Neue Statistik Die Liste der Todesursachen verändert sich

Krebs ist schlimm, Herzinfarkt gefährlich, aber an Demenz oder Depression stirbt man nicht. Falsch, sagen Mediziner. Psychische Krankheiten stehen immer öfter auf dem Totenschein.
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Die Todesfälle im Bereich der psychischen Erkrankungen sind um 16.9 Prozent gestiegen. Quelle: dpa

Die Todesfälle im Bereich der psychischen Erkrankungen sind um 16.9 Prozent gestiegen.

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WiesbadenWoran stirbt ein Mensch? Biologisch gibt es eigentlich nur eine einzige Todesursache: Das Herz hört auf zu schlagen, die Atmung setzt aus, dann tritt der Hirntod ein. Was aber ist der Auslöser für diese Kettenreaktion? Darüber gibt die jährliche Todesursachenstatistik Auskunft. Auf Platz eins: Herz-/Kreislauferkrankungen. Zweithäufigster Grund: Krebs. In diesem Jahr aber rückt eine Krankheit in den Fokus der Aufmerksamkeit, die auf den ersten Blick kaum jemand für tödlich hält: Demenz.

Sie gehört zu einer Gruppe von Todesursachen, die das Statistische Bundesamt in Wiesbaden unter dem Sammelbegriff „Psychische Krankheiten und Verhaltensstörungen“ zusammenfasst. Die Zunahme ist enorm: 2013 zählten die Statistiker in dieser Kategorie 16,9 Prozent mehr Todesfälle als 2012. Zuletzt waren es 36 117 Menschen. „In 80 Prozent dieser Sterbefälle war eine Demenzerkrankung die Todesursache“, erklärt Destatis-Fachmann Torsten Schelhase.

Kann man an Demenz sterben? Durchaus, sagt Prof. Andreas Reif, Leiter der Klinik für Psychiatrie am Uni-Klinikum Frankfurt: „Demenz ist eine potenziell tödliche Krankheit.“ Im fortgeschrittenen Stadium könnten die Patienten nicht mehr essen und trinken - das führe zu Unterernährung und Austrocknung. Sie könnten im Extremfall auch nicht mehr schlucken - so könne Speichel in die Atemwege gelangen und die Lunge schädigen.

Auf dem Totenschein würde in diesem Fall neben der unmittelbaren Todesursache (etwa Multiorganversagen) und dessen mittelbarem Auslöser (wie Lungenentzündung) auch das Grundleiden Demenz vermerkt.

Gesellschaft und Gesundheitssystem sind auf die wachsende Zahl von Dementen zu wenig eingestellt, glaubt die Deutsche Stiftung Patientenschutz. „Während wir bei Krebs ein Konzept haben, ist das in Bezug auf neurologische Krankheiten doch eher ein vor sich hin Wurschteln“, kritisiert Stiftungsvorstand Eugen Brysch. „Wir brauchen dringend eine „Agenda Demenz“, die sich orientieren muss an der Qualität der Versorgung von Krebspatienten.“

Wer psychisch krank ist, trage nicht nur ein höheres Risiko, körperlich zu erkranken, betont Prof. Reif. Auch das Selbstmordrisiko ist massiv erhöht: „Bei 90 Prozent der Suizide weiß man, dass vorher eine psychische Störung bestand.“ 10 076 Menschen setzten laut Todesursachenstatistik im Jahr 2013 ihrem Leben bewusst ein Ende - Männer fast dreimal so oft wie Frauen.

Woran die Deutschen leiden
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Zu den häufigsten Krankheiten in Deutschland gehören seelische Störungen. Dem Bundesgesundheitsministerium zufolge leidet jeder dritte Mensch im Laufe seines Lebens mal an einer solchen Krankheit. Die häufigste Form ist die Depression, worunter etwa Angstzustände oder auch das Krankheitsbild des Burn-out-Syndroms fallen. Stress oder berufliche Überbelastung können Gründe sein.

