Weg mit den Energiefressern Verbraucher beugen sich dem Strompreisargument

Strom wird teurer - daher rechnet sich der Austausch alter Hausgeräte immer schneller. Das Argument zieht bei vielen Verbrauchern, die ihre Energiefresser zunehmend aus der Küche und dem Waschkeller verbannen.
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Das sind die größten Stromfresser im Haushalt
Strom abdrehen
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Eine Umfrage von TNS Emnid für den Strom- und Gasanbieter E wie einfach hat ergeben, dass 30 Prozent der Bürger nicht wissen, wie viel Strom sie im Alltag tatsächlich verbrauchen. Vor allem ganz junge sowie ältere Menschen kennen ihren Verbrauch nicht. Um Strom zu sparen, geben 81 Prozent der Befragten an, dass sie ihre Akkuladegeräte vom Netz trennen, den Gefrierschrank abtauen (72 Prozent), und auf Energiesparlampen umgestiegen sind (71 Prozent). Doch sind das wirklich die größten Stromfresser im Haushalt? Eine Übersicht der Top Ten gibt Aufschluss:

80 Jahre SpülmaschineSpülmaschine Teller Spülen abwaschen
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Platz 10: Spülen

Mit 5,1 Prozent Anteil am gesamten Stromverbrauch landet das Geschirrspülen auf Platz 10. Laut einer Studie der Universität Bonn ist das Spülen in der Maschine übrigens günstiger: Hier werden sowohl weniger Wasser als auch weniger Energie verbraucht, als beim Spülen von Hand. Voraussetzung ist natürlich, dass die Maschine nur voll beladen eingeschaltet wird. Auch sogenannte Spar-, Eco- oder Umwelt-Programme sparen Energie und machen das Geschirr trotzdem sauber.

Datengrundlage: Energieagentur NRW: "Wo im Haushalt bleibt der Strom?"; in der Studie wurde 2011 unter anderem der Stromverbrauch von Ein- bis Sechs-Personen-Haushalten untersucht. Bei allen Punkten gilt: Es handelt sich um Durchschnittswerte. Je nach eingesetzter Technologie, Handhabung, Haushaltsgröße und -zusammensetzung kann der Stromverbrauch im individuellen Zuhause erheblich abweichen.

Abwrackprämie für Heizungen noch in Ressortabstimmung
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Platz 9: Umwälzpumpe

Die elektrisch betriebene Umwälzpumpe der Heizungsanlage landet mit 6,0 Prozent Anteil am Stromverbrauch auf Platz neun. Sie transportiert das erwärmte Wasser zu den Heizkörpern in der Wohnung. Laut Stiftung Warentest lohnt sich der Ersatz einer alten Pumpe durch eine moderne, energieeffiziente Pumpe schnell; demnach lassen sich so 100 bis 130 Euro Stromkosten pro Jahr einsparen.

Hausfrau
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Platz 8: Trocknen

Beim Trocknen der Wäsche wird das Wasser aus dem Waschvorgang wieder entfernt - das können Sonne und Wind kostenfrei für uns erledigen, oder eben der elektrische Wäschetrockner. Das Gerät ist allerdings ein wahrer Stromfresser: 6,6 Prozent des Stromverbrauchs entfallen im Durchschnitt auf das Trocknen. Soll ein Trockner zum Einsatz kommen, ist ein Gerät mit Wärmepumpentechnologie besonders Umwelt- und Geldbeutelschonend im Einsatz, die Anschaffungskosten sind allerdings recht hoch. Es gibt auch Trockner, die mit Gas betrieben werden.

Beim maschinellen Trocknen gilt: Das Gerät sollte nur gut befüllt zum Einsatz kommen und die Wäsche sollte so gut wie möglich vorgetrocknet werden, sprich zuvor in der Waschmaschine oder Wäscheschleuder mit möglichst hoher Schleuderdrehzahl entwässert worden sein. Als Kompromiss kann man auch die Wäsche im Trockner leicht vortrocknen und dann auf der Leine zu Ende trocknen lassen. Auch ein kleiner Ventilator, der vor dem Wäscheständer aufgestellt wird, leistet gute Dienste: Er verbraucht wesentlich weniger Strom, macht die Wäsche aber ebenfalls weich und beschleunigt den Abtransport der Feuchtigkeit durch die permanente Bewegung der vorbeistreichenden Luft.

