Andreas Esser „Wir sind keine Daniel Düsentriebe“

Beruflich dreht sich bei Andreas Esser alles um eine der Erfindungen schlechthin: das Rad. Der Manager beim Reifenspezialist Continental lässt sich für die Forschungsabteilung auch schon mal Bodenproben vom Kunden schicken.
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Andreas Esser ist Geschäftsbereichsleiter bei Continental. Quelle: PR

Andreas Esser ist Geschäftsbereichsleiter bei Continental.

(Foto: PR)

Welche Innovation hat die Welt am nachhaltigsten verändert?
Als Reifenmann ist meine Antwort klar: das Rad. In „das Rad neu erfinden“ ist es sogar zum Synonym geworden für eine sehr grundlegende und heute allgegenwärtige Erfindung.

Wer ist für Sie der größte Visionär?
Mich faszinieren Querdenker, Menschen, die über ihren Tellerrand schauen und auf den ersten Blick unverbundene Dinge zusammendenken. Ein Mensch, der für mich eine solche Haltung durch und durch verkörperte, ist Albert Einstein. Viele Dinge, die wir heute umsetzen oder in der Zukunft umsetzen werden, beruhen auf seinen Vorstellungen. GPS-Geräte in unseren Autos, Lkw und Bussen zum Beispiel. Ohne Einsteins Spezielle Relativitätstheorie würden sie pro Tag eine Fehlangabe von elf Kilometern ausweisen. Ein modernes Reifen- und Flottenmanagement, wie wir es mit unseren Speditionskunden umsetzen, wäre folglich ohne Einstein undenkbar. Gleichzeitig ist er für mich ein markantes Beispiel für die visionären Grenzen des Menschen. Dass die Quantenmechanik das Zufallsprinzip zur Erklärung heranzog, behagte ihm nicht. So scharfsinnig und visionär Albert Einstein war, er konnte nicht glauben, dass „Gott würfelt“.

Warum setzt Deutschland auf Brennstoffzellen?
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Noch alle Zellen beisammen?

Bis 2016 wird Deutschland 1,84 Milliarden US-Dollar in das landeseigene Entwicklungsprogramm für Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie investiert haben. Das ist mehr als alle Private Equity- und Risikokapitalinvestitionen, die zwischen 2000 und 2012 weltweit in diesen Bereich geflossen sind. Warum eine so klare Ausrichtung auf diese Technologie?

Bild: Bernd Weissbrod/dpa/Corbis

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Der Wind, der Wind …

Brennstoffzellen können Gas (oft Wasserstoff) in Elektrizität umwandeln. In Kombination mit Speicherlösungen, die in der Lage sind, Elektrizität in Wasserstoff umzuwandeln, könnten Brennstoffzellen Deutschland helfen, die Ziele der Energiewende zu erreichen. So sollen bis 2050 80 Prozent der Elektrizität aus erneuerbaren Quellen stammen, auch aus solchen, die Fluktuationen unterworfen sind.

Audi e-gas-Anlage
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Von Strom zu Gas

Der durch die Umwandlung von Elektrizität produzierte Wasserstoff kann auch genutzt werden, um E-Fahrzeuge anzutreiben oder – in Kombination mit CO2 – sauberes Methangas für den Haushalts- oder Transportsektor zu produzieren. 2013 eröffnete Audi die hier abgebildete weltgrößte E-Gas-Anlage (6 MW) im emsländischen Werlte.

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Kostenhürden überspringen

Große stationäre Brennstoffzelleninstallationen können recht teuer sein – 2010 lag der Wert im Schnitt bei 10 US-Dollar je Watt. Im Juli kündigte GE nun eine Festoxidbrennstoffzelle an, die ohne teures Platin auskommt. Laut GE kann diese auf Edelstahl basierende Lösung bei gemeinsamer Nutzung mit den Jenbacher Turbinen des Unternehmens einen Wirkungsgrad von 65 Prozent erreichen.

Emissionsloses Dienstfahrzeug
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700 Kilometer in drei Minuten

Schon bald könnten neben E-Fahrzeugen auch Autos mit Brennstoffzellenantrieb und null Emissionen unsere Straßen bevölkern. So plant Toyota, bis 2015 ein Auto mit 700 Kilometern Reichweite und einer Aufladedauer von nur drei Minuten auf den Markt zu bringen. Deutschland reagiert auf diese Perspektiven mit dem Ausbau des öffentlichen Wasserstoff-Tankstellennetzes. Bis 2015 sollen bundesweit 50 Standorte in Betrieb sein (Stand 2013: 14 Standorte).

Der Inhalt dieser Bilderstrecke stammt aus einer Publikation auf GE Look Ahead und kann unter folgendem Link eingesehen werden: http://gelookahead.economist.com/de/slideshow/warum-deutschland-auf-brennstoffzellen-setzt

In welchen Momenten kommen Ihnen die besten Ideen?
Wenn ich mir mit anderen die Bälle zuspielen kann – kein Wunder als alter Volleyballer. Aus dem Austausch mit anderen entstehen meines Erachtens die besten Gedanken. Unser Geschäft ist von genau diesem kreativen Dialog mit den Kunden bestimmt: Tire business is people business. Wir gehen zum Kunden, sprechen mit ihm, hören ihm zu. Wir nehmen auch schon mal Steine aus „seinem“ Straßenbelag mit nach Hannover, um sie in unserer Forschungs- und Entwicklungsabteilung untersuchen zu lassen. Kreativität und Evidenz – zwei wichtige Zutaten für gute Ideen!

Sollte der, der Visionen hat, wirklich zum Arzt gehen?
Wer Visionen hat, sollte nicht zu demjenigen gehen, der sie ihm austreiben möchte, sondern zu demjenigen, den er überzeugen und für seine Idee begeistern kann. Continental unterstützt seine Mitarbeiter darin, kreative Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Das sind keine warmen Worte – wir wissen sehr gut, dass das die entscheidende Basis für unseren Erfolg am Markt ist: So können wir am Puls unserer Kunden bleiben.

Muss man das Rad tatsächlich immer wieder neu erfinden?
Die Kunst besteht darin, die Situationen, in denen man das Rad neu erfinden muss, von denen zu unterscheiden, in denen man sinnvoller auf das bereits Bestehende zugreift und es vielleicht nur anders arrangieren muss. Wir sind keine Daniel Düsentriebe, wir betreiben Innovation nicht um ihrer selbst willen, sondern um unseren Kunden die jeweils beste Lösung für ihre Lkw- oder Busflotte zu bieten – egal ob in Deutschland, den USA oder in Indien. Und wenn die Bedingungen sehr speziell sind, dann müssen wir eben auch das Rad neu erfinden. Eine Herausforderung unserer Zeit lässt uns allerdings keine Wahl, ob wir etwas neu und anders machen wollen: die Themen Ressourcenschonung und CO2-Reduktion. Da sind wir alle aufgerufen, das Rad neu zu erfinden, um – wie Sie eingangs so schön sagten – die Welt nachhaltig zu verändern.

Große Forscher mit großen Ideen

  • bay
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