Frank Zeeb „Beim Denken nicht zu sehr verkrampfen“

Einfälle kommen Alliander-Chef Frank Zeeb oft in Alltagssituationen. Nachdenken gelingt ihm hingegen am Besten in Momenten der Entspannung.
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Alliander-Chef Frank Zeeb: „Visionen sind die Triebkräfte unserer Entwicklung.“

Alliander-Chef Frank Zeeb: „Visionen sind die Triebkräfte unserer Entwicklung.“

Frank Zeeb ist Vorstandsvorsitzender der Alliander AG, einem Gas- und Stromnetzbetreiber und Tochter des größten niederländischen Netzbetreibers Alliander NV.

Welche Innovation hat die Welt am nachhaltigsten verändert?
Als erstes fällt mir die Nutzung der Elektrizität ein. Sie ist der Grundpfeiler des Wohlstands einer Gesellschaft. Die Art und Weise, wie wir Elektrizität nutzen, wird jedoch durch eine weitere große Innovation revolutioniert – das Internet. Moderne Kommunikationstechnologien ermöglichen es uns, „intelligente“ Stromnetze zu entwickeln. Das Besondere an diesen Netzen ist, dass sie nicht nur den Austausch von Strom, sondern auch von Daten über die Nutzung des Stroms zwischen allen Erzeugern und Verbrauchern ermöglichen. In diesem „Internet der Energie“ kommuniziert jeder angeschlossene Haushalt mit dem anderen. Dazu gehören auch Haushalte, die ihren Strom selber produzieren, beispielsweise mit Solarzellen.

In welchen Momenten kommen Ihnen die besten Ideen?
Das kommt darauf an, ob die Idee durch Nachdenken entsteht oder durch eine „Eingebung“ oder einen „Einfall“. Nachdenken gelingt am Besten in Momenten der Entspannung, ich würde es „kreative Ruhe“ nennen. Ist man beim Denken zu sehr verkrampft, kommen am Ende auch keine guten Ideen heraus. Komplizierter wird es, wenn wir über „gute Einfälle“ reden. Die erlangt man nicht immer durch harten „Denksport“. Einfälle kommen oft in Alltagssituationen, etwa beim Einkaufen. Die nächste Idee ist leider zumeist nicht vorhersehbar; wann und ob sie kommt, hängt davon ab, ob ich in einem Umfeld arbeite, das mich inspiriert.

Wer ist für Sie der größte Visionär?
Jede Zeit hatte ihre eigenen großen Visionäre. Als erstes fällt mir Leonardo da Vinci ein, weil er der Prototyp des „vollkommenen“ Genies war: Unbändige Neugier verband er mit dem Wunsch, alle Disziplinen der Kunst und Wissenschaft gleichermaßen zu beherrschen. Für unsere heutige Welt sehe ich Steve Jobs als großen Visionär. Mit seinen Innovationen hat er die Art, wie sich Menschen vernetzen und miteinander kommunizieren, revolutioniert. Genau das ist auch unser Ziel, wenn wir von „intelligenten“ Netzen reden.

Sollte der, der Visionen hat, wirklich zum Arzt gehen?
Nein. Ich denke auch nicht, dass Helmut Schmidt diesen Satz wirklich so meinte. Visionen sind die Triebkräfte unserer Entwicklung und geben uns Orientierung. Sie sagen uns, wie wir leben wollen und wie wir dieses Ziel erreichen können. Eine Gesellschaft, die keine Visionen mehr hat, ist dem Stillstand verfallen. Vieles von dem, was heute als normal akzeptiert wird, galt einst als „verrückte Vision“. Hätte man große Denker wie Steve Jobs zum Arzt geschickt, statt auf sie zu hören, wären die heutigen Kommunikationsmöglichkeiten nicht so weit fortgeschritten.

Europas Innovationsrevival
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Wenn die Alarmglocken schrillen: Regierungen und Privatwirtschaft sind zunehmend besorgt, dass Europa seine Wettbewerbsfähigkeit verlieren könnte. Eine für den European Business Summit 2013 aufbereitete Studie ergab, dass 71 Prozent der europäischen Geschäftsführer und Vorstände der Meinung sind, dass China Europa im Bereich der technologischen Innovation in nur einem Jahrzehnt eingeholt oder sogar überholt haben wird.

Quelle: Valentin Flauraud/Reuters/Corbis

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Nicht ganz auf Spur? Die langsame wirtschaftliche Erholung und die hohe Arbeitslosigkeit verstärken diese Befürchtungen, während niedrige F&E-Aufwendungen (2012: 2 Prozent des BIP) und hohe Patentierungskosten die Entwicklung verlangsamen. Außerdem implementieren europäische Unternehmen Methoden, mit deren Hilfe sich die Produktentwicklung beschleunigen ließe, langsamer als das in anderen Regionen der Fall ist. Zu dem Schluss kam jedenfalls der 2014 veröffentlichte GE Report The State of European Innovation.

Quelle: Kacper Pempel/Reuters/Corbis

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Mehr Power für F&E: Um die Innovation zu intensivieren, hat sich die EU das Ziel gesetzt, 3 Prozent des BIP bis zum Jahr 2020 in Forschung und Entwicklung zu investieren. 2010 wurde dieses Ziel allerdings bereits verpasst. Im Zentrum dieser Initiative steht Horizon 2020. Dieses mit 80 Mrd. Euro ausgestattete Programm soll in entscheidenden Branchen wie Produktion, Energie und Gesundheitswesen Forschung und Innovation fördern.

Quelle: John Thys/AFP/Getty Images

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Die öffentliche Hand kann es nicht alleine: Vor allem, wenn es um Investitionen und Wissenstransfer geht, ist die Privatwirtschaft ein wichtiger Faktor für den Erfolg. 2008 wurden in Europa gerade einmal halb so viele öffentlich-private Arbeiten veröffentlicht wie in den USA. Das zeigt, wie wenig ausgeprägt hierzulande die Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Industrie ist. Um hier Abhilfe zu schaffen, wollen Unternehmen aus der EU 10 Mrd. in gemeinsame Technologieinitiativen investieren.

Quelle: Stephane Mahe/Reuters/Corbis

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Verschiedene Töpfe – verschiedene Deckel: Die EU ist ein sehr vielschichtiges Gebilde, das aus 28 Nationen besteht. Manche von diesen, zum Beispiel Großbritannien, sind im Innovationssektor stärker als andere. Will man hier langfristig erfolgreich sein, muss also sehr differenziert vorgegangen werden. Andererseits ließe sich auch mit kollektiven Anstrengungen viel erreichen. Würde man die F&E-Ausgaben bis 2020 auf 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) anzuheben, könnte das dem BIP der EU bis 2025 zusätzliche 795 Mrd. Euro bescheren.

Quelle: Botond Horvath/Shutterstock.com

Der Inhalt dieser Bilderstrecke stammt aus einer Publikation auf GE Look Ahead und kann unter folgendem Link eingesehen werden: http://gelookahead.economist.com/de/slideshow/aufholjagd/

Was war im Bereich der Energienetze die wichtigste Innovation der vergangenen zehn Jahre?
In den vergangenen Jahren hat uns die Integration von Energie- und Datennetzen vollkommen neue Möglichkeiten gegeben, wie wir Strom effizienter und ökologischer nutzen können. Die Verschmelzung von Energie und IT ermöglicht es uns heute, „intelligente“ Städte zu bauen. Dafür braucht man Vordenker, die hartnäckig genug sind, um diese Ideen zu verwirklichen.

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