Energieversorgung Warum steigt der Strompreis eigentlich so stark?

Der Anteil der Erneuerbaren Energien am Stromverbrauch steigt, und zwar fleißig. Das ist nur bedingt ein Grund zur Freude. Denn mit dem Ökostrom-Erfolg steigen auch die Kosten – und die tragen die Verbraucher.
01.09.2014 - 06:00 Uhr 11 Kommentare
Steigende Preise: Die Umlage steigt schneller, je mehr Wind- und Solarstrom auf den Strommarkt kommen. Quelle: dpa

Steigende Preise: Die Umlage steigt schneller, je mehr Wind- und Solarstrom auf den Strommarkt kommen.

(Foto: dpa)

Verfolgt man die Meldungen über die großen Energieversorger im Lande, so liegt die Vermutung nahe, dass die Strompreise für Deutschlands Verbraucher eigentlich fallen müssten. Denn die Lage der Stromriesen wie RWE oder Eon wird in deren Kerngeschäft, der Stromerzeugung, immer prekärer.

Am Terminmarkt der Leipziger Energiebörse EEX dümpelt der Preis, zu dem die Konzerne den Strom ihrer Kraftwerke verkaufen, inzwischen stabil unter 35 Euro je Megawattstunde. Der Verkaufspreis liegt damit mehr als 20 Euro unter dem Wert von Anfang 2011, also vor der Reaktorkatastrophe von Fukushima. Vor allem aber galten 35 Euro in der Branche als letzte Schmerzgrenze, ab der sich selbst Kernkraftwerke nicht mehr rechnen. Kernkraftwerke hätten, inklusive Brennelementesteuer, variable Kosten von 35 Euro je Megawattstunde, erklärt ein Brancheninsider. Gaskraftwerke seien mit 50 bis 55 Euro schon lange unrentabel. Einzig mit Braunkohle, deren variable Kosten er auf 20 Euro taxiert, lasse sich noch Geld verdienen. Die Kapitalkosten neuer Anlagen verdiene aber selbst die nicht mehr.

Doch die Verbraucher profitieren von diesem Preisverfall nicht. Der Grund dafür ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz, kurz EEG. Dieses Gesetz, mit dessen Einführung im Jahr 2000 der Wind- und Solarenergie Vorrang im Netz eingeräumt wurde, ist eigentlich eine Erfolgsgeschichte. Zumindest dann, wenn man es am Ziel misst, den Ausbau der grünen Energien voranzutreiben. 2013 stammten bereits gut 23 Prozent des Stroms, den die Deutschen verbrauchten, aus alternativen Energiequellen.

Und die Vorgaben der neuen Bundesregierung setzen auf Wachstum: Bis zum Jahr 2025, so steht es im Koalitionsvertrag, sollen Solar, Wind & Co. 40 bis 45 Prozent der Stromproduktion in Deutschland abdecken. Zehn Jahre später sollen grüne Kraftwerke sogar 55 bis 60 Prozent erreichen. Doch genau da liegt das Problem. Denn mit dem Erfolg der Erneuerbaren steigen die Kosten – und die tragen die Stromverbraucher. Deren Stromrechnung, also die eines Drei-Personen-Haushalts, ist von 2009 bis 2013 bereits um 24,3 Prozent gestiegen. Denn so funktioniert das EEG. Weil Wind- und Solarenergie an sich nicht mit Strom aus Kohle-, Gas- oder Kernkraftwerken konkurrieren kann, bekommen die Betreiber dieser Anlage feste Vergütungen, die ihre Kosten mehr als decken – und die feste Zusage, dass ihr Strom von den Netzbetreibern garantiert abgenommen wird.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Die Netzbetreiber wiederum legen die Differenz zwischen dem Marktpreis für Strom und den Vergütungen auf die Verbraucher um – die EEG-Umlage. 2010 zahlten die Stromverbraucher noch 2,4 Cent je Kilowattstunde, 2012 dann 3,6 Cent, 2013 schon 5,3 Cent – und 2014 schließlich 6,2 Cent. Das liegt an zwei Problemen. Erstens werden den Anlagebetreibern die Vergütungen in der Regel für 20 Jahre garantiert. Das heißt, es wird noch Jahre dauern, bis die ersten Berechtigten wieder aus der Umlage fallen, die Belastungen häufen sich immer weiter an.

