Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Digitale Revolution

Blackout-Autor Marc Elsberg „Ein großflächiger Zusammenbruch des Stromnetzes wäre nach wie vor möglich“

Erst im Juni ist Deutschland nur knapp einem großflächigen Blackout entkommen. Die Angst davor hat dem Romanautor Marc Elsberg zum Durchbruch verholfen.
1 Kommentar
„Dass das Management der Energiewende in Deutschland ein Desaster ist, da sind sich mittlerweile die meisten einig.“ Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
Marc Elsberg

„Dass das Management der Energiewende in Deutschland ein Desaster ist, da sind sich mittlerweile die meisten einig.“

(Foto: Frank Beer für Handelsblatt)

Düsseldorf Es ist schon ein paar Jahre her, als der Österreicher Marc Elsberg die Energiewelt mit seinen Roman „Blackout“ in helle Aufregung versetzt hat. Und doch scheint das Buch heute aktueller denn je. 

Das Szenario: Ein internationaler Stromausfall, der nach und nach fast ganz Europa lahmlegt. Vier Jahre lang hat Elsberg jedes Detail recherchiert, um die Katastrophe so realistisch wie möglich zu beschreiben und lenkte dabei die Aufmerksamkeit auf ein Thema, das vielen vorher gar nicht bewusst war: Unser Stromnetz wird immer fragiler. 

„Daran hat sich auch heute nichts geändert“, ist der Bestsellerautor überzeugt. Warum die Energiewende trotzdem alternativlos ist, wie realistisch eine Katastrophe à la „Blackout“ wirklich ist und warum sein neuer Roman „Gier“ anders ist als der Rest seiner Bücher, erzählt Elsberg im Interview mit dem Handelsblatt.

Lesen Sie hier das ganze Interview:

Ihr Roman Blackout ist vor sieben Jahren erschienen und hat viele Diskussionen über die Digitalisierung unseres Stromnetzes ausgelöst. War das Ihre Absicht, als Sie das Buch geschrieben haben?
Das ist eine gute Frage. Eigentlich ging es mir erst gar nicht um den großen Stromausfall, sondern um die Frage, wie sehr sich die Organisationsstrukturen unserer Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten verändert haben. Stichwort Vernetzung. „Just in time-Lieferungen“, das ganze Outsourcen, die gegenseitigen Abhängigkeiten verschiedener Unternehmen und Nationen, die sich immens gesteigert haben. 

Das war in seinen Auswirkungen kaum jemandem bewusst. Aber wie macht man jemandem bewusst, was nicht bewusst ist? Eine der Strategien ist natürlich: Lass das weg, was wichtig ist. 

Und Energie ist das Wichtigste?
Ich habe mir kritische Infrastrukturen und ihre gegenseitigen Abhängigkeiten angeguckt und geschaut, wie ich diese weglassen kann. Ich habe mir überlegt, ob ich die Logistik- oder die Finanzsysteme zum Zusammenbruch bringen kann. Am Schluss bin ich bei dem Energieversorgungssystem gelandet, weil das damals am schnellsten und einfachsten herunterzubringen und unten zu halten war.

Heute scheint Ihr Buch aktueller denn je. Sehen Sie Ihre Geschichte gerade Realität werden?
Ich habe damals einen Thriller geschrieben, der erklärt, wie unsere moderne Welt funktioniert. Das war solide recherchiert und offensichtlich habe ich damals mehr zusammengetragen als bis dato sogar viele Verantwortliche wussten. Deswegen wurde und wird das Buch weiterhin sehr stark herangezogen.

Einerseits, um darüber nachzudenken, was man besser machen kann. Andererseits, um Leuten, die keine Experten sind, die Wichtigkeit und die möglichen Konsequenzen anders vor Augen zu führen als das eine Studie könnte. Die faktischen Inhalte der Geschichte haben sich im Wesentlichen nicht geändert. Ein großflächiger Zusammenbruch wäre nach wie vor möglich und die Folgen wären nach wie vor genauso – inzwischen wahrscheinlich sogar noch schlimmer.

Das heißt, Sie haben mit Ihrem Roman nicht das erreicht, was Sie erreichen wollten?
Als Allererstes habe ich bezweckt, gute Unterhaltung zu liefern. Nach und nach hat sich erst herausgestellt, dass es dann auch noch mehr wurde als nur gute Unterhaltung. Das war nicht von Anfang an das Ziel. Insofern hat mich das auf der einen Seite fast ein bisschen überrascht. Aber gut, wenn es die Leute zum Denken oder womöglich sogar zum Handeln anregt, was ich immer wieder höre, dann ist das in Ordnung. 

