Büroimmobilien Schöne neue Arbeitswelt

Die Zeit der Einzelzellen ist vorbei. Nun sind Bürolandschaften gefragt. Bei der Planung geht Produktivitätssteigerung vor Kostensenkung – denn so bleibt unterm Strich mehr Gewinn für das Unternehmen, zeigen Studien.
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Beengte Arbeitsplätze waren gestern: Wer seine Mitarbeiter zu Höchstleistungen anspornen will, setzt auf schicke Großraumbüros und zusätzliche Ruhe- und Erholungsräume – ganz à la Google. Quelle: ZB

Beengte Arbeitsplätze waren gestern: Wer seine Mitarbeiter zu Höchstleistungen anspornen will, setzt auf schicke Großraumbüros und zusätzliche Ruhe- und Erholungsräume – ganz à la Google.

(Foto: ZB)

DüsseldorfSchicken deutsche Unternehmen Mitarbeiter in ausländische Metropolen wie London oder Paris, bekommen die am ersten Arbeitstag regelmäßig einen Schock. Unfassbar klein ist der Raum um ihren Schreibtisch. In diesen Städten kostet der Quadratmeter Büroraum sehr viel mehr als in deutschen Großstädten. Die angemieteten Flächen werden knapp bemessen. Insofern ist es nicht verwunderlich, wenn Helge Scheunemann, Chefanalyst von JLL Deutschland, mit Blick auf eine eigene Umfrage feststellt: „Unter internationalen Gesichtspunkten gibt es noch enorme Effizienzpotenziale in Deutschlands Büroräumen.“

Doch Effizienz steigern heißt nicht, Einzelbüros zu verkleinern oder die Mannschaft in die unbeliebten Großraumbüros zu verbannen. Das würde zwar Kosten senken, aber die Produktivität noch mehr. Kleine Einzelbüros und Großraumbüros sind unattraktiv. Und solche Arbeitsplätze können sich viele unter Arbeitskräftemangel leidende Branchen überhaupt nicht leisten. „Die Entscheidung für oder gegen ein Unternehmen hängt zu 80 Prozent von der Gestaltung des Arbeitsplatzes und des Umfelds ab“, sagt Peter Tzeschlock, Vorstand von Drees Sommer, einem weltweit tätigen Planungs- und Projektmanagement-Büro.

Infografik In diese Städte zieht es die Talente der Zukunft



Was heute unattraktiv ist, wird es in Zukunft noch viel mehr sein, wenn die sogenannte „Generation Y“ die Oberhand auf dem Arbeitsmarkt übernimmt. In sechs Jahren gehört die Hälfte der Arbeitnehmer zu diesen Jahrgängen, die um das Jahr 2000 Teenager waren, erwartet das Fraunhofer-Institut. Die erste Generation, die mit Internet und mobiler Kommunikation aufwuchs, hat andere Vorstellungen von Arbeit und Leben.

Kicker- und Billard-Tische sind inzwischen ein alter Hut, Ruheräume für das Nickerchen nach dem Mittagessen auch schon bekannt. Musikzimmer und Minigolfanlage wie bei Google in Hamburg mögen als Vorbild für die neuen Arbeitsstätten von Architekten, Werbeagenturen und Spieleentwicklern taugen, werden aber nicht der Standard in Banken, Versicherungen oder Firmenzentralen von Industrieunternehmen.

Aber „die flexible Arbeitsweise an verschiedenen Schreibtischen“, die eine Studie der International Real Estate Business School (Irebs) an der Uni Regensburg propagiert, wird bereits vielfach umgesetzt, etwa durch einen Mix aus offen gestalteten Bürolandschaften und traditionellem Zellenbüro. Das konzentrierte Lesen, das vertrauliche Gespräch findet im Einzelbüro, die kurze Lagebesprechung am Stehtisch inmitten der Bürolandschaft und die große Besprechung mit Präsentationsmöglichkeiten im separaten Konferenzraum statt. Den festen Arbeitsplatz gibt es nicht mehr. Arbeitsplatz teilen, heißt die Devise. Das spart am meisten Raum, weiß Drees--Sommer-Experte Tzeschlock. Aber nicht im Einzelbüro. „Dort funktioniert Desk-Sharing nicht“, warnt er.

