Medizintechnik IT in Gesundheitsbranche soll weiter wachsen

Ein Zehntel der deutschen Wirtschaftsleistung wird im Gesundheitswesen erbracht. Bundesregierung und Industrie sehen viel Potenzial für die Zukunft. Um es zu realisieren, sollen die Rahmenbedingungen besser werden.
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Labor einer Medizintechnikfirma: Gesundheitsbranche wächst jährlich um rund vier Prozent. Quelle: dpa

Labor einer Medizintechnikfirma: Gesundheitsbranche wächst jährlich um rund vier Prozent.

(Foto: dpa)

BerlinBundesregierung und Industrie wollen IT-Anwendungen im Gesundheitswesen voranbringen und so neue Türen zu den Weltmärkten öffnen. Die Informationstechnologie in der Medizin habe international ein hohes Zukunftspotenzial, sagte Gesundheitsminister Hermann Gröhe am Freitag bei einer Konferenz mit Industrievertretern in Berlin.

Der Vorsitzende des Gesundheitswirtschafts-Ausschusses des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Wolfgang Plischke, verwies auf eine Studie des Fraunhofer Instituts, wonach Ferndiagnosen, Fernbehandlungen und -überwachungen, Home- und Telemonitoring, die elektronische Gesundheitskarte und Patientenakten ein Wachstumspotenzial von 2,5 Milliarden Euro böten. Darüber hinaus ergäben sich Einsparpotenziale bei den Sozialkassen, die in einer Größenordnung von zehn Milliarden Euro pro Jahr liegen könnten. Deutschland habe in diesem Sektor bereits viel Zeit verloren.

Die Vernetzung des Gesundheitswesens
Gesundheitskarte
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Die neue Gesundheitskarte: Die Bundesregierung  plant ein E-Health Gesetz. Wichtiger Bestandteil: Die elektronische Gesundheitskarte. Hier können Patientendaten gespeichert werden, etwa Untersuchungsergebnisse und verordnete Medikamente aber auch Impfungen, Allergien oder Vollmachten.

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Alles auf einen Blick: Alle Patientendaten wie Blutbilder und Röntgenaufnahmen liegen zentral vor, das erleichtert die schnelle und richtige Behandlung bei jedem Arzt-, Krankenhaus-, Reha- oder Apothekenbesuch. Teure und zeitaufwändige Doppeluntersuchungen können vermieden werden. Vor allem für Patienten, die von verschiedenen Medizinern behandelt werden, macht die Speicherung ihrer  medizinischen Daten Sinn.

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Sicher muss es sein: Eigentlich sollte die elektronische Gesundheitskarte schon 2006 kommen.  Datenschutzrechtliche Bedenken  gegen die zentrale Speicherung  der Patientendaten waren einer der Gründe für das Scheitern einer Einführung. Umso mehr Wert legen die Verantwortlichen jetzt auf Aufklärung und Transparenz:

Jeder Versicherte entscheidet selbst, welche Daten auf der Karte abrufbar sein sollen und wer sie sich anschauen darf. Auf Wunsch des Patienten können alle gespeicherten Daten wieder gelöscht werden. Nur Personen mit einem medizinischen Berechtigungsausweis haben Zugriff auf die elektronische Gesundheitskarte.

Grippe
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Gefahren früh erkennen: Eine moderne Health-IT erlaubt es, auf auffällige Entwicklungen schnell zu reagieren. Durch ein System, das Krankheitsmeldungen aller Arztpraxen erfasst, lassen sich etwa Grippewellen schneller erkennen und behandeln. Für gehäuft auftretende Nebenwirkungen eines Medikaments gilt das ebenso. Schließlich erleichtert die elektronische Kommunikation die Rückverfolgung von Medizinprodukten. Im Fall der fehlerhaften Brustimplantate hat sich gezeigt, wie wichtig es ist, die betroffenen Patienten schnell identifizieren zu können.

Personen, CRM, Home MonitoringBiotronik Patientenüberwachung
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Aus Flickenteppich mach Gesundheitsnetz: Die digitale Erfassung von Patientendaten in Praxen und Krankenhäusern ist nicht neu. Doch die Dokumente werden bisher nur an einem Ort gespeichert, etwa im Krankenhaus, im Labor, der Apotheke oder der Praxis. Ebenso werden sie meist nur an eine einzelne andere Einrichtung verschickt, etwa vom Fach- zum Hausarzt. Weitere behandelnde Ärzte bleiben außen vor, müssen wiederum die Befunde anfordern. Das kostet Zeit und Geld.  Durch den Aufbau eines zentralen Daten-Portals sowie die Einführung einheitlicher Software und Schnittstellen in Krankenhäusern und Arztpraxen ließe sich der Austausch verbessern. 

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Bei der Gesundheits-IT (noch) kein Weltmeister: Die IT-Infrastruktur ist in Deutschland im medizinischen Bereich noch schwach. Nur sechs Prozent der deutschen Krankenhäuser sind mit anderen Akteuren des Gesundheitssystems in ihrer Umgebung vernetzt. In den skandinavischen Ländern sind hingegen gut 50 Prozent der Klinken miteinander vernetzt. Hier will das E-Health-Gesetz nachbessern und mittelfristig ein effizientes IT-Netz zum sicheren Datenaustausch aufbauen.  

