Gangtrainer Der Assistent aus dem Hightech-Labor

Gangtrainer bringen Patienten nach Verletzungen oder Schlaganfällen schneller wieder auf die Beine. Patienten können so intensiver trainieren, Therapeuten werden entlastet.
  • Andreas Schulte
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Bewegungstraining mit dem Roboteranzug Hal in Bochum: Die Technik des japanischen Herstellers Cyberdyne beschleunigt die Therapie. Quelle: Bergmannsheil

Bewegungstraining mit dem Roboteranzug Hal in Bochum: Die Technik des japanischen Herstellers Cyberdyne beschleunigt die Therapie.

Quelle: Bergmannsheil

Roreas weicht seinen Schützlingen nicht von der Seite. Ihre Gehübungen behält er fest im Blick. Werden die Schritte kürzer, mahnt er zur Vorsicht. "Wollen Sie sich lieber setzen?", bietet er dann an. Wer aber seine Strecke schafft, den lobt er: "Sie sind heute weiter gegangen als gestern. Das ist toll."

Roreas ist kein freundlicher Therapeut, sondern der Prototyp eines neuartigen Gangtrainers. Ausgestattet mit Kameras und Sensoren, fährt er eigenständig durchs Gebäude. Seinen Laserscannern entgeht nichts. In der MI-Fachklinik Bad Liebenstein soll er künftig Lauf- und Orientierungsübungen etwa von Schlaganfallpatienten begleiten.

Unschlagbarer Vorteil: Roreas wird für Patienten zu jeder Tageszeit und ständig verfügbar sein. Patienten können intensiver trainieren. So entlastet Roreas auch die Therapeuten, die sich in der gewonnenen Zeit intensiver um akute Fälle kümmern können. Ende 2016 soll der Roboter marktreif sein. Das hofft sein Entwickler, Horst-Michael Groß, Leiter des Fachgebiets für Neuroinformatik und Kognitive Robotik an der TU Ilmenau.

Die Vermittlung von eigenständigem Gehen - dieses Ziel verfolgt gleich eine Reihe von High-Tech-Gangtrainern, die aktuell vor der Markteinführung stehen. Wenn Patienten wieder laufen lernen müssen, steht ihnen in der Regel eine langwierige und personalintensive Reha bevor. Der demografische Wandel dürfte das Problem verschärfen. Für Betreiber von Krankenhäusern und Rehazentren wird zunehmend wichtiger, Behandlungszeiten zu verkürzen und Personal zu entlasten.

Die Vernetzung des Gesundheitswesens
Gesundheitskarte
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Die neue Gesundheitskarte: Die Bundesregierung  plant ein E-Health Gesetz. Wichtiger Bestandteil: Die elektronische Gesundheitskarte. Hier können Patientendaten gespeichert werden, etwa Untersuchungsergebnisse und verordnete Medikamente aber auch Impfungen, Allergien oder Vollmachten.

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Alles auf einen Blick: Alle Patientendaten wie Blutbilder und Röntgenaufnahmen liegen zentral vor, das erleichtert die schnelle und richtige Behandlung bei jedem Arzt-, Krankenhaus-, Reha- oder Apothekenbesuch. Teure und zeitaufwändige Doppeluntersuchungen können vermieden werden. Vor allem für Patienten, die von verschiedenen Medizinern behandelt werden, macht die Speicherung ihrer  medizinischen Daten Sinn.

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Sicher muss es sein: Eigentlich sollte die elektronische Gesundheitskarte schon 2006 kommen.  Datenschutzrechtliche Bedenken  gegen die zentrale Speicherung  der Patientendaten waren einer der Gründe für das Scheitern einer Einführung. Umso mehr Wert legen die Verantwortlichen jetzt auf Aufklärung und Transparenz:

Jeder Versicherte entscheidet selbst, welche Daten auf der Karte abrufbar sein sollen und wer sie sich anschauen darf. Auf Wunsch des Patienten können alle gespeicherten Daten wieder gelöscht werden. Nur Personen mit einem medizinischen Berechtigungsausweis haben Zugriff auf die elektronische Gesundheitskarte.

Grippe
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Gefahren früh erkennen: Eine moderne Health-IT erlaubt es, auf auffällige Entwicklungen schnell zu reagieren. Durch ein System, das Krankheitsmeldungen aller Arztpraxen erfasst, lassen sich etwa Grippewellen schneller erkennen und behandeln. Für gehäuft auftretende Nebenwirkungen eines Medikaments gilt das ebenso. Schließlich erleichtert die elektronische Kommunikation die Rückverfolgung von Medizinprodukten. Im Fall der fehlerhaften Brustimplantate hat sich gezeigt, wie wichtig es ist, die betroffenen Patienten schnell identifizieren zu können.

