„Weiter unterm Radar“ Deutsche Geothermie bleibt in der Nische

Das Anzapfen heißer Quellen und die unterirdische Erhitzung von Wasser gelten weltweit als vielversprechende „grüne“ Energieformen. In Deutschland kommt die Geothermie jedoch nicht so recht vom Fleck.
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Isländische Geothermie-Anlage: Heiße Quellen auf der Insel sind der wichtigste Energielieferant auf der Insel. Quelle: dpa

Isländische Geothermie-Anlage: Heiße Quellen auf der Insel sind der wichtigste Energielieferant auf der Insel.

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BerlinDie brodelnde Hitze schlummert meist in großer Tiefe. Heiße Quellen im Erdinneren oder Gestein, in dem sich eingepresstes Wasser wie in einem Kochkessel bis zum Siedepunkt erwärmt, gehören in vielen Ländern zu den Hoffnungsträgern beim Ausbau der erneuerbaren Energien. Die Geothermie in Deutschland lässt sich nicht mit derjenigen in Gebieten hoher vulkanischer Aktivität wie Island oder Mittelamerika vergleichen. Das Erdwärme-Potenzial wird aber auch bei uns als groß eingeschätzt – und fristet dennoch ein Nischendasein.

Die Branche fürchtet, dass sich daran auf absehbare Zeit nichts ändern wird. Zwar kommt die kostenintensive Technik bei den geplanten Förderkürzungen im Vergleich zu anderen erneuerbaren Trägern relativ glimpflich davon. „Die Geothermie fliegt aber weiter unterm Radar“, sagt Erwin Knapek, Präsident des Bundesverbands Geothermie (GtV).

Die im Kabinettsentwurf zum novellierten Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vorgesehene Abschmelzung der Subventionen – ab Anfang 2018 um fünf Prozent jährlich – höre sich verkraftbar an. „Trotzdem sieht das nur nach einer scheinbaren Rettung der Geothermie aus“, meint Knapek.

Das sind die größten Stromfresser im Haushalt
Strom abdrehen
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Eine Umfrage von TNS Emnid für den Strom- und Gasanbieter E wie einfach hat ergeben, dass 30 Prozent der Bürger nicht wissen, wie viel Strom sie im Alltag tatsächlich verbrauchen. Vor allem ganz junge sowie ältere Menschen kennen ihren Verbrauch nicht. Um Strom zu sparen, geben 81 Prozent der Befragten an, dass sie ihre Akkuladegeräte vom Netz trennen, den Gefrierschrank abtauen (72 Prozent), und auf Energiesparlampen umgestiegen sind (71 Prozent). Doch sind das wirklich die größten Stromfresser im Haushalt? Eine Übersicht der Top Ten gibt Aufschluss:

80 Jahre SpülmaschineSpülmaschine Teller Spülen abwaschen
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Platz 10: Spülen

Mit 5,1 Prozent Anteil am gesamten Stromverbrauch landet das Geschirrspülen auf Platz 10. Laut einer Studie der Universität Bonn ist das Spülen in der Maschine übrigens günstiger: Hier werden sowohl weniger Wasser als auch weniger Energie verbraucht, als beim Spülen von Hand. Voraussetzung ist natürlich, dass die Maschine nur voll beladen eingeschaltet wird. Auch sogenannte Spar-, Eco- oder Umwelt-Programme sparen Energie und machen das Geschirr trotzdem sauber.

Datengrundlage: Energieagentur NRW: "Wo im Haushalt bleibt der Strom?"; in der Studie wurde 2011 unter anderem der Stromverbrauch von Ein- bis Sechs-Personen-Haushalten untersucht. Bei allen Punkten gilt: Es handelt sich um Durchschnittswerte. Je nach eingesetzter Technologie, Handhabung, Haushaltsgröße und -zusammensetzung kann der Stromverbrauch im individuellen Zuhause erheblich abweichen.

