Technische Hilfsmittel Sollten Studenten auf Stift und Papier verzichten?

In Vorlesungen finden sich immer öfter Laptops oder Tablet-Computer auf den Tischen, statt Notizblock und Stift. Nur: So hilfreich wie die elektronischen Geräte beim Lernen sein sollen, sind sie scheinbar gar nicht.
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Hilfsmittel zum Lernen: Wie nützlich sind Laptops und Tablets? Quelle: dpa

Hilfsmittel zum Lernen: Wie nützlich sind Laptops und Tablets?

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Seit Jahren wird der Einsatz von Computern und Laptops an Schulen und Universitäten gefördert. Dabei geht es nicht allein darum, zu lernen, wie diese elektronischen Geräte funktionieren und welche Möglichkeiten sie bieten. Immer häufiger werden sie schlicht als Hilfsmittel zum Lernen benötigt – Stift und Notizheft geraten in Vergessenheit. Doch wie hilfreich sind Laptops und Tablets eigentlich beim Erlernen komplexer Zusammenhänge? Kritiker, die sich früher darauf beschränkten, auf die vielfältigen Ablenkungen wie etwa durch die Nutzung Sozialer Netzwerke, Computerspiele oder Online-Shopping bei der Benutzung von Computern beim Lernen hinzuweisen, bekommen neue Argumente in die Hand.

Denn selbst wenn Laptops nur als Notiz- und Lernhilfe benutzt werden, können sie die akademische Leistung beeinträchtigen. Das hat die Psychologin Pam Mueller von der Princeton University in gemeinsamen Untersuchungen mit Daniel Oppenheimer von der UCLA Anderson School of Management durch Untersuchungen bestätigen können. Sie fanden heraus, dass handschriftliche Aufzeichnungen in der Regel zwar weniger Wörter enthielten, der jeweilige Sachzusammenhang darin aber besser dargestellt wurde.

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Großraumbüros, in denen die Angestellten ihrer Arbeit in kleinen Stellwandabteilen nachgehen, sollten die Zukunft sein. Das dachte zumindest der Erfinder des Cubicle-Office, Robert Probst. Doch statt Produktivität förderte sein Konzept Eintönigkeit und Isolation. Dabei ist besonders die Möglichkeit zum gemeinsamen Arbeiten aktuellen Studien zufolge der Schlüssel zu Erfolg und Kreativität. Neue Technologien machen darüber hinaus auch vernetztes Arbeiten möglich, womit die Effizienz in Unternehmen deutlich gesteigert werden kann.

Gemeinschaftsbüros "Coworking Spaces"
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Gemeinschaftsbüro in Nürnberg: Lässt man Arbeitnehmern die Wahl, von wo aus sie arbeiten wollen, so entscheiden sich zunehmend mehr für die eigenen vier Wände, Büros außerhalb des Unternehmens oder gleich für das Café um die Ecke. Technologien wie Wireless LAN und Mobile Computing schaffen die Basis, sich auch von unterwegs in das Firmennetzwerk einzuwählen. Einige Konzerne ermitteln über Sensoren in Echtzeit, wo ihre Angestellten am produktivsten innerhalb eines Bürokomplexes arbeiten und können so gezielt Umbaumaßnahmen vornehmen.

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Rund 40 Prozent aller amerikanischen Arbeitnehmer werden der Schätzung einer Softwarefirma zufolge bis 2020 als Leiharbeiter, in befristeten Arbeitsverhältnissen oder als Selbstständiger tätig sein. Zum Vergleich: In Deutschland lag der Anteil von Selbstständigen und Zeitarbeitern an der Gesamtzahl der Erwerbstätigen im Jahr 2012 bei rund 13 Prozent. Der Trend weg von geregelten Arbeitszeiten und Löhnen hin zur größeren Flexibilität bringt jedoch für beide Seiten einige Vorteile mit sich.