    Zweitens: Je mehr Wind- und Solarstrom den Strommarkt fluten, desto mehr sinkt zwar der Strompreis im Großhandel, desto schneller steigt aber die Umlage. Weil Wind- und Solarstrom vorrangig eingespeist werden, bleibt weniger vom Markt übrig, um den Kohle- und Gaskraftwerke konkurrieren. Und wenn viele Kohle- und Gaskraftwerke um einen schrumpfenden Anteil am Markt wetteifern, sinkt der Strompreis. Dadurch steigt wiederum die Differenz zu den garantierten Einspeisevergütungen – und damit auch die EEG-Umlage. Zwar versucht die Politik seit Jahren gegenzusteuern, indem sie die Vergütungen deckelt, sie kommt aber nicht hinterher.

    Das Netz geht online
    Rätselraten nach dem Blackout
    1 von 7

    Wenn wie hier in Manhattan nach einem Sturm der Strom ausfällt, sitzen die Menschen im Dunkeln. Und das auch im übertragenden Sinne, denn oft fehlen Informationen: Wie lange dauert der Stromausfall? Sind schon Reparaturteams unterwegs? Hat es nur ein paar Häuser erwischt oder das gesamte Stadtviertel?

    (Foto: Reuters)
    Die Vernetzung als Regel
    2 von 7

    Als es im vergangenen Dezember in Buenos Aires wegen großer Hitze und überlasteter Klimaanlagen wochenlang immer wieder Stromausfälle gab, organisierten sich die Menschen selbst: Auf Facebook und Twitter berichteten die Menschen über ihren "Energiestatus". So füllte sich eine dynamische Landkarte, die zeigte, wo es gerade Elektrizität gab. Ein Advanced Distribution Management System (ADMS) für das intelligente Stromnetz schafft die technologische Basis für diese Form der Vernetzung.

    (Foto: Imago)
    Industrial Internet erobert das Stromnetz
    3 von 7

    Die Versorgungsunternehmen bekommen mitunter erst spät mit, welche und wie viele ihrer Kunden von elektrischer Energie abgeschnitten sind. Dies ist im 21. Jahrhundert kaum mehr zeitgemäß. Das Advanced Distribution Management System (ADMS) von GE Digital Energy sammelt und analysiert ständig Daten von intelligenten Messgeräten, Transformatoren, und manuell übermittelten Informationen. Die Versorger können so schneller erkennen, wo Störungen vorliegen und welche Ursachen sie haben.

    (Foto: dpa)
    Netze vor neuen Herausforderungen
    4 von 7

    Gerade in Deutschland ist es mit der Energiewende komplizierter geworden Netzstabilität sowie Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Erneuerbare Energien werden vorrangig in die Netze eingespeist, doch die Mengen schwanken stark. Auch Haushalte werden immer häufiger zu Energieerzeugern. Hier springt das GE Advanced Distribution Management System (ADMS) ein und hilft nicht erst bei Störungen und Ausfällen, sondern hilft proaktiv, diese Probleme zu verhindern.

    (Foto: dpa)
    Energiemanagement 4.0
    5 von 7

    Sie sorgen für eine effiziente Verteilung der Energie und helfen Versorgern und Erzeugern, die Netztransparenz zu erhöhen. Gleichzeitig werden mit Strom unversorgte Bereiche durch Voll- und teilautomatisierte Schaltvorschläge deutlich schneller wieder mit elektrischer Energie versorgt.

    (Foto: GE)
    Alles in einer App
    6 von 7

    Die Systemdaten sind auch unterwegs auf mobilen Geräten wie Smartphones und Tablets abrufbar.  Im Störungsfall können Einsatztrupps so miteinander und mit der Netzleitwarte kommunizieren und schnell zielgerichtet auf alle wesentlichen Informationen zugreifen.  

    (Foto: ap)
    Besser werden
    7 von 7

    Wissenschaftler der RWTH Aachen forschen weiter daran, die Leistung des Stromnetzes zu verbessern. Die Forscher überprüfen Leistungselektronik-Wandlern und Generatoren in Windenergieanlagen, Gasturbinen und künftig auch im Gleichstromnetz. Ziel ist es, die Leistung der Anlagen zu steigern und so das Erzeugen, Speichern und Verteilen des Stroms effizienter zu machen.

    (Foto: dpa)

    Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat jüngst untersucht, wie sich die Belastung entwickeln würde, wenn sich nichts ändert. Die Prognose ist ernüchternd: Die EEG-Umlage könnte bis 2018 auf bis zu 8,1 Cent steigen – und würde dann in einem einzigen Jahr auf 31 Milliarden Euro steigen. Der Strompreis für private Haushalte könnte sich so um bis zu 13 Prozent verteuern.

    Startseite
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%