Dauerhafte Hirnschäden Meist harmloses Virus kann Ungeborene bedrohen

Zwar ist die Gefahr einer Ansteckung gering, doch wenn sich das Kind im Mutterleib mit dem Erreger von Zytomegalie infiziert, können die Folgen schwerwiegend sein. Eltern betroffener Kinder in den USA setzen sich daher für mehr Aufklärung über das Virus ein.
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Gefahr für Säuglinge: Das Zytomegalievirus ist meist harmlos, gefährdet aber in seltenen Fällen ungeborene Kinder. Quelle: dpa

Gefahr für Säuglinge: Das Zytomegalievirus ist meist harmlos, gefährdet aber in seltenen Fällen ungeborene Kinder.

(Foto: dpa)

ChicagoDas Virus ist weit verbreitet und zumeist harmlos. Doch in seltenen Fällen und unter unglücklichen Umständen kann es sich verheerend auf Säuglinge auswirken, deren Mütter sich während der Schwangerschaft mit ihm infizierten. Hirnschäden, Taubheit und andere angeborene Defekte zählen zu den potenziellen Problemen, wenn die Mutter das Virus unwissentlich auf ihr ungeborenes Kind überträgt. Weil die Komplikationen so selten auftreten, haben die meisten Menschen noch nie von CMV gehört, der Abkürzung für das Zytomegalievirus.

Experten für Infektionskrankheiten, Eltern betroffener Kinder und inzwischen auch einige Abgeordnete in den USA versuchen, in der Öffentlichkeit das Bewusstsein für das Virus zu schärfen. Erica Steadman aus Crete in der Nähe von Chicago hörte erstmals von dem Virus, als ihre Tochter Evelyn im vergangenen Jahr mit einem zu kleinen Kopf und mutmaßlichen Hirnschäden auf die Welt kam. Das Baby ist taub und dürfte Entwicklungsprobleme haben.

„Es ist ziemlich katastrophal für uns. Ich machte in der Schwangerschaft alles, was man tun soll um sicherzugehen, dass sie gesund ist, und von dieser einen Sache wusste ich nichts“, sagt Steadman. „Jetzt müssen wir mit den Folgen davon umgehen.“

CMV ist verwandt mit Erregern, die Genital- oder Lippenherpes und Windpocken verursachen. Es verbreitet sich über Körperflüssigkeiten von Infizierten. Eine Infektion verläuft normalerweise unbemerkt und ohne Krankheitssymptome, in einigen Fällen treten Halsschmerzen oder Erschöpfung auf. Menschen mit schwachem Immunsystem wie HIV-Infizierte oder Patienten mit Spenderorgan kann das Virus jedoch gefährlich werden. Außerdem kann es die Gehirnentwicklung von Ungeborenen beeinträchtigen.

Die Gefahr einer Ansteckung während der Schwangerschaft ist gering, und die Gefahr, das Virus an das Ungeborene weiterzugeben, ist noch geringer. Von jährlich vier Millionen Geburten in den USA werden etwa 30.000 Babys - weniger als ein Prozent - mit einer CMV-Infektion geboren. Etwa 5000 dieser Babys leiden dauerhaft an Schäden, die von CMV hervorgerufen wurden.

Das erste Gesetz in den USA, das eine Aufklärungskampagne über das Virus anordnete, trat im vergangenen Juli im Staat Utah in Kraft. Es sieht Urin- oder Speicheltests bei Neugeborenen vor, die einen schon länger vorgeschriebenen Hörtest nicht bestehen. Studien zufolge kann eine frühzeitige Behandlung mit Virostatika den Gehörverlust begrenzen und die Entwicklung des Kindes fördern. Ähnliche Maßnahmen wurden in diesem Jahr in Illinois und Connecticut eingeleitet, bislang aber noch nicht beschlossen.

Das Gesetz in Utah führte dazu, dass die dortige Gesundheitsbehörde eine Webseite über CMV online stellte, außerdem liegen in Arztpraxen nun Informationsbroschüren aus. Etwa 50 Neugeborene in Utah wurden nach Behördenangaben bislang auf CMV getestet, neun von ihnen positiv.

