Fallzahl verzehnfacht Sprunghafter Anstieg bei Masern

Die Zahl der Masernfälle hat stark zugenommen. Besonders aus Bayern und Berlin wurden bis Anfang September mehrere Hundert Erkrankungen gemeldet. Dabei gibt es einen wirkungsvollen Schutz – eine Impfung.
Update: 11.09.2013 - 14:36 Uhr 4 Kommentare
Markierung im Impfausweis: Masern kann mit einer einmaligen Impfung vorgebeugt werden. Quelle: dpa

Markierung im Impfausweis: Masern kann mit einer einmaligen Impfung vorgebeugt werden.

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BerlinDie Zahl der Masernfälle in Deutschland ist sprunghaft gestiegen. In diesem Jahr gab es bisher fast zehn Mal so viele gemeldete Fälle wie im gesamten vergangenen Jahr. Bis zum 1. September waren es 1542 Erkrankungen, wie die Deutsche Presse-Agentur aus dem Bundesgesundheitsministerium erfuhr. 2012 gab es insgesamt 165 gemeldete Masernfälle. Besonders viele Menschen erkrankten im Mai und Juni 2013.

Die jährlichen Zahlen schwanken generell stark. 2011 waren es 1608 Fälle, im Jahr zuvor 780. In den Vorjahren bewegten sich die Zahlen jeweils im dreistelligen Bereich. 2006 waren es mit mehr als 2300 besonders viele Fälle, 2001 gab es sogar mehr als 6000.

Impfen oder nicht?
Masernimpfung
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Große Masern-Ausbrüche in Berlin und Bayern haben 2013 die Diskussion um die Impfung gegen die Infektionskrankheit neu angefacht. Die Politik erwog sogar eine Impfpflicht. Manche Eltern sehen Impfungen dagegen generell kritisch. Fakten und Argumente im Streit um den kleinen Pieks gegen die Masern:

Krankenhaus
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Gefahren einer Masern-Infektion

Masern sind hochansteckend. Sie schwächen auch das Immunsystem. „Dadurch können zusätzlich bakterielle Super-Infektionen auftreten“, erläutert Dorothea Matysiak-Klose vom Berliner Robert Koch-Institut (RKI). So kommt es bei einigen Erkrankten zu Mittelohrentzündungen (7-9 Prozent) oder einer Lungenentzündung (1-6 Prozent).

In einem von 1000 Fällen folgt sogar eine Gehirnentzündung. Sie kann tödlich enden oder schwere Schäden wie geistige Behinderungen verursachen. Sehr selten tritt Jahre nach der überstandenen Infektion eine Entzündung des Gehirns und des Nervensystems auf - an diesen Spätfolgen starb im Juni ein 14-Jähriger in Nordrhein-Westfalen.

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Masern-Impfung

Die Impfung bietet nach Angaben des RKI einen sehr hohen Schutz. Ein Rechenbeispiel des Instituts: Falls in einer Grundschule, in der die Hälfte der Kinder geimpft ist, die Masern auftreten, sei damit zu rechnen, dass nur zwei bis drei Prozent der Geimpften erkrankten - aber fast alle nicht Geimpften. Das Ziel ist es, 95 Prozent der Bevölkerung zu immunisieren. Denn dann könnten die Masern sich nicht mehr weiter verbreiten. Weil der Schutz beim ersten Mal nicht immer anschlägt, werden zwei Dosen empfohlen.

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Nebenwirkungen

„Auch für Impfstoffe gilt, dass Sie keine Wirkung ohne Nebenwirkungen haben“, sagt Michael Pfleiderer, Leiter des Fachgebiets Virusimpfstoffe am Paul-Ehrlich-Institut (PEI), das für die Zulassung der Stoffe zuständig ist. Unerwünschte Nebenwirkungen seien jedoch rare Einzelfälle. Die Impfstoffe seien seit Jahrzehnten auf dem Markt und sehr gut verträglich.

Zu den häufigeren Reaktionen auf die Impfung gehören Fieber und leichter Hautausschlag. „Die Masernimpfung ist eine Lebendimpfung. Sie erzeugt somit eine milde Masern-Infektion mit sehr abgeschwächten Masernviren und damit den Schutz gegen die Infektion“, sagt Matysiak-Koch. Bei allen Impfungen kann es zudem zu Rötungen und Schwellungen kommen. „Die Gefahr, die von Masern ausgeht, ist deutlich größer als das Risiko der Impfung“, betont die RKI-Expertin.

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Kritiker der gängigen Impfpraxis bemängeln dagegen, es fehle an Kenntnissen zu den Risiken von Impfungen. „Wir wissen wenig über die Langzeitfolgen von Impfstoffen, wir wissen wenig über die Häufigkeit schwerer Nebenwirkungen“, sagt der Münchner Kinderarzt und Homöopath Martin Hirte. Das PEI verweist dagegen auf anspruchsvolle Zulassungsverfahren mit zahlreichen Studien.

Masern
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Masern ausrotten

Die Weltgesundheitsorganisation will die Masern ausrotten, in Europa bis Ende 2015. Denn weltweit sterben schätzungsweise 140.000 Kinder pro Jahr an der Krankheit. Die deutsche Debatte ist auch in diesem Zusammenhang zu sehen: Deutschland sorge mit seinen Masernfällen immer wieder für Ausbrüche in anderen Ländern, sagt Matysiak-Koch. „So trat in Bulgarien ein sehr großer Ausbruch mit 24 000 Fällen auf, der durch einen Deutschen verursacht wurde.“

Daniel Bahr
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Impflicht

Falls die Impfquote nicht steigt, will Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) eine Pflicht zur Masernimpfung erwägen. „Ich finde es verantwortungslos, seine Kinder nicht impfen zu lassen“, sagte er der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Eine Pflicht ist allerdings umstritten, da sie in das Recht auf körperliche Unversehrtheit eingreift.

In diesem Jahr wurden Masern-Erkrankungen bisher mit 711 Fällen am häufigsten in Bayern bekannt, gefolgt von Berlin (487) und Nordrhein-Westfalen (122), wie es unter Berufung auf das Robert Koch-Institut weiter hieß. Kein Fall wurde aus dem Saarland bekannt.

71 Prozent der Patienten waren über zehn Jahre alt, zwei von fünf über 20 Jahre. Fast jeder dritte Patient musste wegen der Masern ins Krankenhaus - der Anteil steigt mit dem Alter.

Gesundheitsminister Bahr: Masern-Ausrottung bis 2015 unterstützen
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