Streit um die „eGK“ Was wird wirklich aus der Gesundheitskarte?

Ein Wunderding sollte sie sein, fast jeder hat sie mittlerweile: die Gesundheitskarte. Doch statt des versprochenen Mehrnutzens bringt sie vor allem Streit und hohe Kosten. Der Gesundheitsminister verliert langsam die Geduld.
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Sorgenkind Gesundheitskarte: Steht sie vor dem Aus, schon bevor es richtig losgegangen ist? Quelle: dpa

Sorgenkind Gesundheitskarte: Steht sie vor dem Aus, schon bevor es richtig losgegangen ist?

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BerlinElf Jahre nach dem Beschluss zur Einführung der elektronischen Gesundheitskarte droht das IT-Projekt zum Milliardengrab zu werden. Krankenkassen und Ärzte, die die „eGK“ mit Kliniken, Apothekern und der Industrie gemeinsam einführen sollen, haben sich bei dem Projekt zerstritten. Die Kassen werfen den Ärzten vor, den geplanten Online-Austausch sensibler Patientendaten zu behindern. Die Mediziner werfen den Kassen Versagen vor. Für die Versicherten geht der Streit richtig ins Geld.

Zerknirschung gehört zum guten Ton, wenn die Verantwortlichen von der Karte reden - gepaart mit Schuldzuweisungen. „Wir haben die Komplexität dieses Projekts unterschätzt“, sagt die Chefin des Kassen-Spitzenverbands, Doris Pfeiffer. „Und ich glaube, das hat auch die Industrie getan.“ Sie deutet damit an, dass die IT-Firmen etwa bei Hard- und Software hinterherhinkten. Unternehmen wie T-Systems sind Partner der von Kassen, Ärzten, Apothekern und Kliniken getragenen Betreibergesellschaft gematik.

Doch bei den Betreibern selbst läuft es alles andere als rund. Wie ist der Stand? 97 Prozent der 70 Millionen gesetzlich Versicherten haben die eGK laut den Kassen mittlerweile. Das Problem: Die einzige Neuerung im Vergleich zur alten Versichertenkarte ist das Passbild. Ab kommendem Jahr sollen Versichertendaten etwa bei Adressänderungen schnell geändert werden können. Doch erst ab 2018 soll es medizinisch sinnvolle Anwendungen geben - etwa das Speichern von Vorerkrankungen oder die Übermittlung elektronischer Fallakten.

Doch wird daraus überhaupt etwas? „Das sind Planungen“, sagt Christian Zahn vom Verwaltungsrat des Kassenverbands, „wenn die Hemmnisse so weitergehen, wird daraus nichts.“ Gemeint sind damit vor allem die Ärzte. So haben die Mediziner auf ihrem jüngsten Ärztetag nur äußerst knapp den Antrag scheitern lassen, sich ganz aus dem Projekt zurückzuziehen. Und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) wird nicht müde, ein eigenes Netz (KV-SafeNet) als Datenautobahn für die Gesundheitsinformationen der Versicherten zu propagieren - was die Kassen als unsicher ablehnen.

880 Millionen Euro hat die eGK bisher gekostet - 2014 sollen es mehr als eine Milliarde werden. Umsonst? Das Ende des Projekts will bislang offiziell keiner. Die Karte verspricht Verbesserungen. Sobald sie als Schlüssel für Online-Kommunikation über als sicher geltende Server funktioniert, sollen Ärzte Befunde und andere Informationen elektronisch übermitteln und Fallakten über den Behandlungsverlauf ausgetauscht werden können. Nach der Entlassung von Patienten aus der Klinik haben niedergelassene Ärzte heute oft wenig Ahnung, was dort passiert ist. Und welche Pillen die Patienten schlucken, wissen die verschiedenen behandelnden Ärzte auch oft nicht.

Große Innovationen der Medizintechnik
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Die Entdeckung der „X-Strahlen“ im Jahr 1895 führten den deutschen Physiker Wilhelm Conrad Röntgen zum Nobelpreis. Seine revolutionäre Entdeckung machte er nur zufällig bei einem Experiment mit einer Kathodenstrahlröhre. Ein Jahr später, 1896, bauten die Niederländer Heinrich Hoffmans und Lambertus van Kleef in Maastricht eines der ersten Röntgengeräte.

Arztpraxen werden auf Fehler durchleuchtet
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Der erste Herzschrittmacher wurde 1958 bei einem Patienten in Stockholm eingesetzt, nachdem es gelang ein Gerät zu entwickeln, das klein genug war. Damals mussten die Herzschrittmacher allerdings noch täglich extern neu aufgeladen werden. Heute halten sie viele Jahre, bevor ihre Batterien ausgetauscht werden müssen.

