Krankenhausplanung soll mehr auf Qualität achten

Eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Krankenhausreform scheint sich nun doch im Grundsatz auf Eckpunkte verständigt zu haben. Mehr Qualität soll bei der Planung im Vordergrund stehen. Offen ist bis zum Schluss – wie immer – die Finanzierung.
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Mehr Qualität in Krankenhäusern: Es scheitert wie immer am Geld. Quelle: dpa

Mehr Qualität in Krankenhäusern: Es scheitert wie immer am Geld.

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BerlinQualitätsaspekte sollen nach den Worten der bayerischen Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) künftig verstärkt bei der Krankenhausplanung berücksichtigt werden. Das gelte auch für die Vergütung, sagte Huml der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mit Blick auf die voraussichtlich letzte Sitzung einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Krankenhausreform am Freitag in Berlin. Im Gespräch ist dabei, auf Qualitätsunterschiede der Patientenversorgung in Krankenhäusern mit Zu- und Abschlägen zu reagieren.

Die Vorsitzende des Verbandes der Ersatzkassen (vdek), Ulrike Elsner, appellierte an die Arbeitsgruppe, sich bei den Themen Qualität und Investitionsfinanzierung der Krankenhäuser auf substanzielle Reformschritte zu verständigen. Deutschland belege bei den Gesundheitskosten weltweit einen Spitzenplatz, schneide bei der Qualität aber nur mittelmäßig ab, betonte sie. „Wenn ein Krankenhaus nachweislich über einen längeren Zeitraum schlechte Qualität produziert, muss das Konsequenzen haben - bis hin zum Ausschluss aus der Versorgung.“

Die Vernetzung des Gesundheitswesens
Gesundheitskarte
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Die neue Gesundheitskarte: Die Bundesregierung  plant ein E-Health Gesetz. Wichtiger Bestandteil: Die elektronische Gesundheitskarte. Hier können Patientendaten gespeichert werden, etwa Untersuchungsergebnisse und verordnete Medikamente aber auch Impfungen, Allergien oder Vollmachten.

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Altpeter fordert Konsequenzen nach Ärzte-Skandal
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Alles auf einen Blick: Alle Patientendaten wie Blutbilder und Röntgenaufnahmen liegen zentral vor, das erleichtert die schnelle und richtige Behandlung bei jedem Arzt-, Krankenhaus-, Reha- oder Apothekenbesuch. Teure und zeitaufwändige Doppeluntersuchungen können vermieden werden. Vor allem für Patienten, die von verschiedenen Medizinern behandelt werden, macht die Speicherung ihrer  medizinischen Daten Sinn.

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An illustration picture shows a projection of text on the face of a woman in Berlin
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Sicher muss es sein: Eigentlich sollte die elektronische Gesundheitskarte schon 2006 kommen.  Datenschutzrechtliche Bedenken  gegen die zentrale Speicherung  der Patientendaten waren einer der Gründe für das Scheitern einer Einführung. Umso mehr Wert legen die Verantwortlichen jetzt auf Aufklärung und Transparenz:

Jeder Versicherte entscheidet selbst, welche Daten auf der Karte abrufbar sein sollen und wer sie sich anschauen darf. Auf Wunsch des Patienten können alle gespeicherten Daten wieder gelöscht werden. Nur Personen mit einem medizinischen Berechtigungsausweis haben Zugriff auf die elektronische Gesundheitskarte.

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Grippe
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Gefahren früh erkennen: Eine moderne Health-IT erlaubt es, auf auffällige Entwicklungen schnell zu reagieren. Durch ein System, das Krankheitsmeldungen aller Arztpraxen erfasst, lassen sich etwa Grippewellen schneller erkennen und behandeln. Für gehäuft auftretende Nebenwirkungen eines Medikaments gilt das ebenso. Schließlich erleichtert die elektronische Kommunikation die Rückverfolgung von Medizinprodukten. Im Fall der fehlerhaften Brustimplantate hat sich gezeigt, wie wichtig es ist, die betroffenen Patienten schnell identifizieren zu können.