Personen, CRM, Home MonitoringBiotronik Patientenüberwachung
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Aus Flickenteppich mach Gesundheitsnetz: Die digitale Erfassung von Patientendaten in Praxen und Krankenhäusern ist nicht neu. Doch die Dokumente werden bisher nur an einem Ort gespeichert, etwa im Krankenhaus, im Labor, der Apotheke oder der Praxis. Ebenso werden sie meist nur an eine einzelne andere Einrichtung verschickt, etwa vom Fach- zum Hausarzt. Weitere behandelnde Ärzte bleiben außen vor, müssen wiederum die Befunde anfordern. Das kostet Zeit und Geld.  Durch den Aufbau eines zentralen Daten-Portals sowie die Einführung einheitlicher Software und Schnittstellen in Krankenhäusern und Arztpraxen ließe sich der Austausch verbessern. 

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Bei der Gesundheits-IT (noch) kein Weltmeister: Die IT-Infrastruktur ist in Deutschland im medizinischen Bereich noch schwach. Nur sechs Prozent der deutschen Krankenhäuser sind mit anderen Akteuren des Gesundheitssystems in ihrer Umgebung vernetzt. In den skandinavischen Ländern sind hingegen gut 50 Prozent der Klinken miteinander vernetzt. Hier will das E-Health-Gesetz nachbessern und mittelfristig ein effizientes IT-Netz zum sicheren Datenaustausch aufbauen.  

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Ein Wikipedia für Ärzte: Der Aufbau eines zentralen interaktiven Gesundheitsnetzes eröffnet neue Möglichkeiten. Die meisten Patienten gehen zu verschiedenen Fachärzten oder werden in mehreren Abteilungen eines Krankenhauses behandelt. Eine Web- oder Cloud-basierte Plattform hilft den Ärzten, sich optimal abzustimmen. Ärzten und Patienten spart das Zeit, Wege und Kosten.  

Mit Centricity 360 bietet GE eine technische Lösung, durch die alle beteiligten Akteure Patientendaten leicht einsehen, ergänzen und auf den neuesten Stand bringen können: Welche Untersuchung hat der Kollege durchgeführt und wie lautete seine Diagnose? Wie waren die Blutwerte bei der letzten Untersuchung beim Hausarzt? Gegen welche Krankheiten ist der Patient geimpft und welche Allergien hat er?

Neben Schlaganfallpatienten hoffen auch Querschnittsgelähmte auf neue Gangtrainer. Wie eine Art Stützkorsett gibt beispielsweise der Roboteranzug Hal dem Körper von außen Halt und Verstärkung. Der Patient steuert das Gerät durch die Nervenimpulse seiner Muskeln selbst. Hal - ein sogenanntes Exoskelett - liest die Impulse mit Sensoren vom Körper ab und unterstützt die angedeutete Bewegung.

Entwickelt wurde das Gerät in Japan. Seit 2012 testet es die Chirurgische Klinik im Krankenhaus Bergmannsheil in Bochum. Das Zentrum für Neurorobotales Bewegungstraining (ZNB) ist Bergmannsheil angegliedert. Dort befindet sich Hal bereits im Einsatz.

Das Ergebnis: Nach einem halben Jahr Therapiezeit konnte bei nahezu allen Patienten mit nervlichen Restfunktionen die Geschwindigkeit auf dem Laufband um das Fünffache gesteigert werden: "Patienten, die vorher im Rollstuhl saßen, gehen nach der Therapie mit dem Rollator, wer den Rollator brauchte, bewegt sich jetzt mit einer Gehhilfe fort", sagt ZNB-Leiter Theodor Bülhoff, der auch Geschäftsführer des Herstellers Cyberdyne Care Robotics ist. Er erwartet nun eine Aufnahme der Hal-Therapie in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen.

Derzeit läuft im ZNB ein Test mit Schlaganfallpatienten. Vor allem bei diesem Krankheitsbild könnte sich Hal bezahlt machen, sagen die Experten. Mehr als 200 000 Menschen jährlich erleiden in Deutschland einen Schlaganfall.

Das Züricher Start-up Ability Switzerland will einen günstigen Gangtrainer auch für den deutschen Markt anbieten. Zwei Fußpedale übertragen dabei den Bewegungsablauf eines gesunden Menschen auf den Patienten. Auch Toyota erprobt in 20 japanischen Kliniken ein ähnliches Gerät - und will es zügig auf den Markt bringen. Es soll Patienten helfen, die nach einem Unfall oder einer Verletzung nicht gehen können oder unter Gleichgewichtsstörungen leiden.

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