Eine Konsequenz der schönen neuen Bürowelt beschreibt JLL-Analyst Scheunemann ganz nüchtern: „Die echte Bürofläche wird nicht kleiner werden, aber die Fläche je Arbeitsplatz.“ Wird damit die Chance zur Kostensenkung vertan? „Es geht zunehmend um Produktivitätssteigerung, nicht um Kostensenkung“, berichtet Claudia Hamm, die für JLL die Büros der Zukunft plant. Clevere Grundrisse, Top-Kommunikationstechnologie und ein ausgeklügeltes Desk-Sharing-Management steigern die Produktivität nicht allein. „Innovative Büros sollten ein ‚Zweites-Zuhause-Gefühl‘ erzeugen“, empfiehlt die Irebs-Studie. So schrieb etwa der Pharmakonzern Roche ins Lastenheft für die Gestaltung der Räume am Hauptsitz Basel: „Emotionales Wohlbefinden am Arbeitsplatz“.

Diese Technologien prägen die Arbeitswelt von morgen
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Durchschnittlich begabt war gestern. Wer heute ins Berufsleben startet, dessen Aufstiegschancen bemessen sich daran, wie gut er oder sie die Technologien beherrscht, mit denen er oder sie arbeitet. Fachkräfte werden in den kommenden sechs Jahren extrem gefragt sein. Wer als Arbeitnehmer nicht über die entsprechenden Fähigkeiten verfügt, dem bieten sich verschiedene Weiterbildungsmöglichkeiten an.

(Foto: GE)
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Doch häufig schlummert zum Beispiel in Produktionsarbeitern ein enormes Potenzial – der Arbeitgeber muss es nur richtig einsetzen. Im GE-Fertigungswerk für Hausgeräte im US-Bundesstaat Kentucky durften die entsprechenden Mitarbeiter die Arbeitsabläufe samt Anordnung der Maschinen neu arrangieren. Das Ergebnis: Ein Viertel der Materialkosten konnte gespart werden; der Arbeitsaufwand wurde um mehr als ein Drittel reduziert. Überzählige Mitarbeiter konnten zudem ihre Erfahrung in anderen Produktionsbereichen dauerhaft einbringen.

(Foto: GE)
Flugzeugturbine
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Besonders das Industrial Internet wird großen Einfluss auf die Arbeitswelt von morgen nehmen. So wird es in Zukunft immer wichtiger werden, Menschen, Daten und Maschinen intelligent miteinander zu vernetzen. In Zukunft könnte es etwa möglich sein, eine Flugzeugturbine mit Sensoren und einer Art Twitter-Account auszustatten, der die Daten der Turbine direkt an den Hersteller übermittelt. Produktions- und Weiterentwicklungsprozesse können so schneller optimiert werden.

(Foto: GE)
A staff of Nissan and media crew drive the LEAF electronic car during a media preview of CEATEC JAPAN 2013 in Chiba
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Das fahrerlose Auto: Was derzeit noch als Vision erscheint, könnte sich in einigen Jahren in Realität verwandelt haben. Autobauer Nissan schätzt, dass 2020 die ersten Serienfahrzeuge mit Selbstfahrtechnik ausgerüstet sein werden. Möglich wird dies durch die enge Zusammenarbeit von Auto- und Computerindustrie. Von dieser Entwicklung profitieren Unternehmen wie Pendler gleichermaßen.

(Foto: Reuters)
Ein 3D-Drucker
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3D-Drucker haben das Potenzial, ganze Fertigungsketten von Unternehmen zu revolutionieren. Statt riesiger Hallen, könnte ein Produktionsstandort in Zukunft kaum größer sein als ein Wohnhaus.

(Foto: dpa)
GE Healthcare Innovations
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Schon jetzt arbeiten sehr viele Menschen im Gesundheitswesen. In den nächsten Jahrzehnten wird die Branche zu einem der größten Arbeitgeber werden, denn das Verlangen nach langer Gesundheit und guten Behandlungsmöglichkeiten wächst unaufhörlich. Neben künstlichen Gelenken und Organen werden bald vielleicht auch ganze künstliche Körperteile verpflanzt werden können.

(Foto: GE Healthcare)

Es lohnt sich für Arbeitgeber, die Mannschaft bei Laune zu halten. Das Meinungsforschungsinstitut Gallup fand heraus, dass engagierte Mitarbeiter mit einer hohen Bindung an das Unternehmen im Jahr im Schnitt 4,1 Tage wegen Krankheit fehlen. Sind Engagement und Bindung gering oder fehlen sie ganz, beträgt die Fehlzeit bis zu 7,2 Tage.

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