Wird unser Netz durch Künstliche Intelligenz und Algorithmen irgendwann so instabil, dass ein mehrwöchiger Blackout tatsächlich möglich ist?
Man muss zwei Dinge unterscheiden: Was ich für den Roman gemacht habe, ist ein Angriff. Was meine Recherchen seinerzeit ergeben haben, ist: Wenn wir einen großflächigen Ausfall aufgrund von Wetterkapriolen oder menschlichem Versagen haben, bekommt man das Netz innerhalb von Minuten bis maximal drei, vier Tagen in den Griff. Den Ausfall, den ich beschreibe, der länger als diese drei, vier Tage dauert, kann man nur herbeiführen, wenn man es absichtlich tut. 

Wenn man in der Lage ist, die Aufbauversuche der Verantwortlichen bewusst zu sabotieren. Insofern ist das natürlich möglich, aber da muss dann böse Absicht dahinterstecken. Dann kann es für die Verantwortlichen schwierig bis es unmöglich sein, die Versorgung wiederherzustellen.

Ist die Entwicklung hin zu einem vollständig intelligenten Netz also die falsche Richtung, weil es uns angreifbarer macht?
Ich glaube, dass die Entscheidung für erneuerbare Energien grundsätzlich das einzig Sinnvolle ist. Wir müssen das tun. Dass das Management der Energiewende in Deutschland ein Desaster ist, da sind sich mittlerweile die meisten einig. Es sind aber nicht die Erneuerbaren Schuld, dass wir ein instabileres Netz haben, sondern dass man es schlicht und einfach schlecht gemanagt hat.

Was ist ein Smart Grid?

Das heißt, die Energiewende geht zu schnell?
In einer Gesellschaft, in der alles immer stärker vernetzt ist, müssen auch die Stromnetze stark sein, wir brauchen also einen stärkeren Netzausbau. Das ist natürlich schwierig, weil da viele Interessen aufeinandertreffen. Jeder ist dafür, dass er noch mehr Strom verbrauchen darf. Keiner will die Leitungen im Garten haben – das klassische „Not in my backyard“-Phänomen. Das müsste man eben anders organisieren. Aber ich bin zum Glück kein Politiker, der dafür verantwortlich ist.

Sind Sie mal mit Energiewendegegnern in die Diskussion gegangen, die Ihr Buch ja oft als mahnendes Beispiel hochhalten?
Solche Leute haben insofern Recht, als das wir wirklich in Schwierigkeiten kommen können, wenn wir das Management der Energiewende so weiter betreiben. Das ändert aber nichts daran, dass ich das Ziel grundsätzlich richtig finde. Die Energiewende ist machbar. Die Herausforderung ist, den Wandel richtig hinzubekommen. Wenn heute jemand sagt, die Energiewende ist grundsätzlich Unsinn, dann kann ich nur sagen: Nein, ist sie nicht. Es kommt nur drauf an, wie man es macht.

Seit Blackout haben Sie noch drei weitere Romane veröffentlicht. In allen geht es um aktuelle Entwicklungen, die böse enden. Von Künstlicher Intelligenz bis zum Kapitalismus. Sehen Sie unsere Zukunft wirklich so negativ?
Natürlich erzählen die Bücher erst einmal unmittelbar eine Katastrophe, gleichzeitig zeigen sie aber, was wir zu verlieren haben. Meine Geschichten mögen anmuten wie eine Dystopie, aber letztendlich ermöglicht einem das häufig auch, den Blick auf die positiven Seiten zu schärfen. Denn ich versuche schon verschiedene Perspektiven auf das Thema zu werfen. Es ist mir recht wichtig, dass man das nicht zu sehr in eine Richtung treibt, so dass jeder ein großes Bild bekommt.

Das funktioniert nur leider nicht immer.
Ja, ich bin immer wieder überrascht über die Reaktionen. Es hängt wohl auch sehr davon ab, durch welche Brille die Leute die Bücher lesen. Wer Blackout liest und generell optimistisch ist und denkt, dass wir das eh irgendwie hinbekommen, der sagt dann vielleicht: Ja, wir haben da ein Problem, aber es ist gut, dass darauf aufmerksam gemacht wird und wir werden es lösen. Und wer eher pessimistisch auf die Welt schaut, der sagt dann halt gleich: Wir haben uns viel zu abhängig gemacht und müssen das Rad der Zeit zurückdrehen.

