Arzneimittelbranche Trendwende in der Pharmawelt

Während die Hersteller der Originale wieder Marktanteile gewinnen, verlieren Nachahmer an Schwung: Wachsende Qualitätsanforderungen bremsen die Generikahersteller und Biotech-Medikamente sind schwieriger zu kopieren.
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Laborarbeit in der Pharmabranche: Originale lohnen sich wieder richtig. Quelle: dpa

Laborarbeit in der Pharmabranche: Originale lohnen sich wieder richtig.

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FrankfurtAuf einen Trend im Pharmageschäft konnte man sich bislang verlassen: Hersteller von Nachahmer-Arzneien, sogenannte Generikafirmen, eroberten mit den Kopien von patentfreien Medikamenten unablässig Marktanteile.

Das galt nicht nur für die Absatzmengen, auch die Umsätze wuchsen kräftiger als bei den Originalherstellern. Obwohl Generika im Vergleich nur einen Bruchteil kosten, verdoppelte sich ihr Anteil an den globalen Pharmaumsätzen seit 2003 auf knapp zehn Prozent.

Doch der Aufstieg der Nachahmer kommt allmählich zum Stillstand - und das zugunsten der Originalhersteller. Generikahersteller werden in den nächsten fünf Jahren zwar noch zulegen, schätzt der Branchen-Informationsdienst Evaluate Pharma, und das von 70 auf 92 Milliarden Dollar Umsatz. Weitere Marktanteile gewinnen werden sie damit aber nicht.

Die Zeitenwende in der Pharmabranche veranschaulichten am Dienstag die überraschend guten Zahlen und Prognosen des Baseler Konzerns Novartis. Der Konzern profitierte nicht nur von seinen Neuentwicklungen, sondern auch vom ausgebliebenen Markteintritt generischer Konkurrenzprodukte für Diovan, einem umsatzstarken Blutdrucksenker, dessen US-Patent im Herbst 2012 ausgelaufen ist.

Große Innovationen der Medizintechnik
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Die Entdeckung der „X-Strahlen“ im Jahr 1895 führten den deutschen Physiker Wilhelm Conrad Röntgen zum Nobelpreis. Seine revolutionäre Entdeckung machte er nur zufällig bei einem Experiment mit einer Kathodenstrahlröhre. Ein Jahr später, 1896, bauten die Niederländer Heinrich Hoffmans und Lambertus van Kleef in Maastricht eines der ersten Röntgengeräte.

Arztpraxen werden auf Fehler durchleuchtet
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Der erste Herzschrittmacher wurde 1958 bei einem Patienten in Stockholm eingesetzt, nachdem es gelang ein Gerät zu entwickeln, das klein genug war. Damals mussten die Herzschrittmacher allerdings noch täglich extern neu aufgeladen werden. Heute halten sie viele Jahre, bevor ihre Batterien ausgetauscht werden müssen.

Schlaganfall bei Kindern
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Der Magnetresonanztomograph, kurz MRT, hilft Ärzten dabei, sich die Organe eines Patienten ohne eine Operation ansehen zu können. Zunächst verbreitete sich die Technik in den Bereichen der Physik und Chemie. Abgebildet wurden beispielsweise flüssigkeitsgefüllte Modelle. Ab Mitte der 1970er Jahren wurde die Technik auch für die Untersuchung von Menschen genutzt. 1981 wurde die Kernspintomographie schließlich klinisch eingeführt.

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Bei den Fortschritten im Bereich der MR-Tomographie geht es vor allem darum, bei den Patienten Stress und Ängste zu reduzieren. Eine neue Technologie macht die Untersuchung des Kopfes in der Röhre nahezu lautlos – und das bei hoher Bildqualität. Das dumpfe laute Klopfen, das mit bis zu 120 Dezibel die Lautstärke eines startenden Düsenflugzeugs erreichen kann, weicht einem kaum noch wahrnehmbaren Geräusch.

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Patienten können sich heute sogar ihre eigene Entspannungswelt aufbauen: Mit Hilfe eines über einen Tablet-PC steuerbaren Systems werden während der MR-Tomographie beruhigende Naturaufnahmen an der Zimmerdecke gezeigt, dazu kommen Musik und Lichtfarben. Das Spektrum reicht vom gemütlichen Platz am Kamin über die Südseeinsel Tahiti bis hin zum Comic für Kinder – was auch immer dem Patienten am besten dabei hilft, den Stress zu reduzieren.

Berlin, Arzt beurteilt Roentgen-und CT-Aufnahmen
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In den 1960er Jahren arbeitete der britische Elektrotechniker Godfrey Hounsfield an der Entwicklung der ersten Prototypen für die Computertomographie, bei der Röntgenstrahlen das Körpergewebe durchdringen und dreidimensionale Computerbilder produzieren. Die erste CT-Aufnahme an einem Menschen erfolgte schließlich im Jahr 1971. Und schon ein Jahr später entschied sich das Londoner Atkinson Morley Hospital für eine Anschaffung des ersten kommerziellen Gerätes.

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Mathematik ist in der CT-Bildgebung der Schlüssel zu besserer Bildqualität - aber auch zur Dosisreduktion. Die sogenannte modellbasierte iterative Rekonstruktion, ein mathematisches Verfahren zur Auswertung der Bilddaten, ist ein wichtiger technischer Meilenstein, den bis heute nur ein Hersteller vollzogen hat.

Für die Strahlendosis eines CT-Unterbauchscans fallen mit dieser Technik lediglich 0,2 Millisievert (mSv) an. Zur besseren Verdeutlichung: Auf einem Langstreckenflug von Berlin nach New York ist ein Passagier einer natürlichen Umgebungsstrahlung von 0,032 – 0,075 mSv ausgesetzt. 

* 1 Flug entspricht durchschnittlich 0,06 mSv (Helmholtz-Center)
** mit VEO, gemäß EUR - 16262 EN

Gegenstück dazu sind gravierende Produktionsprobleme beim indischen Generikahersteller Ranbaxy, dessen Fabriken von der US-Arzneimittelbehörde FDA wegen Qualitätsproblemen beanstandet wurden und die deshalb nicht in die USA liefern dürfen. Ein exklusives Recht zum Vertrieb eines Diovan-Generikums in den USA konnte Ranbaxy daher bisher nicht nutzen.

Wachsende Qualitätsanforderungen sind nicht die einzige Herausforderung. Eine weitere resultiert aus dem Abflachen der Patentabläufe. Der Nachschub an neuen Produkten für die Nachahmer wird sich dadurch zunächst reduzieren.

Hohe finanzielle Risiken
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