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Haustiere, da sind sich Mediziner und Psychologen einig, halten ihre Besitzer körperlich und geistig gesund. Meistens. Denn die vier- oder mehrbeinigen Mitbewohner haben auch eine dunkle Seite: Sie übertragen Krankheiten, die unangenehm, gefährlich oder gar tödlich sein können.

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Ornithose

Eine der gefährlichsten Krankheiten, die man sich an Haustieren holen kann, ist die in Deutschland zum Glück sehr seltene Ornithose. Die Infektion mit dem Bakterium Chlamydophila psittaci ähnelt einer schweren Grippe und kann insbesondere unbehandelt tödlich enden. Zusammen mit Anthrax und Hepatitis C ist das Bakterium in der zweithöchsten Risikostufe der Gentechnik-Sicherheitsverordnung eingestuft.

Überträger der Ornithose sind Vögel, vor allem Papageien. Sie können selbst erkranken, aber auch symptomlose Träger der Krankheit sein. Der Erreger vermehrt sich zunächst in den oberen Atemwegen und befällt dann Milz und manchmal die Lunge. Diese so genannte atypische Pneumonie verläuft oft sehr schwer und – abhängig vom Erregerstamm – mit Sterblichkeiten von bis zu 50 Prozent. Auch nach überstandener Krankheit kann es mehrere Wochen dauern, bis die Lunge wieder normal funktioniert.

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Toxoplasmose

In den letzten Jahren tauchte Toxoplasma gondii, der Erreger der Toxoplasmose, immer wieder in der Presse auf. Der Einzeller verändert nämlich das Verhalten von Mäusen – es macht sie weniger ängstlich, so dass sie schneller von Katzen gefressen werden, dem Hauptwirt von Toxoplasma. Und von Katzen springt der Erreger auf Menschen über. Etwa ein Drittel der Weltbevölkerung, schätzen Experten, waren oder sind mit dem perfiden Einzeller infiziert.

Da stellt sich natürlich die drängende Frage: Werden auch wir von Toxoplasma ferngesteuert? Die Antwort ist: Ja. Studien haben Hinweise darauf ergeben, dass Toxoplasmose Männer misstrauischer und Frauen vertrauensseliger macht. Der Effekt ist allerdings nach Angaben der Forscher so gering, dass er im Alltag keine Rolle spielen dürfte.

Weit bedrohlicher sind zwei andere Effekte: Erstens scheint es einen Zusammenhang zwischen Toxoplasma, Schizophrenie und Suizid zu geben, und zweitens ist Toxoplasmose in der Schwangerschaft gefährlich für das ungeborene Kind. Im ersten Schwangerschaftsdrittel verursacht der Erreger in zehn Prozent der Fälle eine Fehlgeburt, in späteren Stadien können erhebliche Schäden an Gehirn und inneren Organen des Kindes auftreten.

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Aquarium-Granulom

Das Bakterium Mycobacterium marinum lebt normalerweise frei im Wasser, doch wenn sich eine Gelegenheit ergibt, dringt es durch offene Wunden in den Körper ein. Dort verursacht es Hautknoten und ähnliche Unannehmlichkeiten, das so genannte Aquarium-Granulom.

In manchen Fällen geht die Infektion von alleine wieder zurück, allerdings kann der Erreger auch tiefer ins Gewebe eindringen. Eine Standardbehandlung gegen M. marinum gibt es nicht – der Erreger ist von Natur aus resistent gegen einige Antibiotika, so dass Ärzte immer wieder herumprobieren müssen, was funktioniert. Manchmal müssen sie den Infektionsherd zusätzlich herausschneiden, um die Krankheit zu besiegen.

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Salmonellose

Einer der ungewöhnlicheren Überträger für Krankheiten ist die Schildkröte – sie kann Salmonellen beherbergen, die beim Menschen schwere Durchfälle und Darmentzündungen auslösen. In den USA entwickelten sich durch Schildkröten übertragene Salmonellen zu einem derart massiven Problem, dass die Regierung 1975 den Verkauf der Tiere stark einschränkte.

