J wie Jarvik-Herz Pionier der künstlichen Pumpe

Kann eine Maschine das Herz ersetzen? Der US-Mediziner Robert Jarvik glaubte daran und entwickelte das erste implantierbare Kunstherz. Der erste Patient starb schnell. Die Geschichte eines umstrittenen Wegbereiters.
Kommentieren
Kunstherzen sind kein Organ-Ersatz: Diese Erkenntnis hat sich auch durch die Transplantationsversuche von Robert Jarvik durchgesetzt. Das "Heartmate III" wurde im Juli 2014 zum ersten Mal einem Patienten eingesetzt. Es unterstützt das menschliche Herz. Quelle: dpa

Kunstherzen sind kein Organ-Ersatz: Diese Erkenntnis hat sich auch durch die Transplantationsversuche von Robert Jarvik durchgesetzt. Das "Heartmate III" wurde im Juli 2014 zum ersten Mal einem Patienten eingesetzt. Es unterstützt das menschliche Herz.

(Foto: dpa)

Geht es um die Geschichte des Kunstherzens kommt sein Name immer vor: Robert Jarvik, Wissenschaftler, Miterfinder und Namensgeber des ersten dauerhaften Herz-Implantats: dem Jarvik-Herz. Robert Jarvik, geboren 1946 in Michigan, entschied Medizin zu studieren, nachdem sein Vater an einer Herzkrankheit verstorben war. An der Universität von Utah wird er 1971 der Assistent des Studienleiters für künstliche Organe, Willem Kolff. Der in die USA ausgewanderte Niederländer Kolff gilt als Koryphäe auf dem Gebiet der künstlichen Organe. 1957 hatte er in einem vielbeachteten Experiment einem Hund ein künstliches Herz implantiert: Das Tier überlebte 90 Minuten lang.

Als Jarvik nach Utah kommt, arbeitet Kolffs Team am „Kwann-Gett-Herz“, benannt nach einem der Mitarbeiter. Eine Gummi-Membran, die als Pumpe fungiert und das Blut in und aus dem künstlichen Herzen pumpt, verringert erstmals die Gefahr eines plötzlichen Stillstands. Doch das Gummi lässt auch das Blut in gefährlichem Maße gerinnen. Der ehrgeizige Jarvik erhält den Auftrag, das Modell so weiterzuentwickeln, dass es ein menschliches Herz dauerhaft ersetzen kann. Er ersetzt das Gummi durch geschmeidigere Kunststoffe, weitere Komponenten bestehen aus Aluminium. Druckluftleitungen verbinden einen externen Kompressor mit der künstlichen Pumpe in der Brust. Nach jahrelangen Experimenten und Tierversuchen beantragt Jarvik die Genehmigung, sein „Jarvik-7“-Herz einem Menschen einpflanzen zu dürfen. Die Gesundheitsbehörde FDA hat Bedenken, stimmt nach einigem Hin und Her aber zu.

Fünf neue Wege zur Diagnose
electronic_tattoo
1 von 5

Chip-basierte Diagnose-Tools

Diese neue „Diagnostik-Haut“ ist in der Lage, feine Temperaturabweichungen zu erkennen, die möglicherweise Anzeichen einer ernsten Erkrankung sind. Zudem kann sie kleine Bereiche mit Wärmetherapie und sogar mit Medikamenten versorgen. Der flexible Chip ist genauso wenig invasiv wie ein temporäres Tattoo und macht teure Ausrüstung, die zudem die Bewegungsfreiheit des Patienten einschränkt, überflüssig.

Frau mit Smartphone
2 von 5

Nicht das übliche Smartphone

Die Lösung ClipOCam-Derma gibt dem Trendbegriff „Selfie“ für selbst geschossene Handy-Fotos eine ganz neue Bedeutung. Sie rüstet Smartphones mit einem hochauflösenden Objektiv aus, so dass sich Hautveränderungen per Remote-Diagnose über eine App bestimmen lassen. Die Lösung zielt vor allem auf dünn besiedelte Gegenden mit schlechter medizinischer Versorgung ab.