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Arbeitgebern ermöglicht diese Entwicklung am Arbeitsmarkt, schnell auf wechselnde unternehmerische Anforderungen zu reagieren. Selbstständige profitieren davon, dass sie sich ihr Arbeitspensum so einteilen können, wie es ihnen ihr Leben erlaubt. So bleibt etwa mehr Zeit für die Kinderbetreuung oder andere Aufgaben übrig.

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Aufgaben wie etwa die eigene Weiterbildung. Bis zum Jahr 2020 werden Schätzungen der Unternehmensberatung McKinsey zufolge rund 40 Millionen hochqualifizierte Arbeiter in Unternehmen überall auf der Welt fehlen. Besonders groß wird der Mangel in Entwicklungsländern sein. Unternehmen und Arbeitnehmer haben jedoch einen innovativen Weg gefunden, dieser Herausforderung zu begegnen.

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Crowdsourcing-Plattformen ermöglichen es Designern, Programmierern und anderen Fachkräften, sich miteinander zu vernetzen. Gemeinsam können sie so projektspezifische Arbeitsanforderungen leicht erfüllen. Das Unternehmen Cloudfactory wurde in Nepals Hauptstadt Kathmandu von einem Kanadier gegründet und betreibt inzwischen von Büros in Nepal, Hong Kong und den USA aus ein Online-Portal, auf dem sich Selbstständige aus allen Teilen der Welt finden können, um zusammen zu arbeiten. Eigenen Angaben zufolge sollen auf diese Weise bis zu einer Million neue Arbeitsplätze in Entwicklungsländern geschaffen werden.

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In Entwicklungsländern soll auch eine Technik, die Videokonferenzen samt der Steuerung eines Roboters ermöglicht, große Fortschritte bringen. Selbst im Bereich der medizinischen Weiterbildung sind dann Lehrgänge ohne physische Präsenz der Teilnehmer möglich. So kann beispielsweise der Roboter Raven IV chirurgische Eingriffe an einem Modell durchführen, das Tausende Kilometer entfernt steht.

„Es hat den Anschein, als beschäftigten sich Menschen beim handschriftlichen Mitschreiben weit intensiver mit der Verarbeitung und der Bewertung der Informationen als diejenigen, die auf einer Tastatur eines Computers tippen“, schreiben die Forscher im Fachmagazin Psychological Science. Schnelles Tippen verleite schlicht zum stumpfsinnigen Mitschreiben, so die Folgerung der Wissenschaftler. Wer langsamer per Hand mitschreibe, müsse die angebotenen Informationen filtern, die wichtigsten auswählen und mit eigenen Worten zusammenfassen.

Zwar stellten die Forscher fest, dass diejenigen, die viel mitschrieben, später auch deutlich mehr Inhalte wiedergeben konnten als „Wenigschreiber“ ihrer Vergleichsgruppe. Allerdings zeigt sich auch: Je wörtlicher die Mitschrift war, desto weniger vermittelte Inhalte blieben hängen. Wer stattdessen mit Stift und Papier nur die Kern der Informationen notiert hatte, hatte den jeweiligen Vortrag letztlich deutlich besser im Gedächtnis behalten.

Selbst die Vorgabe der Forscher an ihre Probanden, wörtliches Mitschreiben möglichst zu vermeiden, brachte bei den Laptop-Nutzern keinen spürbaren Erfolg. Auch mehrere Wochen nach den wissenschaftlichen Tests, konnten die Studenten, die ihre Notizen per Hand gemacht hatten, die vorgetragenen Inhalte deutlich besser wiedergeben – obwohl beide Gruppen ihre Mitschriften vorher noch einmal studieren durften.

„Ich denke nicht, dass wir viele Menschen dazu bringen werden, wieder zu Stift und Notizblock zu greifen“, schließt Mueller. Sie sieht aber gute Chancen, die Lernvorteile durch handschriftliche Notizen ins Zeitalter von Laptop und Tablet zu übertragen. Schließlich gebe es ja bereits viele gut funktionierende Systeme der Handschrifterkennung. Damit, so Mueller könnten die Vorteile einer elektronischen Aufzeichnung mit denen der besseren geistigen Einprägung beim Mitschreiben kombiniert werden.

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