Verbot stromfressender Haushaltsgeräte geplant
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Platz 7: Diverses

Diverse elektrische Hausgeräte, darunter zum Beispiel Staubsauger, machen im Durchschnitt 7,7 Prozent des Haushalts-Stromverbrauchs aus. Bei Staubsaugern gilt: Eine hohe Leistungsaufnahme entspricht nicht einer hohen Saugleistung. Bei der Wahl sollte man also nicht den Sauger mit der höchsten Watt-Zahl auf dem Typenschild wählen, sondern sich über Testergebnisse der tatsächlichen Saugleistung schlau machen. Bei diversen Elektro-Kleingeräten, wie elektrischen Dosenöffnern oder Messern, kann man den Einsatz durchaus hinterfragen. In anderen Fällen kann ihr Einsatz sogar Energie einsparen, denn ein Brötchen lässt sich auf dem Toaster stromsparender aufbacken als im Backofen, ein Liter Wasser für Tee oder zum Nudeln kochen ist im Wasserkocher schneller und effizienter aufbereitet, als auf dem Elektroherd.

Strompreise
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Platz 6: Kochen

Mit 9,0 Prozent des Stromverbrauchs schlägt das Kochen zu Buche. Je nach eingesetzter Technologie kann der Anteil natürlich auch hier erheblich schwanken, so verbrauchen Omas gute alte Massekochplatten erheblich mehr Strom, als ein modernes Cerankochfeld oder gar ein Induktionskochfeld. Übrigens: Der Topf sollte, im Gegensatz zur Abbildung, immer möglichst genau auf die Herdplatte passen, um Energieverschwendung zu vermeiden. Und ohne Deckel auf dem Topf verbraucht man gleich das Dreifache an Energie.

Damit man den Deckel während des Kochvorgangs nicht häufig abheben muss, um den Kochvorgang zu beurteilen, ist ein Glasdeckel praktisch. Mit ein wenig Übung kann die Energiezufuhr auch schon vor dem Ende der Garzeit erheblich reduziert oder ganz abgeschaltet werden. Nudeln müssen nicht bis zum Erreichen des Garpunkts in kochendem Wasser schwimmen, Reis kann auch auf der abgeschalteten Herdplatte oder in eine dicke Decke gewickelt ausquellen. Grundsätzlich sollte immer so wenig Wasser wie möglich erhitzt werden.

Vattenfall und Hamburg weitgehend einig bei Netz-Übernahme
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Platz 5: Beleuchtung

Ein immer seltener werdender Anblick: Die Glühlampe. Nicht ohne Grund werden sie in der EU per Gesetz verbannt, denn sie wandeln gerade einmal fünf Prozent des eingesetzten Stroms in Licht um - der Rest geht als Wärme verloren. Effizienter sind Energiesparlampen und Licht emittierende Dioden, die sogenannten LEDs. 9,7 Prozent des Stromverbrauchs im Durchschnittshaushalt entfallen auf den Posten Beleuchtung. Hier lautet die Devise: Abschalten, wenn man nicht im Raum ist, und die verschwenderischen Glühlampen durch neue Technologien ersetzen. Diese sind zwar in der Anschaffung teurer, sie halten aber auch wesentlich länger und rechnen sich durch den geringeren Stromverbrauch.

München/NürnbergEs hat etwas gedauert, bis sich Deutschlands Verbraucher mit stromsparenden Hausgeräten angefreundet haben. Vor allem höhere Verkaufspreise für Kühlschränke, Waschmaschinen oder Geschirrspüler der höchsten Effizienzklassen A++ und A+++ ließen viele Kunden davor zurückschrecken, ihre alten Energiefresser rauszuschmeißen und durch Neugeräte zu ersetzen. Doch inzwischen kommt die Energiewende auch in den deutschen Haushalten an: Nicht nur die Hersteller, sondern auch Umweltschutzverbände und Marktforscher berichten über eine wachsende Nachfrage nach den Sparsamen.