Abwrackprämie für Heizungen noch in Ressortabstimmung
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Platz 9: Umwälzpumpe

Die elektrisch betriebene Umwälzpumpe der Heizungsanlage landet mit 6,0 Prozent Anteil am Stromverbrauch auf Platz neun. Sie transportiert das erwärmte Wasser zu den Heizkörpern in der Wohnung. Laut Stiftung Warentest lohnt sich der Ersatz einer alten Pumpe durch eine moderne, energieeffiziente Pumpe schnell; demnach lassen sich so 100 bis 130 Euro Stromkosten pro Jahr einsparen.

Hausfrau
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Platz 8: Trocknen

Beim Trocknen der Wäsche wird das Wasser aus dem Waschvorgang wieder entfernt - das können Sonne und Wind kostenfrei für uns erledigen, oder eben der elektrische Wäschetrockner. Das Gerät ist allerdings ein wahrer Stromfresser: 6,6 Prozent des Stromverbrauchs entfallen im Durchschnitt auf das Trocknen. Soll ein Trockner zum Einsatz kommen, ist ein Gerät mit Wärmepumpentechnologie besonders Umwelt- und Geldbeutelschonend im Einsatz, die Anschaffungskosten sind allerdings recht hoch. Es gibt auch Trockner, die mit Gas betrieben werden.

Beim maschinellen Trocknen gilt: Das Gerät sollte nur gut befüllt zum Einsatz kommen und die Wäsche sollte so gut wie möglich vorgetrocknet werden, sprich zuvor in der Waschmaschine oder Wäscheschleuder mit möglichst hoher Schleuderdrehzahl entwässert worden sein. Als Kompromiss kann man auch die Wäsche im Trockner leicht vortrocknen und dann auf der Leine zu Ende trocknen lassen. Auch ein kleiner Ventilator, der vor dem Wäscheständer aufgestellt wird, leistet gute Dienste: Er verbraucht wesentlich weniger Strom, macht die Wäsche aber ebenfalls weich und beschleunigt den Abtransport der Feuchtigkeit durch die permanente Bewegung der vorbeistreichenden Luft.

Verbot stromfressender Haushaltsgeräte geplant
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Platz 7: Diverses

Diverse elektrische Hausgeräte, darunter zum Beispiel Staubsauger, machen im Durchschnitt 7,7 Prozent des Haushalts-Stromverbrauchs aus. Bei Staubsaugern gilt: Eine hohe Leistungsaufnahme entspricht nicht einer hohen Saugleistung. Bei der Wahl sollte man also nicht den Sauger mit der höchsten Watt-Zahl auf dem Typenschild wählen, sondern sich über Testergebnisse der tatsächlichen Saugleistung schlau machen. Bei diversen Elektro-Kleingeräten, wie elektrischen Dosenöffnern oder Messern, kann man den Einsatz durchaus hinterfragen. In anderen Fällen kann ihr Einsatz sogar Energie einsparen, denn ein Brötchen lässt sich auf dem Toaster stromsparender aufbacken als im Backofen, ein Liter Wasser für Tee oder zum Nudeln kochen ist im Wasserkocher schneller und effizienter aufbereitet, als auf dem Elektroherd.

Strompreise
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Platz 6: Kochen

Mit 9,0 Prozent des Stromverbrauchs schlägt das Kochen zu Buche. Je nach eingesetzter Technologie kann der Anteil natürlich auch hier erheblich schwanken, so verbrauchen Omas gute alte Massekochplatten erheblich mehr Strom, als ein modernes Cerankochfeld oder gar ein Induktionskochfeld. Übrigens: Der Topf sollte, im Gegensatz zur Abbildung, immer möglichst genau auf die Herdplatte passen, um Energieverschwendung zu vermeiden. Und ohne Deckel auf dem Topf verbraucht man gleich das Dreifache an Energie.

Damit man den Deckel während des Kochvorgangs nicht häufig abheben muss, um den Kochvorgang zu beurteilen, ist ein Glasdeckel praktisch. Mit ein wenig Übung kann die Energiezufuhr auch schon vor dem Ende der Garzeit erheblich reduziert oder ganz abgeschaltet werden. Nudeln müssen nicht bis zum Erreichen des Garpunkts in kochendem Wasser schwimmen, Reis kann auch auf der abgeschalteten Herdplatte oder in eine dicke Decke gewickelt ausquellen. Grundsätzlich sollte immer so wenig Wasser wie möglich erhitzt werden.