Allerdings besteht das Problem bis heute, zumal Schildkröten als Haustiere inzwischen weltweit im Handel sind – tatsächlich steigt die Bedeutung von Schildkröten und anderen Reptilien als Überträger von Salmonellen, vermuten einige Experten. Versuche von Schildkrötenzüchtern, die Erreger mit Antibiotika zu kontrollieren, erzeugten zusätzlich resistente Salmonellen.

Auch in Europa treten immer wieder Fälle von Salmonellose auf, die auf Schildkröten zurückgehen, zuletzt in Spanien. Die US-amerikanischen Behörden empfehlen deswegen, in Haushalten mit Kindern unter 5 Jahren keine Schildkröten zu halten.

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Spul- und Hakenwürmer

Würmer sind ein altbekanntes Problem für alle Haustierhalter – doch man sollte sie nicht auf die leichte Schulter nehmen. Besonders für junge Hunde und Katzen kann so eine Infektion gefährlich sein. Menschen mit infizierten Haustieren laufen ebenfalls Gefahr, sich die lästigen Parasiten einzufangen.

Die Larven der Hakenwürmer lauern im Boden und bohren sich durch die Haut in den Körper. Hakenwurm-Larven, die sich durchs Gewebe bohren, verursachen manchmal stark juckende Entzündungen. Wenn ein Mensch die Eier oder Larven verschluckt, was heutzutage dank verbesserter Hygiene selten geworden ist, wandern die Larven in den Darm und verursachen Unterleibsschmerzen und blutigen Stuhl.

Die Eier von Spulwürmern dagegen muss ein Mensch verschlucken, um sich zu infizieren. Im Verdauungstrakt entwickeln sich die Larven und bohren sich durch das Gewebe, um sich in anderen Organen einzunisten. Krankheitssymptome treten auf, wenn sehr viele Larven im Körper unterwegs sind. Dann können innere Organe anschwellen oder gar Larven in den Augen auftauchen. Eine probate Vorbeugung besteht in der regelmäßigen Entwurmung der Haustiere.

Bei allen Neugeborenen in den USA wird das Blut auf mindestens 30 seltene, aber schwere Krankheiten untersucht, zudem ist ein Hörtest vorgeschrieben. Die meisten Experten geben keine Empfehlung für Routineuntersuchungen auf CMV ab, zum Teil, weil angeborene Zytomegalie selten vorkommt und normalerweise keine Probleme verursacht. Darüber hinaus müssten sich Neugeborene dann einer weiteren Untersuchung unterziehen, denn Bluttests seien zum Erkennen des Virus nicht ideal, sagt die CMV-Spezialistin Gail Demmler- Harrison vom Texas-Kinderkrankenhaus in Houston. Schwangere zögen sich das Virus häufig von Kleinkindern zu, die ansteckender seien als Erwachsene.

Die US-Seuchenbehörde CDC empfiehlt zur Vorbeugung Hygienemaßnahmen. Dazu zählt gründliches Händewaschen nach dem Windelwechsel, dem Berühren von Kinderspielzeug oder Naseputzen der Kleinen. Ferner sollten Schwangere von Kindern benutzte Gegenstände wie Zahnbürsten oder von ihnen zum Mund geführte Lebensmittel nicht selbst verwenden. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass ein Medikament, das zur Verhinderung einer CMV-Infektion bei Organtransplantationen eingesetzt wird, die Gefahr verringern könnte, dass infizierte Schwangere das Virus an ihr Ungeborenes übertragen. Bemühungen zur Entwicklung eines Impfstoffs erwiesen sich als schwierig, werden aber weiter verfolgt.

„Wir sind zuversichtlich“, sagt Ken Alexander, Spezialist für Infektionskrankheiten an der Universität von Chicago. Derweil setzen sich Betroffene wie die Texanerin Farah Armstrong weiter für mehr Aufklärung ein. Ihre zwei Wochen alte Tochter Maddie starb im Februar an den Folgen von CMV. „Das ist etwas, was keine Mutter jemals durchmachen müssen sollte“, sagt sie.

  • ap
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