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Ein Wikipedia für Ärzte: Der Aufbau eines zentralen interaktiven Gesundheitsnetzes eröffnet neue Möglichkeiten. Die meisten Patienten gehen zu verschiedenen Fachärzten oder werden in mehreren Abteilungen eines Krankenhauses behandelt. Eine Web- oder Cloud-basierte Plattform hilft den Ärzten, sich optimal abzustimmen. Ärzten und Patienten spart das Zeit, Wege und Kosten.  

Mit Centricity 360 bietet GE eine technische Lösung, durch die alle beteiligten Akteure Patientendaten leicht einsehen, ergänzen und auf den neuesten Stand bringen können: Welche Untersuchung hat der Kollege durchgeführt und wie lautete seine Diagnose? Wie waren die Blutwerte bei der letzten Untersuchung beim Hausarzt? Gegen welche Krankheiten ist der Patient geimpft und welche Allergien hat er?

Gröhe bekräftigte, er wolle in diesem Jahr ein E-Health-Gesetz vorlegen, um die Rahmenbedingungen für Aufbau und Nutzung von Informationstechnik im Gesundheitswesen zu konkretisieren. Der CDU-Politiker wie auch Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel zeigten sich entschlossen, die Exportchancen heimischer Produkte der Medizintechnik, Pharmaindustrie und Biotechnologie zu verbessern. Hierzu solle ein regelmäßiger Austausch beitragen, etwa im Rahmen der Exportinitiative Gesundheitswirtschaft. Die Gesundheitswirtschaft sei „wichtiger Treiber unseres Wirtschaftswachstums“, sagte Gabriel.

Gröhe betonte, Innovationen müssten sich dabei stets am Wohl der Menschen orientieren. Neuerungen trügen nur dann zum medizinischen Fortschritt bei, wenn sie die Versorgung der Patienten spürbar verbesserten.

In der Gesundheitsbranche ist jeder achte Erwerbstätige in Deutschland beschäftigt. Die 230.000 Betriebe erwirtschafteten im vergangenen Jahr 268 Milliarden Euro. Der Wirtschaftszweig trägt rund 11,3 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Das Wachstum beträgt rund vier Prozent pro Jahr. Laut Plischke sind die Ausfuhren zwischen 2005 und 2013 um 63 Prozent auf knapp 90 Milliarden Euro gestiegen.

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Weisheitszähne

Nur etwa fünf Prozent der Menschheit hat in ihrem Kiefer noch Platz für Weisheitszähne. Alle anderen müssen sich die dicken Backenzähne in einer schmerzhaften Operation entfernen lassen. In Zeiten, in denen die Zahnpasta noch nicht so populär war, fielen die Backenzähne der Menschen schneller aus. Da waren die später wachsenden Weisheitszähne ein willkommener Ersatz.

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Das dritte Augenlid

Die kleine Falte in der inneren Ecke des Auges ist ein Überbleibsel der Nickhaut. Diese transparente Abdeckung haben heute noch einige Vögel, Reptilien und Fische. Das Augenlid ist dazu da, das Auge zu schützen, und dabei weiter etwas sehen zu können. Das Überbleibsel bringt dem Menschen hingegen gar nichts.

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Die Mandeln

Das Gewebe im hinteren Hals filtert zwar Bakterien und Viren, dafür sind die Mandeln sehr anfällig für Entzündungen. Daher werden sie gerade Kindern oft entfernt. Glücklicherweise schrumpfen die Mandeln im Alter und entzünden sich nicht mehr so leicht.

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Die braucht wirklich niemand. Männer haben sie ausschließlich, weil alle Föten zunächst weiblich sind, bis das Y-Chromosom einknickt und das Baby zum Jungen macht. Die Brustwarzen bleiben dennoch zurück.

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Blinddarm

Auch wenn er häufig als nutzlos betrachtet und bei einer Entzündung sofort entfernt wird - einige Studien zeigen, dass der Blinddarm vielleicht gar nicht so nutzlos ist, wie zunächst gedacht. Er könnte ein wichtiger Ort für die Ablagerung vorteilhafter Bakterien sein, die nach einer Krankheit helfen, den Darm wieder auf Vordermann zu bringen.

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Das Steißbein

Am Ende unserer Wirbelsäule liegen drei bis Fünf Rückenwirbel eng aneinander gepresst. Sie sind die rudimentären Überbleibsel eines Schwanzes. Heute hat das Steißbein keine Funktion mehr.

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Rippenspeer

Die meisten Menschen besitzen zwölf Rippenpaare. Doch bei einigen Personen wurde ein weiteres Paar im Nackenbereich ausgebildet. Bei Schimpansen und Gorillas ist das noch normal.

Gröhe unterstrich, bei der Nachfrage aus dem Ausland gehe es nicht mehr nur um einzelne Produkte, sondern zunehmend um komplexe Systemlösungen, wie Krankenhausmanagement, dem Aufbau von Notfallversorgungsnetzen und Rettungsdiensten. Länder wie Brasilien und Indien seien bereit, immer mehr Geld in diesen Sektor zu investieren. Industrievertreter Plischke forderte jedoch bessere Rahmenbedingungen. Bevor die Produkte weltweit erfolgreich sein könnten, müssten sie auf dem Heimatmarkt erprobt werden können. Hier gebe es aber viele Hürden.

  • rtr
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