Vattenfall und Hamburg weitgehend einig bei Netz-Übernahme
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Platz 5: Beleuchtung

Ein immer seltener werdender Anblick: Die Glühlampe. Nicht ohne Grund werden sie in der EU per Gesetz verbannt, denn sie wandeln gerade einmal fünf Prozent des eingesetzten Stroms in Licht um - der Rest geht als Wärme verloren. Effizienter sind Energiesparlampen und Licht emittierende Dioden, die sogenannten LEDs. 9,7 Prozent des Stromverbrauchs im Durchschnittshaushalt entfallen auf den Posten Beleuchtung. Hier lautet die Devise: Abschalten, wenn man nicht im Raum ist, und die verschwenderischen Glühlampen durch neue Technologien ersetzen. Diese sind zwar in der Anschaffung teurer, sie halten aber auch wesentlich länger und rechnen sich durch den geringeren Stromverbrauch.

Im Prinzip blieben die Aussichten nicht schlecht. So habe die Geothermie wichtige Vorteile gegenüber der witterungsabhängigen Wind- und Solarkraft: Die Wärme aus dem Untergrund ist konstant verfügbar, lässt sich zudem gut speichern und könnte daher bei entsprechend hoher Nutzung helfen, gefährliche Netzschwankungen auszugleichen.

Doch ihre Verbreitung kommt in der Bundesrepublik eher schleppend voran. Waren vor zwei Jahren 19 Geothermie-Anlagen mit Bohrtiefen von über 400 Metern im Einsatz, betrug ihre Zahl nach GtV-Angaben zuletzt 27. Die Wärmeleistung liegt derzeit bei 248, die Stromleistung bei 31 Megawatt. „Das ist zwar ein Schritt nach vorne“, sagt Knapek - zumal Verbraucher und Unternehmen mit Erdwärme-Heizungen auch die oberflächennahe Geothermie mehr nutzten. Ihr Anteil am gesamten erneuerbaren Wärmeangebot erreiche inzwischen 6,5 Prozent.

Von einem Durchbruch könne man allerdings kaum sprechen, berichtet Wolfgang Wirth vom Zentrum für Tiefengeothermie des niedersächsischen Landesamts für Bergbau, Energie und Geologie in Celle. Einerseits bleibe die Grundstimmung optimistisch: Für geothermische Wärme gebe es weiterhin Anreizprogramme, und anders als etwa bei der Windkraft wurde keine verbindliche Begrenzung des Ausbaus festgelegt. Jedoch signalisiere das neue EEG manchen Investoren auch das Gegenteil: „Wir haben erlebt, dass sich eine ganze Reihe von ihnen zurückziehen.“

Auch Knapek sieht Risiken. Schon Ex-Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) habe 2013 mit seiner Ankündigung, von der Geothermie einen „EEG-Soli“ zu verlangen, für Verunsicherung gesorgt: „Bis zu eine Milliarde Euro wurden seither von Investoren zurückgehalten. Ein Kraftwerk braucht aber mindestens 4 Jahre von der Erstbohrung bis zur Inbetriebnahme.“ Wenn wegen der Pflicht zur Direktvermarktung des Stroms nun bis 2018 zunächst 0,2 Cent pro Kilowattstunde mehr vergütet würden, sei das bloß ein Tropfen auf den heißen Stein.