Schlaganfall bei Kindern
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Der Magnetresonanztomograph, kurz MRT, hilft Ärzten dabei, sich die Organe eines Patienten ohne eine Operation ansehen zu können. Zunächst verbreitete sich die Technik in den Bereichen der Physik und Chemie. Abgebildet wurden beispielsweise flüssigkeitsgefüllte Modelle. Ab Mitte der 1970er Jahren wurde die Technik auch für die Untersuchung von Menschen genutzt. 1981 wurde die Kernspintomographie schließlich klinisch eingeführt.

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Bei den Fortschritten im Bereich der MR-Tomographie geht es vor allem darum, bei den Patienten Stress und Ängste zu reduzieren. Eine neue Technologie macht die Untersuchung des Kopfes in der Röhre nahezu lautlos – und das bei hoher Bildqualität. Das dumpfe laute Klopfen, das mit bis zu 120 Dezibel die Lautstärke eines startenden Düsenflugzeugs erreichen kann, weicht einem kaum noch wahrnehmbaren Geräusch.

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Patienten können sich heute sogar ihre eigene Entspannungswelt aufbauen: Mit Hilfe eines über einen Tablet-PC steuerbaren Systems werden während der MR-Tomographie beruhigende Naturaufnahmen an der Zimmerdecke gezeigt, dazu kommen Musik und Lichtfarben. Das Spektrum reicht vom gemütlichen Platz am Kamin über die Südseeinsel Tahiti bis hin zum Comic für Kinder – was auch immer dem Patienten am besten dabei hilft, den Stress zu reduzieren.

Berlin, Arzt beurteilt Roentgen-und CT-Aufnahmen
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In den 1960er Jahren arbeitete der britische Elektrotechniker Godfrey Hounsfield an der Entwicklung der ersten Prototypen für die Computertomographie, bei der Röntgenstrahlen das Körpergewebe durchdringen und dreidimensionale Computerbilder produzieren. Die erste CT-Aufnahme an einem Menschen erfolgte schließlich im Jahr 1971. Und schon ein Jahr später entschied sich das Londoner Atkinson Morley Hospital für eine Anschaffung des ersten kommerziellen Gerätes.

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Mathematik ist in der CT-Bildgebung der Schlüssel zu besserer Bildqualität - aber auch zur Dosisreduktion. Die sogenannte modellbasierte iterative Rekonstruktion, ein mathematisches Verfahren zur Auswertung der Bilddaten, ist ein wichtiger technischer Meilenstein, den bis heute nur ein Hersteller vollzogen hat.

Für die Strahlendosis eines CT-Unterbauchscans fallen mit dieser Technik lediglich 0,2 Millisievert (mSv) an. Zur besseren Verdeutlichung: Auf einem Langstreckenflug von Berlin nach New York ist ein Passagier einer natürlichen Umgebungsstrahlung von 0,032 – 0,075 mSv ausgesetzt. 

* 1 Flug entspricht durchschnittlich 0,06 mSv (Helmholtz-Center)
** mit VEO, gemäß EUR - 16262 EN

Doch Sorgen um die Sicherheit sind gewachsen seit dem Bekanntwerden etwa der Datenspionage von Geheimdiensten. Und Kassen-Verbandschefin Pfeiffer wirft den Ärzten indirekt vor, den Versicherungen kaum Einblick in die Datenströme geben zu wollen: „Für die KBV ist es wichtig, eine Infrastruktur zu haben, die sie selbst in der Hand hat.“ KBV-Chef Andreas Gassen kontert, die Kassen wollten zunächst nur die Verwaltung der Adress- und Stammdaten der Versicherten auf die Arztpraxen abwälzen. Weil die Ärzte dies nicht mitmachten, gäben die Kassen ihnen nun den Schwarzen Peter an dem Debakel. „Diese Taktik ist durchschaubar und mies“, wettert Gassen.

Die Regierung hat sich aus dem Streit bisher vornehm herausgehalten. Jetzt fordern die Kassen Fristen zur Einführung der Karte mit Funktionen - und sie wollen mit Blick auf die Ärzteschaft Sanktionen bei einer Blockade. „Das schafft nur der Gesetzgeber“, sagt ihr Verwaltungsratschef Volker Hansen. Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) reagiert prompt. „Für gegenseitige Schuldzuweisungen von Kassen und Ärzten fehlt mir jedes Verständnis“, schimpft er. Sie sollten ihre Kraft lieber so in das Projekt stecken, dass es Nutzen, Sicherheit und ein vernünftiges Preis-Leistungs-Verhältnis bringt. „Sollten weitere gesetzliche Rahmenbedingungen notwendig sein, werden wir sie schaffen.“

Was schon klar ist: Vor einem Mehrnutzen sollen bundesweit alle ausgegebenen Gesundheitskarten ausgetauscht werden. 2017 soll es laut den Kassen so weit seit, denn dann müssen bisher benützte Sicherheitsschlüssel erneuert werden. Einen dreistelligen Millionenbetrag könnte der Austausch kosten.

  • dpa
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