändert“, kritisiert Günther Mertz, Hauptgeschäftsführer des Bundesindustrieverbandes Technische Gebäudeausrüstung (BTGA).

Wie „smart“ ist die Energiewende?
E-World 2014
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In Essen trifft sich in dieser Woche zum 14. Mal die internationale Energiebranche zur E-World, der Leitmesse für Energie- und Wasserwirtschaft. Über 20.000 Fachbesucher treffen in der Ruhrgebietsstadt auf über 600 Aussteller. Neben kleineren Unternehmen präsentieren auch Branchengrößen wie RWE, Shell und GE ihre Dienstleistungen und Produkte aus den Bereichen Strom-, Gas- und Wasserwirtschaft, Energietechnik und Energieeffizienz.

Hannelore Kraft bei E-World Eenergy & Water
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Bereits am Montag eröffnete Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft die Messe – und das zurecht, denn gerade die politische Auseinandersetzung um die Rolle der Erneuerbaren Energien wurde von der Branche auf der Messe heiß diskutiert. In der Regierung tobt aktuell ein heftiger Streit um eine Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) und den Ausbau von Stromnetzen.

E-World - Energy & Water Messe
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Besonders das Thema Netzausbau ist heikel, denn es entscheidet mit über Erfolg oder Scheitern der Energiewende. So warnte Kraft in Essen davor, den Ausbau der Stromautobahnen zu unterschätzen: "Wer ernsthaft eine Stromtrasse vom Norden in den Süden bezweifelt, der hat nicht verstanden, wie in Zukunft die Energieerzeugung in Deutschland aufgebaut sein wird." Onshore-Wind sei als Technik günstig, der Ausbau der inländischen Anlagen müsse eine „zentrale Säule“ der Energiewende bleiben, sagte Kraft weiter.

E-World 2014
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An „smart“ führt auf der E-World kein Weg vorbei: Hinter dem Schwerpunkt „smart energy“ verbirgt sich unter anderem das „smart grid“, also das intelligente Stromnetz: Durch den Wandel von vereinzelten großen Kraftwerken hin zu einer dezentralen Stromversorgung mit schwankungsanfälliger Produktion muss auch das Netz angepasst werden. So soll es unter anderem bei helfen, den Strom zur richtigen Zeit an den richtigen Ort zu liefern.

E-World 2014
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Intelligente Zähler, die sogenannten „smart meter“ sollen einerseits dem Versorger bei der Steuerung von Angebot und Nachfrage helfen, andererseits auch die Stromkosten für Verbraucher senken.

E-World 2014
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Intelligente Technik braucht entsprechendes Datenmanagement. Mit im Fokus des Branchentreffens in Essen steht daher das „Big Data Management“, bei dem es um die Gewinnung, Speicherung und Auswertung gigantischer Datenmengen geht. Dafür brauchen Industrieunternehmen in erster Linie die richtige Software.

GE_0698
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Unter dem Motto „Schlüsseltechnologien zum Erfolg der Energiewende“ widmet sich auch GE besonders der digitalen Vernetzung. Das Unternehmen, das in Sachen Energietechnologien zunehmend auf Deutschland setzt, bietet bereits Systemlösungen an, die unter anderem auf intelligenten Messsystemen und Datenanalyse basieren. Der Schlüssel zur Effizienz: Das Industrial Internet.

„Man stelle sich vor, es wären nur drei Prozent aller zugelassenen Kraftfahrzeuge vom Tüv inspiziert“, sagte Mertz dem Handelsblatt. Zum Glück sei dies in Deutschland nicht möglich. „Möglich ist aber, dass viele Tausend Klimaanlagen entgegen ordnungsrechtlichen Vorgaben energetisch nicht inspiziert werden und ungebremst Energie verschleudern können.“ Dabei sei es nicht teuer, die Anlagen zu modernisieren. „Die amortisieren sich schnell aufgrund eingesparter Energiekosten“, sagt Mertz.

Auch die Deutsche EnergieAgentur (Dena) sieht Nachholbedarf: Die Bedeutung von Nichtwohngebäuden für mehr Energieeffizienz werde häufig unterschätzt, heißt es. Zu Unrecht, denn durch ihre Größe verursachten wenige Gebäude hohe Verbräuche, sagte Dena-Chef Stephan Kohler dem Handelsblatt. Mertz und Kohler fordern, die Wartung der Klimaanlagen verstärkt zu kontrollieren. Verantwortlich dafür sind laut BTGA die Bundesländer. Einsparpotenzial durch regelmäßige Wartung bieten auch große Lüftungs- und Heizungsanlagen. Sie müssen aber bislang noch nicht regelmäßig überprüft werden.

Wie die Energiewende gelingen kann

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