Deutsche Energiewende ohne Strahlkraft
Prime Minister opens world's largest offshore wind farm the Londo
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Die britische Regierung setzt auf den Ausbau von Wind- und Sonnenenergie. 2013 eröffnete der weltweit größte Offshore-Windpark „London Array“ an der ostenglischen Küste. Die 175 Turbinen vor der Themse-Mündung produzieren Strom für eine halbe Million Haushalte – ein Milliarden-Projekt an dem auch deutsche Firmen beteiligt waren.

demo hinkley point
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Doch erneuerbare Energien finden nur wenig Zustimmung in der Bevölkerung. Umfragen zufolge fürchten die Briten mehr, dass Windparks ihre Landschaftverschandeln könnten als einen Atomunfall. Beschaulich fiel daher die Demonstration in Somerset gegen ein neues AKW aus.

File picture of a tractor mowing a field on the site where EDF Energy's Hinkley Point C nuclear power station will be constructed in Bridgwater, southwest England
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Erst kürzlich hat die Regierung von David Cameron ein Abkommen mit dem französischen Energieunternehmen EDF geschlossen, das bis 2023 in Hinkley Point in Somerset einen neuen Atommeiler einrichten soll. Ganz anders als in Deutschland heißt es in Großbritannien: Atomkraft, ja bitte!

French President Hollande attends a news conference at the Elysee Palace in Paris
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Eigentlich wollte die französische Regierung im Herbst 2013 einen Gesetzentwurf zur Energiewende vorlegen. Doch in der Gesellschaft fehlt der Konsens und Präsident Francois Hollande scheut sich, der Debatte seinen Stempel aufzudrücken.

Handout photo of a banner showing a picture of French President Hollande displayed by Greenpeace activists is seen at the Areva nuclear power plant site in Tricastin
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AKW Areva im südfranzösischen Tricastin: Klar ist, dass Hollande bis 2050 den Ausstoß klimaschädigender Gase auf ein Viertel verringern will. Von seinem Ziel, den Anteil des Atomstroms bis 2025 von 75 auf 50 Prozent zu reduzieren, spricht er in jüngster Zeit nicht mehr.

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Greenpeace-Anhänger bei einer Anti-AKW-Kampagne in Tricastin: Wie die Förderung der Erneuerbaren in Frankreich künftig vonstatten gehen soll, ist völlig offen. Frankreich beobachtet aber mit Sorge, dass als Folge der deutschen Energiewende so viel Kohle wie lange nicht mehr verbrannt wird.

Import von Atomstrom gleicht Wegfall deutscher Kernkraftwerke aus
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Das Atomkraftwerk im tschechischen Temelin: Tschechien setzt seit Jahrzehnten auf Atomkraft. Das Verständnis für die deutsche Energiewende ist gering.

Nach Einschätzung des Branchenverbands GtV drohen qualifizierte Ingenieure in Länder wie die Türkei abzuwandern, wo Geothermie stärker unterstützt werde. Dabei seien auch mehrere Regionen in Deutschland geologisch geeignet - vor allem das sogenannte Molassebecken in Oberbayern, der obere Rheingraben, die Pfalz oder die norddeutsche Tiefebene. In Lohmen (Mecklenburg-Vorpommern) will die Berliner Geothermis AG ein großes Kraftwerk errichten. Vorstand Florin Lolea möchte sich angesichts der laufenden Debatte um das EEG aber nicht näher zum Thema äußern.

Indes könne die Geothermie auch für den Klimaschutz viel tun. Eine Anlage in Unterhaching bei München spare etwa 40.000 Tonnen CO2 pro Jahr ein, berichtet Knapek. „Das kann man überall machen.“ Doch falls die Technik in den Kinderschuhen bleibe, werde es schwierig, die bis 2030 angepeilten 5 Prozent am deutschen Gesamtstrom-Mix zu erreichen.

Eine mögliche Lösung laut Wirth: die Förderung erst etwas später zurückfahren. „Sie haben bei der Geothermie lange Planungsphasen. Wenn man schon ab 2018 kürzt, schreckt man heute Investoren ab“, glaubt der ZTG-Experte. Und Verbraucher, die über Erdwärme-Heizungen nachdenken, schauten sich genau an, ob womöglich weiter steigende Strompreise nicht effiziente Gasheizungen attraktiver machten. „Dann könnte das für die Geothermie ein Markthemmnis sein, kein Gewinn.“

  • dpa
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