Vorsorge Die größten Mythen über das Impfen

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„Pharmakonzerne werden mit Impfstoffen reich“

6. „Es wird viel zu viel geimpft Daran verdient nur die Pharmaindustrie“
Insgesamt machten Impfstoffe mit gut einer Milliarde Euro im Jahr 2011 nur 3,58 Prozent der gesetzlichen Krankenkassenausgaben für Arzneimittel in Deutschland aus. Es ist ein Nischenmarkt. Auch der Vorwurf, die Mehrfachimpfungen seien die Lizenz zum Gelddrucken, trifft nicht wirklich: Sie sind sogar etwas günstiger als Einzelimpfungen. So kostet etwa der Vierfach-Impfstoff gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken von GlaxoSmithKline (GSK) 100,13 Euro. Verkauft der Hersteller aber die Dreifachimpfung MMR zu 51,11 Euro und die gegen Windpocken für 58,49 Euro, bekäme er in Summe 109,60 Euro. Den Kindern bleibt durch die Vierfachimpfung ein unangenehmer Piekser erspart.

Die Tatsache, dass GSK im vorigen Jahr auf politischen Druck hin den Krankenkassen 67 Prozent Nachlass auf den saisonalen Grippeimpfstoff gewähren musste und ihn nun zum Preis einer Schachtel Zigaretten verkauft, zeigt allerdings, dass die Margen beträchtlich sind. Auch wenn der Konzern nun jammert, dass weitere Kostenschnitte die Impfstoffproduktion bald zum Zuschussgeschäft werden ließen.

Neue Impfungen - vor allem für Erwachsene - machen das Ganze nun endgültig zu einem Milliardengeschäft, wie eine Marktstudie von Frost & Sullivan belegt. Tatsächlich erzielte Pfizer 2012 mit Prevenar 13 gegen Lungenentzündungen einen Umsatz von 3,7 Milliarden Dollar. Und Gardasil, der Impfstoff für junge Erwachsene gegen Gebärmutterhalskrebs bescherte Merck & Co. und Sanofi Pasteur MSD 1,9 Milliarden Dollar im Jahr 2012.

Dass Unternehmen mit ihren Produkten Geld verdienen, findet STIKO-Mitglied Hengel nicht schlimm. Was er beobachtet, ist aber Folgendes: Die Hersteller setzen gerade bei den preiswerten Impfstoffen der Grundversorgung darauf, ein und dasselbe Produkt über Jahrzehnte in Massen zu verkaufen, ohne es weiter zu verbessern. Dabei sieht Hengel für viele Impfstoff noch großen Verbesserungsbedarf.

Doch ausgerechnet seine Ständige Impfkommission beschert Firmen einen dauerhaften, von den Kassen finanzierten Massenabsatz. Frei nach dem Motto: Einmal von der STIKO empfohlen, immer empfohlen. Hengel gibt zu: „Das jetzige System bietet kaum Anreiz für Innovationen.“

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