Windkraft-Messe Saubere Hallen statt matschige Wiesen

Die "Windenergy" ist vom Städtchen Husum ins mondänere Hamburg umgezogen. Die Unternehmen versprechen sich davon mehr internationales Publikum und Synergieeffekte. Ganz zufrieden ist man im Nordseestädtchen damit nicht.
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Die Ausstellungshallen der Husum WindEnergy Messe in Husum: Große Konzerne drängten auf einen zweiten Messe-Standort in Hamburg.

Die Ausstellungshallen der Husum WindEnergy Messe in Husum: Große Konzerne drängten auf einen zweiten Messe-Standort in Hamburg.

Das war bis vor kurzem unvorstellbar: Friedlich sitzen die Vertreter der „Windenergy Hamburg“ und der „Husum Wind“ an einem gemeinsamen Stand hinter einer gemeinsamen Theke. Nur die Fotos an der Wand hinter ihnen unterscheiden sich: Links verbreitet Hamburg mit einem Foto vom Hafen internationales Flair. Und rechts wirbt Husum mit dem Charme der deutschen Provinz: einem Liegestuhl auf einem grasbedeckten Deich. „Wir wollen zeigen, dass wir zusammenarbeiten“, sagt der Vertreter der Messe Hamburg.

Und so konnte die Hansestadt am Dienstag ihre neue Branchenmesse starten, und zwar ohne böse Worte aus Husum. Denn die beiden Widersacher haben sich geeinigt, dass Hamburg in allen geraden Jahren eine internationale Windmesse veranstaltet und Husum in den Jahren dazwischen eine nationale Schau.

Dass es überhaupt zu dem Streit zwischen dem Nordsee-Städtchen und der Elbmetropole kam, hängt mit der Geschichte der Branche zusammen. Denn 1989 veranstalteten Bastler aus der Ökoszene die erste Windmesse Deutschlands in Husum. Für sie war die windreiche Region zwischen Nord- und Ostsee der ideale Ort.

Doch im Laufe der Jahre entwickelte sich die Branche von Pionierbetrieben für Öko-Enthusiasten zu einer ernst zu nehmenden und boomenden Industrie. Der Aufschwung überforderte das graue Städtchen am Meer. Besucher beklagten sich, weil ihre Autos bei strömendem Regen auf Wiesenparkplätzen stecken blieben, weil sie 50 Kilometer weit fahren mussten, um noch ein Hotelzimmer zu finden, oder weil sie ihre Stände in Zelten oder in gemieteten Bussen aufbauen mussten.

Wie das Windrad rentabel bleibt
Windrad neben Hochspannungsleitungen
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Wegen der Energiewende werden erneuerbare Ressourcen immer wichtiger. Inzwischen machen sie knapp ein Viertel der Stromversorgung aus. Der wichtigste Energieträger der Erneuerbaren: die Windkraft. Rund 50 Milliarden Kilowattstunden Strom kamen 2013 aus Windrädern und Windparks. Doch das Wachstum verlangsamt sich.

Windräder im Morgennnebel
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Weil die Förderungen und Subventionen zurückgehen, gibt es auch weniger Investoren in Windparks. Stattdessen müssen die Betreiber versuchen, vorhandene Standorte besser zu nutzen. Um dieses Ziel zu erreichen, gibt es unterschiedliche Wege.

Windkraftanlage wird gewartet
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Eine zentrale Rolle spielt dabei die Wartung der Windparks. Damit die Anlagen bei Wind möglichst hohe Erträge liefern, müssen sie immer auf dem neusten Stand sein: Die verschiedenen Teile der Windräder, etwa die Rotorblätter, müssen regelmäßig inspiziert und kontrolliert werden. Sollten dabei verschlissene Teile auffallen, müssen diese umgehend ersetzt werden.

Windräder im Wald
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Zudem müssen Anlagenbetreiber darauf achten, dass ihre Windräder immer reibungslos laufen. Schließlich können sie nur dann auch gewinnbringend sein. Um mögliche Ausfälle so schnell wie möglich beheben zu können, ist deshalb auch eine ständige Überwachung ratsam.

Wackelmarkt Windenergie
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Bestehende Windanlagen haben allerdings den Nachteil, dass sie oftmals nicht so innovativ und effektiv sind wie neue Produkte. Einige Unternehmen bieten deshalb eine Weiterentwicklung der Windräder an. Mit Upgrades bleiben die Anlagen modern und können ihre Energieausbeute im besten Fall sogar steigern.

huGO-BildID: 7321985 A Chinese man walks past of lit sign showing the General Electric logo, displayed at a booth in an expo held in Qingdao, China's
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Mit diversen Servicesystemen lassen sich diese Schritte erfüllen. Unternehmen wie GE bieten bereits entsprechende Dienstleistungen an. Bei der Firma finden sich im Bereich Wind Services unterschiedliche Angebote für Betreiber von Onshore-Anlagen. Beispielsweise werden die Windparks der Kunden rund um die Uhr per Fernüberwachung beobachtet. Auch Routinewartung gehört zum Programm. Ebenfalls Teil des Portfolios ist die vorbeugende Instandhaltung.

Neue Windkraftanlage
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Mit verschiedenen Upgrades lassen sich die Maschinen weiter optimieren. Zu den Beispielen für solche Innovationen zählt etwa das Angebot „WindWhisper“, das den Energieertrag bei gleicher Lärmemission um bis zu 7 Prozent erhöht. Mit dem Upgrade „WindBoost“ können Betreiber die Effizienz ihrer Anlagen steigern. Bei einer 2.5-Megawatt-Anlage lässt sich die Nennleistung des Systems um 220 Kilowatt erhöhen. Eines der neuesten GE-Produkte, „PowerUp“, kann den Energieertrag der Anlagen um bis zu 4 Prozent erhöhen.

Große Unternehmen wie Siemens und der US-Konzern General Electric unterstützten deshalb die Pläne des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), eine internationale Messe in Hamburg zu veranstalten. Sie soll die Professionalisierung und Internationalisierung der Branche widerspiegeln.

So laufen die Besucher in Hamburg durch weiße lange Messehallen statt durch weiße Zelte. Sie fahren mit Rolltreppen, statt über feuchte Brettersteige in die nächste Halle zu rutschen. Sie kommen bequem mit der U-Bahn zum Messegelände, statt ihre Zeit in Staus auf Landstraßen zu verbringen.

Manches Unternehmen freut sich über Synergieeffekte. Siemens kann seine Windanlagen auf dem großen hellen Stand zeigen, den schon Kollegen aus dem Konzern zur Schifffahrtsmesse SMM zehn Tage zuvor genutzt haben.

Nicht nur Stefan-Jörg Göbel, Geschäftsführer von Statkraft, hofft, „dass wir mehr internationales Publikum nach Hamburg bekommen“. Der Direktvermarkter für erneuerbare Energien hat extra einen britischen Kollegen an seinen Stand beordert.

In den Hallen sind am ersten Tag immerhin chinesische Delegationen zu sehen. Sie machen Gruppenfotos, Picknick auf den Gängen und lassen sich alles genau erklären. Ob sie die schicke neue Umgebung aber auch dazu animiert, Windkraftanlagen zu kaufen, muss sich erst noch zeigen.

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