Hirnschrittmacher Stromstöße fürs Gehirn

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Hirnstimulation kann nicht heilen

Nicht nur der Tremor, also das Zittern, das A.J in seinem Video kontrollierte Bewegungen nahezu unmöglich macht, lässt sich so zum Verschwinden bringen oder zumindest deutlich mildern. Auch die beiden anderen Hauptsymptome des Morbus Parkinson – die Bewegungsarmut und die Muskelstarre – bessert die THS, die in Deutschland seit 1998 zugelassen ist. Oft können sich die Kranken fast wieder normal bewegen und brauchen zudem wesentlich weniger Medikamente.

Erste Langzeituntersuchungen belegen, dass diese Wirkung auch nach Jahren noch anhält. Außerdem kann der Arzt mit einem Programmierkopf, den er auf die Haut legt, von außen einstellen, mit welcher Frequenz und Stromstärke der chipgesteuerte Impulsgeber arbeitet. „Dadurch hat man die Möglichkeit, die Stimulation immer wieder neu an die Situation des Patienten anzupassen, etwa wenn der Effekt zu gering ist, oder so ausgeprägt das Nebenwirkungen auftreten“, erläutert Rejko Krüger.

Dass dies notwendig werden kann, räumt der Tübinger Neurologe offen ein. Denn eins vermag die Tiefe Hirnstimulation nicht: Das Absterben von Nervenzellen zu verhindern, das Parkinson verursacht und dafür sorgt, dass die chronische Krankheit im Laufe der Zeit voran schreitet. „Die THS heilt die Betroffenen nicht“, sagt Krüger. „Es ist nur eine symptomatische Therapie – allerdings eine sehr effektive.“

Weltweit leben heute über 100.000 Menschen mit einem Hirnschrittmacher im Kopf. Die meisten von leiden an Parkinson. Aber auch bei essentiellem Tremor, einer der häufigsten Bewegungsstörungen, wird die Hirnstimulation erfolgreich eingesetzt. Gleiches gilt für die primäre Dystonie, eine Krankheit, die meist schon im Kindesalter beginnt und bis dato nicht selten im Rollstuhl endet. In kleinen Studien erproben Wissenschaftler die Methode aber mehr und mehr bei einer Reihe von Erkrankungen, die ihren Ursprung zwar ebenfalls im Gehirn haben, aber nicht in erster Linie die Motorik betreffen. Die Ergebnisse klingen viel versprechend.

So ist es Medizinern der Stanford Universität gelungen, mit der Hirnstimulation die Frequenz epileptischer Anfälle um 40 Prozent zu senken. Untersucht wurden Epileptiker, die auf eine medikamentöse Behandlung nicht ansprechen. Vierzehn Studienteilnehmer blieben im erster halben Jahr nach der Schrittmacherimplantation sogar ganz von Anfällen verschont.

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