Anti-Diät-Tag „Heidi Klum sollte über Essstörungen aufklären“

Die erste Diät probierte sie in der fünften Klasse aus. Mit 17 Jahren glitt Laura Pape in die Magersucht ab. Jetzt versucht die junge Frau, die Verantwortlichen der Castingshow „Germany's next Topmodel“ für das Thema zu sensibilisieren.
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Rank und schlank: Bei „Germany's next Topmodel“ kommt es aufs Aussehen an. Quelle: obs

Rank und schlank: Bei „Germany's next Topmodel“ kommt es aufs Aussehen an.

(Foto: obs)

HannoverEin bisschen Obst oder eine Handvoll Cornflakes am Tag - mehr hat Laura Pape in der Zeit ihrer Magersucht nicht gegessen. Rund ein Jahr - davon sechs Monate in einer Klinik - benötigte die heute 20-Jährige, um die Krankheit zu überwinden. Im dpa-Interview erklärt die junge Frau, welche fatale Rolle bei ihr Diäten spielten und warum sie in einer Online-Petition gegen Heidi Klum und die ProSieben-Castingshow „Germany's next Topmodel“ mobil gemacht hat.

„Germany's next Topmodel“ ist doch harmlose Unterhaltung. Was haben Sie eigentlich gegen die Sendung?
Ich sage nicht, dass Heidi Klum Mädchen in die Magersucht treibt. Das hat immer tiefere psychische Ursachen. Aber wenn man schon vorgeschädigt ist und abnehmen will, kann die Sendung einen da weiter reinreißen. Da sieht man Mädchen, die den ganzen Tag auf ihre Ernährung achten, immer wieder Sport treiben und alle perfekt sind. Meine Petition ist aber keine zur Abschaffung von „Germany's next Topmodel.“ Mir geht es darum, dass Heidi Klum in der Sendung zumindest ein bisschen in Richtung Essstörungen aufklärt.

Laura Pape hat ein Buch über ihre Magersucht geschrieben. Quelle: dpa

Laura Pape hat ein Buch über ihre Magersucht geschrieben.

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Sie sind mit 17 Jahren an Magersucht erkrankt und haben sich innerhalb von fünf Monaten von 68 auf 47 Kilogramm runtergehungert. Hatten Sie auch Models als Vorbild?
Nein, bei mir waren Diäten schlimm. Schon in der fünften Klasse habe ich die erste gemacht, weil meine Mitschülerinnen immer etwas schlanker waren als ich. Nach ein, zwei Wochen gesunder Ernährung kam die Lust auf Schokolade und der Jojo-Effekt.

In Ihrem Buch „Lebenshungrig“ beschreiben Sie unter anderem, welche Diäten Sie ausprobiert haben. Was halten Sie vom Internationalen Anti-Diät-Tag?
Ich finde es beispielsweise gut, wenn Frauenzeitschriften auch normalgewichtige Models zeigen - und zwar nicht nur einmal im Jahr am Anti-Diät-Tag.

Werden Sie persönlich jemals wieder eine Diät machen?
Ich denke nicht. Für mich war es das Schwerste, vom ständigen Kalorienzählen loszukommen. In der Sucht hat man ein Hochgefühl, wenn man auf der Waage steht und sie zeigt weniger an. Alles artet in einen Kontrollzwang aus. Selbst in der Schule habe ich Kalorien gerechnet und überlegt, was ich als nächstes für eine Diät machen soll. Das krasseste war die Regenbogen-Diät, da isst man Obst und Gemüse von derselben Farbe, etwa morgens und mittags einen halben grünen Apfel und abends eine Gurke.

Ihre im Februar gestartete Petition zu „Germany's next Topmodel“ haben mehr als 16.000 Menschen unterschrieben. Hat ProSieben inzwischen reagiert?
Tatsächlich hat ProSieben jetzt auf der Internet-Seite einen Hinweis eingebaut. In dem Info-Kasten „Sieben Tipps für Deine Modelkarriere“ gibt es einen Link zu einer Seite vom Bundesgesundheitsministerium, die über Essstörungen aufklärt. Der Hinweis ist zwar versteckt, aber immerhin ist er da.

Wie hat es auf Sie gewirkt, dass Heidi Klum schon vor dem Auftakt dieser Staffel Medienberichten zufolge zwei besonders magere Kandidatinnen aus der Show geworfen hat?
Ich fand das ein bisschen widersprüchlich. Denn es waren und sind immer noch dünne Kandidatinnen dabei. Und wenn ein Mädchen mit einem Schokoriegel entdeckt wird, wird auf ihm rumgehackt.

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Zu den häufigsten Krankheiten in Deutschland gehören seelische Störungen. Dem Bundesgesundheitsministerium zufolge leidet jeder dritte Mensch im Laufe seines Lebens mal an einer solchen Krankheit. Die häufigste Form ist die Depression, worunter etwa Angstzustände oder auch das Krankheitsbild des Burn-out-Syndroms fallen. Stress oder berufliche Überbelastung können Gründe sein.

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Ähnlich häufig wie Erkrankungen der Atemwege sind in Deutschland Probleme mit dem Fettstoffwechsel. Dazu gehört beispielsweise Übergewicht, das auf falsche Ernährung und Bewegungsmangel zurückzuführen ist. Eine Statistik der DKV zufolge sind rund 46 Prozent der Bevölkerung übergewichtig. Männer sind dabei häufiger betroffen als Frauen.

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INTERNATIONALER ANTI-DIÄT-TAG
Der internationale Anti-Diät-Tag will auf Gesundheitsrisiken durch falsches Abnehmen hinweisen und wirbt für den Kampf gegen Essstörungen. Die britische Feministin Mary Evans Young initiierte den Tag nach einer überstandenen Magersucht. Seit 1992 wird der No-Diet-Day in vielen Ländern am 6. Mai begangen.

  • dpa
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