CTRevolution
3 von 5

Eine Aufnahme mit dem Revolution CT-Scanner von GE-Healthcare: Winzigste Details erleichtern die Diagnose.

EICU
4 von 5

I see you (ICU)

Mithilfe einer elektronischen Intensivstation (eICU) behält das Pflegepersonal von einem zentralen Ort aus mehrere Patienten parallel im Auge. Eine Studie ergab, dass Patienten in Kliniken mit einem eICU-Programm eine um 26 Prozent höhere Chance hatten, ihren Aufenthalt zu überleben. Zudem wurden sie 20 Prozent schneller entlassen als nach der auf Intensivstationen sonst üblichen Versorgung.

Aerzte_Imago
5 von 5

Alle sind gefragt

Wann immer es schwierig ist, eine klare medizinische Diagnose zu stellen, kann man über CrowdMed.com die Symptome online stellen und per Crowd-Sourcing nach einer Lösung suchen. Anwender können „Medizindetektive“, die einen Fall gelöst haben, zudem mit Geldprämien belohnen. Die CrowdMed Gründer sagen, ihre Lösung soll keineswegs den Arzt ersetzen, sondern Alternativen zur klassischen Diagnose bieten.

Dezember 1982 am Universitätsklinikum in Salt Lake City: Der Chirurg William deVries setzt dem 61-jährigen Patienten Barney Clark in einer siebenstündigen Operation das erste implantierbare Kunstherz der Welt ein: Der schwerkranke Clark hatte entschieden, sein eigenes Herz entfernen und durch das künstliche Organ ersetzen zu lassen. Das würde, so die Hoffnung, sein Leben verlängern. Das öffentliche Interesse ist groß: Auf regelmäßigen Pressekonferenzen informieren Jarvik und die behandelnden Ärzte die Medien über die Behandlung und den Zustand des Patienten.

Bereits kurz nach der Operation müssen sie von Komplikationen berichten: Verglichen mit den heutigen Hightech-Pumpen ist „Jarvik 7“ ein monströses Gebilde, das seinem neuen Träger einiges abverlangt: Ein kühlschrankgroßer Kompressor betreibt das Kunstherz mit Druckluft, zahlreiche Schläuche und Kabel führen von außen zum Herzen. Die Nebenwirkungen sind erheblich. Eine Herzklappe bricht und muss in einer Notoperation ersetzt werden. Der Patient erleidet mehrere Thrombosen, hat Halluzinationen und Krämpfe, Nieren und Leber versagen. Der Tod nach nur 112 Tagen kommt für ihn als Erlösung.

Zwei Jahre später folgt der nächste Versuch: Die Ventile des Kunstherzens bestehen jetzt aus Titan, das soll das Konstrukt stabiler und besser verträglich machen. „Jarvik-7“ wird dem Patienten William Schroeder eingesetzt. Wieder gibt es Komplikationen, nach 620 Tage stirbt Schroeder. Drei weitere Fälle verlaufen ähnlich. Jetzt hagelt es Kritik: Die Empfänger hätten mit einem menschlichen Spenderherz sehr viel länger und besser leben können. Spätestens der Eingriff an William Schroeder sei ein unverantwortlicher Kunstfehler gewesen, wettern Ärzte aus der ganzen Welt. Die FDA greift ein: Jarvik und DeVries dürfen erst einmal keine Kunstherzen mehr transplantieren, wenn dann nur mit Ausnahmegenehmigung und als Übergangslösung. Die Zeit sei nicht reif für die dauerhafte Implantation künstlicher Herzen, meinen jetzt viele. Tatsächlich steht die Medizintechnik der 80er Jahre vor riesigen Herausforderungen: Es fehlt an idealen Kunststoffen, an einem ausgefeilten Pumpsystem, an Regelelektronik in vertretbarer Größe, an Energiespendern, die so klein und leichtgewichtig sind, dass der Patient ihn mühelos mit sich herumtragen könnte.

3D-Druck und Bioprothese: Die Forschung geht weiter
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%