Ihr neues Buch, Gier, ist da aber ein bisschen anders als seine Vorgänger, oder?
Ja, bei Gier biete ich tatsächlich eine positive Lösung an. Insofern ist es in diesem Fall noch nicht einmal aufs Schlimmste gedreht, sondern im Gegenteil. Es gräbt genau die Themen aus, die aktuell hochpoppen. Angefangen bei der Vermögensverteilung. Ich lese dieser Tage, die SPD wolle eine Vermögenssteuer einführen, in Berlin sollen die Mieten gedeckelt werden. Und all das ist exakt das Thema von Gier. Auch wenn das Szenario zugegebenermaßen so ist, dass die Krise, vor der wir stehen, schon da ist. Aber wir haben ja ohnehin gewusst, dass sie kommt.

Welchen Effekt haben Ihre Recherchen denn auf Sie persönlich? Würden Sie sich zum Beispiel einen intelligenten Stromzähler ins Haus hängen?
Die Frage ist, ob man darauf überhaupt Einfluss hat. Der Smart Meter ist ja nur ein Platzhalter dafür, dass auch Haushalte immer stärker vernetzt werden. Wenn ich das Buch heute schreiben würde, würde ich wahrscheinlich schon gar nicht mehr den Smart Meter hacken, sondern die App, mit der man sein Smart Home steuert.

Also kein Smart Home für Sie?
Wenn es unter vernünftigen Aspekten der Sicherheit und des Datenschutzes gemacht wird, gibt es grundsätzlich nichts dagegen zu sagen. Das ist aber eben oft nicht der Fall. 
Herr Elsberg, danke für das Gespräch.

Mehr: Das Stromnetz der Zukunft muss intelligent werden. Das erleichtert die Steuerung, macht es aber auch anfälliger für Angriffe – eine Gratwanderung.

Startseite

Mehr zu: Blackout-Autor Marc Elsberg - „Ein großflächiger Zusammenbruch des Stromnetzes wäre nach wie vor möglich“

1 Kommentar zu "Blackout-Autor Marc Elsberg: „Ein großflächiger Zusammenbruch des Stromnetzes wäre nach wie vor möglich“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • "Ein internationaler Stromausfall, der nach und nach fast ganz Europa lahmlegt...wäre ein Inferno". Darum müssen wir alles Dransetzen neueste Alternativen zu Wind-, Wasser- und Solarenergie zu nutzen. Unser System der Grosskraftwerke und Verbrennung fossiler Brennstoffe MUSS jetzt wandeln. Ich las das zuletzt in einer Anzeige von einer neuen Energienutzung von Neutrino-Energy. Das Prinzip der Nutzung ist mir klar, aber auch hier braucht es unternehmerische Aufbauleistung, da die Technologie noch in den Kinderschuhen steckt. Die Berliner NEUTRINO ENERGY Group testet ein Gerät zur Gewinnung von sauberem Strom aus kosmischer Strahlung. Holger Thorsten Schubart, CEO des deutsch-amerikanische Forschungsunternehmen hat die Entwicklung eines innovativen High-Tech-Materials auf Basis einer Vielzahl von dotiertem Kohlenstoff und Silizium zum Abschluss gebracht, mit dem ein Teil der kinetischen Energie von Partikeln des unsichtbaren Strahlungsspektrums in Elektrizität umgewandelt wird. Derzeit werden die ersten industriellen Muster des sogenannten NEUTRINO POWER CUBE und der NeutrinoVoltaic, eines Geräts, das saubere Energie liefert, in Deutschland unter Laborbedingungen getestet. Neutrinos, hochenergetische Teilchen, die als Teil der kosmischen Strahlung des unsichtbaren Spektrums kontinuierlich auf die Erde treffen, sind nach jüngsten Untersuchungen eine unerschöpfliche Energiequelle. "Der Energieerhaltungssatz funktioniert. ", sagt der Physiker Professor Strauss, ein ehemaliger Forscher am Massachusetts Institute of Technology, USA, und Mitglied des wissenschaftlichen Rates der NEUTRINO ENERGY Group. Mobile und dezentrale Haushaltsenergie- Energieversorgung 365Tage/24h und unendliche Reichweiten für die Elektromobilität sind machbar.








Serviceangebote