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Personen, CRM, Home MonitoringBiotronik Patientenüberwachung
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Aus Flickenteppich mach Gesundheitsnetz: Die digitale Erfassung von Patientendaten in Praxen und Krankenhäusern ist nicht neu. Doch die Dokumente werden bisher nur an einem Ort gespeichert, etwa im Krankenhaus, im Labor, der Apotheke oder der Praxis. Ebenso werden sie meist nur an eine einzelne andere Einrichtung verschickt, etwa vom Fach- zum Hausarzt. Weitere behandelnde Ärzte bleiben außen vor, müssen wiederum die Befunde anfordern. Das kostet Zeit und Geld.  Durch den Aufbau eines zentralen Daten-Portals sowie die Einführung einheitlicher Software und Schnittstellen in Krankenhäusern und Arztpraxen ließe sich der Austausch verbessern. 

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World Cup 2014 - Fanfest Hamburg
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Bei der Gesundheits-IT (noch) kein Weltmeister: Die IT-Infrastruktur ist in Deutschland im medizinischen Bereich noch schwach. Nur sechs Prozent der deutschen Krankenhäuser sind mit anderen Akteuren des Gesundheitssystems in ihrer Umgebung vernetzt. In den skandinavischen Ländern sind hingegen gut 50 Prozent der Klinken miteinander vernetzt. Hier will das E-Health-Gesetz nachbessern und mittelfristig ein effizientes IT-Netz zum sicheren Datenaustausch aufbauen.  

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Brüssel soll Klage gegen Microsoft im Browser-Streit vorbereiten
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Ein Wikipedia für Ärzte: Der Aufbau eines zentralen interaktiven Gesundheitsnetzes eröffnet neue Möglichkeiten. Die meisten Patienten gehen zu verschiedenen Fachärzten oder werden in mehreren Abteilungen eines Krankenhauses behandelt. Eine Web- oder Cloud-basierte Plattform hilft den Ärzten, sich optimal abzustimmen. Ärzten und Patienten spart das Zeit, Wege und Kosten.  

Mit Centricity 360 bietet GE eine technische Lösung, durch die alle beteiligten Akteure Patientendaten leicht einsehen, ergänzen und auf den neuesten Stand bringen können: Welche Untersuchung hat der Kollege durchgeführt und wie lautete seine Diagnose? Wie waren die Blutwerte bei der letzten Untersuchung beim Hausarzt? Gegen welche Krankheiten ist der Patient geimpft und welche Allergien hat er?

(Foto: dpa)

Auch die Planung von Krankenhäusern durch die Länder und die Budgetverhandlungen mit den Krankenkassen sollten sich strikt an Qualitätskriterien orientieren, betonte Elsner weiter. „Dafür brauchen wir verbindliche Qualitätsstandards auf der Bundesebene, wie Mindestmengen für Knie-Operationen oder einheitliche Definitionen von Notfallversorgung.“ Huml sieht besonders darin Schwierigkeiten, belastbare Qualitätskriterien zu erarbeiten.

Vor dem gegen Mittag beginnenden Gespräch sei vor allem die Finanzierungsfrage der Reform offen, sagte Huml, ohne hierzu genauere Angaben machen zu wollen. Im Gespräch ist dem Vernehmen nach eine Milliarde Euro für einen Investitions- oder Strukturfonds, der mit 500 Millionen aus dem Gesundheitsfonds gespeist und mit 500 Millionen von den Ländern kofinanziert werden soll. Mit diesem Fonds sollen Umwidmungen von Abteilungen bis hin zu Standortschließungen finanziert werden.

Huml zeigte sich dennoch zuversichtlich, dass die Arbeitsgruppe in den nächsten Tagen, möglicherweise schon am Freitag eine Einigung vorlegen könne. 2015 solle dann das Gesetzgebungsverfahren in Gang gesetzt werden, um die Reform zum 1. Januar 2016 in Kraft setzen zu können.

  • dpa
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