Für Rückenwind sorgen die hohen Strompreise. Die spüren die Menschen im Portemonnaie - und schauen deshalb auch beim Kauf neuer Hausgeräte stärker auf die Verbrauchswerte. Zudem rechnet sich jetzt ein neuer Kühlschrank oder Trockner wegen der gestiegenen Energiekosten in kürzerer Zeit als noch vor einigen Jahren. Hinzu kommt die gute Kauflaune der Verbraucher, die sich größere Anschaffungen gönnen, anstatt ihr Geld aufs Konto zu packen, wo es kaum Zinsen abwirft.

Die Folge: Der Marktanteil von Großgeräten mit dem Label A++ oder A+++ für das Waschen, Spülen, Kühlen oder Gefrieren hat kräftig angezogen. In den ersten beiden Monaten dieses Jahres etwa kamen sie in Deutschland auf einen Absatzanteil von zusammen 65 Prozent, berichtet der Leiter des Bereichs Energie und Umwelt beim Nürnberger Marktforschungsinstitut GfK, Roland Abold: „Alles, was mit Energieeffizienz zu tun hat, steht hoch im Kurs. Wenn sich dabei noch Einsparungen ermöglichen lassen, dann haben diese Produkte gute Marktchancen.“

Auch Deutschlands größter Hausgerätehersteller Bosch und Siemens (BSH) profitiert von dem Trend. Bereits im vergangenen Jahr erreichten hocheffiziente Geräte im Europa-Geschäft von BSH einen Absatzanteil von 35 Prozent - zwei Jahre früher als ursprünglich geplant. „Jetzt wollen wir noch eine Schippe drauflegen“, sagt Christian Salmen, der bei BSH für dieses Geschäftsfeld zuständig ist.

Dabei tat sich die Branche anfangs durchaus schwer, die Geräte an die Kunden zu bringen. Manch einer rief sogar nach einer Abwrackprämie für die sogenannte Weiße Ware - nach dem Vorbild der Autoindustrie. Bei der Bundesregierung stieß das aber auf wenig Gegenliebe, weil das Kabinett keine neuen Subventions-Tatbestände schaffen wollte. Stattdessen setzen die Anbieter nun lieber auf Anreizsysteme regionaler Energieversorger, die den Neukauf hocheffizienter Hausgeräte mit Prämienzahlungen versüßen. „Da reicht manchmal schon ein kleiner Push“, sagt BSH-Manager Salmen.

Die Deutsche Umwelthilfe sieht auch ganz allgemein ein gewachsenes Bewusstsein für die Energieeffizienz und den Wasserverbrauch von Hausgeräten. So manche angebliche Innovation laufe jedoch auch dem Spartrend zuwider, sagt die Leiterin für Verbraucherschutz, Agnes Sauter. Den Kühlschrank mit eingebauter Kamera beispielsweise, über die sich per Internet der Füllstand von unterwegs aus abrufen lässt, hält sie mit Blick auf den Energieverbrauch für unsinnig.

Seit Jahren schon zieht die EU-Kommission Geräte mit hohem Energieverbrauch aus dem Verkehr. Zu diesen Aktivitäten gehört neben der Einteilung in Energieeffizienzklassen als bekanntestes Beispiel auch das Glühbirnen-Verbot. Damit will Europa die Haushalte dazu bringen, weniger Strom zu verbrauchen und die Umwelt zu schonen.

Alternativen zur klassischen Glühbirne sind neben Energiespar- und Halogenlampen auch Leuchtstoffröhren und Leuchtdioden (LED). Gerade die halbleiterbasierten LED, die etwa 80 Prozent weniger Strom als Glühbirnen verbrauchen, gelten als Zukunftstechnologie schlechthin. Der Hersteller Osram erwartet, in drei Jahren mehr als 50 Prozent des Gesamtumsatzes mit Produkten rund um die LED zu erwirtschaften.

Weil aber vielen Verbrauchern die Umstellung auf das andere Licht schwerfiel, horteten sie kurz vor Toresschluss noch Glühbirnen in Elektrogeschäften und Baumärkten oder deckten sich bei Urlaubsfahrten ausgiebig ein - und stellten damit letztlich doch ihr persönliches Wohlbefinden über das Stromsparen und Umweltbewusstsein.

Infografik Häuser, werdet smart!



Auch wenn das nur für begrenzte Effekte sorgen dürfte: Die Deutsche Umwelthilfe ärgert sich über den Abverkauf der alten Stromfresser. Dieser laufe schließlich auch den Klimaschutzzielen der EU zuwider, meint Sauter.

  • dpa
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