WHO Alle Menschen sollen gut altern

Mit dem Alter der Menschen steigt der Anteil der Kranken und Gebrechlichen weltweit. Damit alle Menschen „gut altern“ können, fordert die WHO staatliche Gesundheitsprogramme – „Älter werden in Balance“ heißt es etwa in Deutschland.
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Sie ziehen vorbei: Der Anteil der Alten in der Weltbevölkerung steigt immer weiter. Quelle: dpa

Sie ziehen vorbei: Der Anteil der Alten in der Weltbevölkerung steigt immer weiter.

(Foto: dpa)

GenfImmer mehr Menschen auf der Welt werden immer älter. Im Jahr 2020 wird erstmals in der Geschichte der Menschheit die Anzahl der über Sechzigjährigen auf der Welt größer sein als die der Kinder unter fünf Jahren. Darauf verweist die Weltgesundheitsorganisation WHO in Genf. Obwohl die Menschen länger leben, bedeute dies nicht, dass sie auch im hohen Alter noch gesund bleiben. Im Gegenteil, der Anteil der kranken und gebrechlichen Alten werde weltweit steigen.

Bis 2050 wird die Zahl der über 60-Jährigen von heute 841 Millionen auf über zwei Milliarden klettern. 80 Prozent von ihnen werden außerhalb der reichen Staaten leben. Bislang beruhe der Anstieg der Älteren unter anderem auf dem Rückgang der Todesfälle an Herz-und Kreislauferkrankungen in den Industrieländern, berichtet Colin Mathers von der WHO im ersten Artikel einer Serie des Fachjournals „The Lancet“.

Die WHO-Autoren befürchten, dass die über 60-Jährigen weltweit künftig nicht gesünder sein werden als ihre heutigen Altersgenossen und viele Krebs sowie Lungen-, Herz- und Muskelkrankheiten bekommen. Hinzu kämen Nervenleiden. Allein die Anzahl dementer Patienten werde sich bis 2050 verdreifachen - von heute 55 Millionen auf etwa 135 Millionen.

Bei diesen Zukunftsaussichten sollte es eine weltweite Priorität werden, den Menschen ein „gutes Altern“ bei langer Gesundheit zu ermöglichen, schreiben die internationalen Experten der WHO und zeigen auch, wie das gelingen kann. „Dies bedeutet, dass fundamentale Reformen der Gesundheitssysteme und der sozialen Hilfssysteme nötig werden“, erläutert John Beard vom Department of Ageing and Life Course der WHO.

„Während manche Maßnahmen international einsetzbar sind, ist es wichtig, dass die Länder den Zustand und die Bedingungen ihrer älteren Bevölkerung beobachten, um so Trends zu erkennen und Gesundheitsprogramme an die jeweiligen Bedingungen anzupassen“, ergänzt Tis Boerma vom Department of Health Statistics and Information der WHO in Genf. Während es aus Ländern wie Brasilien China, Indien und Südkorea bereits Studien zur Gesundheit der alternden Bevölkerung gibt, fehlen solche Daten noch aus vielen Regionen außerhalb der Industrieländer.

Warum die Diagnose für uns wichtig ist
Angst vor Krankheit
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In einer von Millward Brown durchgeführten Umfrage im Auftrag von GE sind 10.000 Personen aus zehn Ländern befragt worden. Dabei ist herausgekommen, dass 74 Prozent der Menschen es wissen wollen, wenn sie an einer neurologischen Krankheit leiden – selbst, wenn keine Chance auf Heilung besteht. Die Gründe dafür sind vielfältig.

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Kein Kopfkino  
Rund 36 Prozent der Befragten geben an, dass eine Diagnose ihnen endlich Gewissheit über ihren Zustand geben würde. Das Kopfzerbrechen über eine mögliche Krankheit ist damit beendet. Die Ungewissheit ist vorbei, da der Befund vorliegt.

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Die verbleibende Zeit nutzen
Selbst wenn sie eine unheilbare neurologische Krankheit hätten, wäre es 36 Prozent der Umfrageteilnehmer wichtig den Befund zu kennen, damit sie ihre persönlichen Ziele so weit wie möglich noch erreichen können.

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Zeit mit der Familie genießen
48 Prozent der Befragten geben an, dass sie ihre Diagnose kennen wollen, damit sie mehr Zeit mit ihrer Familie verbringen können. So können sie so viele gemeinsame Stunden wie möglich im Kreise ihrer Liebsten verbringen.

Testament
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Persönliche Dinge regeln
Egal, ob Testament oder Patientenverfügung: Rund 49 Prozent der Umfrageteilnehmer möchten die Zeit nutzen, um im Vorfeld ihre persönlichen und finanziellen Angelegenheiten selbst zu regeln.

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Die richtigen Entscheidungen treffen

Welche Behandlung passt zum Betroffenen? 62 Prozent der Befragten wollen ihre Diagnose kennen, damit sie ausreichend Zeit haben, sich über die Therapiemöglichkeiten ausführlich informieren zu können. So hoffen sie, eine qualifiziertere Entscheidung bezüglich ihrer Heilmethode zu treffen.

Rauchen
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Den Lebensstil ändern
Starker Raucher, Junk-Food-Liebhaber oder Sportmuffel: 66 Prozent der Umfrageteilnehmer geben an, dass sie eine Diagnose als Anlass nehmen würden, ihren Lebensstil zu ändern. So besteht außerdem die Chance, den Verlauf der Krankheit zu beeinflussen.

Die Qualität des Lebens der wachsenden Zahl älterer Menschen zu verbessern, gehe jedoch weit über die rein medizinischen Aspekte hinaus, schreiben die Experten. Es müssten Anstrengungen unternommen werden, bereits frühzeitig mit kostengünstiger Vorsorge die spätere teure Belastung durch chronische Erkrankungen zu vermeiden. Zudem müssten Bedingungen geschaffen werden, die erlauben, die älteren Menschen in ihrem sozialen Umfeld zu belassen. Hierzu zählen auch etwa Anreize, sie länger am Arbeitsprozess teilnehmen zu lassen.

Für Deutschland hat Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) erst kürzlich einen Gesetzentwurf vorgelegt, wonach er künftig über Kranken- und Pflegeversicherung rund 510 Millionen Euro in die Gesundheitsprävention stecken möchte. Ein Ziel ist es, dass auch Menschen aus sozial schwachen Schichten Zugang zu Präventionsmaßnahmen bekommen – vor allem Kinder. Im Fokus der Prävention stehen Übergewicht, zu geringe Bewegung aber auch Rauchen oder übermäßiger Alkoholgenuss. In der Pflege müsse künftig der Grundsatz gelten „Reha vor Pflege“ - analog dem Grundsatz „ambulant vor stationär“, hieß es.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat das Programm „Älter werden in Balance“ gestartet. Es unterstütze ältere Frauen und Männer „in ihrem Bestreben, ein selbstständiges Leben bei guter Lebensqualität bis ins hohe Alter zu führen“, sagte BZgA-Direktorin Elisabeth Pott. Es soll das Gesundheitswissen älterer Menschen verbessern und sie zu mehr Bewegung im Alltag motivieren.

  • dpa
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