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Schnupfen, Bronchitis, Husten: 17,4 Prozent aller Erkrankungen drehen sich um akute Infekte der oberen Atemwege, wie es im Barmer GEK Arztreport 2013 heißt. Zu den Erkrankungen der oberen Atemwege gehören beispielsweise Krankheiten wie Nasennebenhöhlenentzündungen. Zu den besonders weit verbreiteten Atemwegserkrankungen zählt nach WHO-Schätzungen mit weltweit 235 Millionen Betroffenen Asthma.

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Ähnlich häufig wie Erkrankungen der Atemwege sind in Deutschland Probleme mit dem Fettstoffwechsel. Dazu gehört beispielsweise Übergewicht, das auf falsche Ernährung und Bewegungsmangel zurückzuführen ist. Eine Statistik der DKV zufolge sind rund 46 Prozent der Bevölkerung übergewichtig. Männer sind dabei häufiger betroffen als Frauen.

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Im Krankenhaus stehen Ärzte bei der Versorgung schwer übergewichtiger Menschen vor einer Herausforderung. Denn durch das hohe Gewicht können die Patienten empfindlicher auf Mittel wie Sedativa und Narkosemittel reagieren. Deswegen müssen während Operationen Werte wie die Herzfrequenz oder der Blutdruck noch sicherer kontrolliert werden. GE Healthcare hat bestimmte Parameter entwickelt, um die Patienten während des Eingriffs besser überwachen zu können und ihnen im Anschluss eine bessere Erholung zu ermöglichen.

Diabetes
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Zu den Fettstoffwechselstörungen gehört unter anderem der Diabetes mellitus, im Volksmund nennt man ihn auch Zuckerkrankheit. Man unterscheidet zwischen Typ 1 und Typ 2, wobei letzterer die mit Abstand häufigere Diabetes-Form ist. 2012 litten 371,33 Millionen Menschen weltweit an Diabetes - 2030 sollen es laut International Diabetes Federation schon 551,87 Millionen sein.

OECD-Vergleich zur Gesundheit
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Vier von fünf Erwachsenen haben mindestens einmal in ihrem Leben Probleme mit dem Rücken. Laut des Statistischen Bundesamtes kostet das Kreuz mit dem Kreuz die Volkswirtschaft jedes Jahr rund 20 Milliarden Euro. Übergewicht, monotones Arbeiten, Bewegungsmangel oder psychischer Druck gehören zu den Risikofaktoren, die das Robert-Koch-Institut definiert.

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Eine zunehmende Bedrohung gerade im Alter stellen Demenzerkrankungen dar. Gegenüber dem Jahr 2007 erwarten Experten, dass die Zahl der Betroffenen bis zum Jahr 2050 um 113 Prozent steigen wird. Die häufigste Form von Demenz war 2011 nach Angaben des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung mit 65 Prozent die Alzheimer-Demenz, die immer noch unheilbar ist.

Während viel Geld beispielsweise in die Krebsprävention flösse, sei die Suizidprävention - Reifs Spezialgebiet - völlig unterfinanziert. „Die Mittel, die zur Verfügung stehen, spiegeln die Bedeutung psychischer Erkrankungen mitnichten wider.“ Einem psychisch Kranken in einer Klinik würden nicht mal 30 Minuten psychologische Betreuung pro Woche finanziert, während für körperliche Krankheiten ein Vielfaches für Medikamente ausgegeben werde.

Insgesamt blieben auch 2013 Herz-/Kreislauferkrankungen die häufigste Todesursache. Fast 40 Prozent aller Sterbefälle waren darauf zurückzuführen, vor allem bei Älteren. Häufigste Einzeldiagnose ist hier der Herzinfarkt. Der zweithäufigste Grund zu sterben sind Krebserkrankungen. Ein Viertel aller Sterbefälle war 2013 einem Tumor geschuldet.

Krebs und Demenz - darüber machen sich die Menschen auch am meisten Sorgen. Passend zur Todesursachenstatistik veröffentlichte die Krankenkasse DAK-Gesundheit am Donnerstag eine Umfrage, für die das Meinungsforschungsinstitut Forsa 5413 Menschen befragt hatte. 69 Prozent der Deutschen haben demnach Angst, an einem bösartigen Tumor zu erkranken; Alzheimer oder Demenz waren für 49 Prozent der Befragten die größten Angstmacher.

  • dpa
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