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Digitale Revolution

Christiane Benner IG-Metall-Vorständin: „Arbeit 4.0 braucht Mitbestimmung 4.0“

Die Corona-Pandemie war ein „Schnellkurs für Digitalisierung“, sagt die Gewerkschafterin Christiane Benner. Dafür brauche es aber klare Regeln – etwa Recht auf Nicht-Erreichbarkeit.
19.08.2020 - 04:02 Uhr 1 Kommentar
„Die Arbeitgeber müssen sich bei strategischen Fragen mit uns an einen Tisch setzen.“ Quelle: imago/sepp spiegl
IG-Metall-Vizechefin Christiane Benner

„Die Arbeitgeber müssen sich bei strategischen Fragen mit uns an einen Tisch setzen.“

(Foto: imago/sepp spiegl)

Frau Benner, die Coronakrise treibt in vielen Bereichen die Digitalisierung vorn. Wie zeigt sich das bei der IG Metall?
Wir sind durch die Pandemie zu einem Schnellkurs gezwungen worden, haben unsere 155 Geschäftsstellen mit Lizenzen für Videokonferenzen wie beispielsweise Zoom ausgestattet. Wir haben aber auch Push-Nachrichten über unsere App verschickt, wie Kurzarbeitergeld berechnet wird oder welche Gesetzesänderungen es gab. Wir sind digital schneller und besser geworden.

Corona hat auch der digitalen Arbeit aus dem Homeoffice Schwung verliehen. Wird der von Dauer sein?
Wir haben erlebt, dass plötzlich ganz viel ging, wogegen sich manche Arbeitgeber vorher gesperrt hatten. Die Beschäftigten schätzen Flexibilität, aber wir brauchen ganz klare Regelungen und Bedingungen fürs Homeoffice, auch ein Recht auf Nicht-Erreichbarkeit. Arbeitnehmer könnten gesetzlich das Recht bekommen, auf Wunsch zeitweise im Homeoffice zu arbeiten. Und der Arbeitgeber müsste begründen, falls und vor allem warum das nicht geht.

Ist Heimarbeit nicht ein Karrierekiller nach dem Motto: Aus den Augen, aus dem Sinn?
Stärken zu entdecken und jemanden zu fördern, das funktioniert sicher eher im Miteinander. Wir setzen ja auf eine Mischform aus Homeoffice und Anwesenheit im Betrieb. Beschäftigte, die einen Teil ihrer Arbeit zu Hause erledigen, dürfen bei Entwicklung, Aufstieg und der Qualifizierung nicht außen vor bleiben.

Welche Gestaltungsmöglichkeiten haben Gewerkschaften denn überhaupt in der digitalen Arbeitswelt?
Unsere Industrie verändert sich rasant, denken Sie beispielsweise an das autonome Fahren. Aber wir wissen aus Erhebungen auch: 50 Prozent der Unternehmen in unserem Organisationsbereich haben noch keine Strategie, wie sie auf den Wandel reagieren oder welches Geschäftsmodell sie verfolgen wollen. Dem möchten wir beispielsweise mit tariflich geregelten „Transformationsausschüssen“ und einem Initiativrecht bei Qualifizierung entgegenwirken. Die Arbeitgeber müssen sich bei strategischen Fragen mit uns an einen Tisch setzen.

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    Wie passen Mitbestimmung und Betriebsrat zum agilen Arbeiten?
    Produkte werden in immer kürzeren Zyklen entwickelt und an die Kundenwünsche angepasst. Da braucht es neue Arbeitsformen wie agiles Arbeiten. Aber auch hier müssen Rahmenbedingungen gelten, damit die Beschäftigten vor zu hoher Belastung geschützt werden und irgendwann auch mal nach Hause gehen können. Wir wollen neue Geschäftsmodelle ermöglichen und gleichzeitig einen Schutz vor Leistungsverdichtung. Die Arbeitswelt 4.0 braucht Mitbestimmung 4.0 und einen Sozialstaat 4.0.

    Frau Benner, vielen Dank für das Interview.

    Mehr: Wenn Kollege Roboter übernimmt: Wie Digitalisierung die Gewerkschaften herausfordert

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    Mehr zu: Christiane Benner - IG-Metall-Vorständin: „Arbeit 4.0 braucht Mitbestimmung 4.0“
    1 Kommentar zu "Christiane Benner : IG-Metall-Vorständin: „Arbeit 4.0 braucht Mitbestimmung 4.0“"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Die immer wieder geäußerte Aussage "dass plötzlich ganz viel ging, wogegen sich manche Arbeitgeber vorher gesperrt hatten" muss man schon vor dem Hintergrund eines Katastrophenfalles sehen: wenn die Funktionsfähigkeit einer essentiellen Abteilung wie z.B. IT, Buchhaltung etc. durch räumlichen Abstand der Beschäftigten gesichert werden muss, ist ein Produktivitätsverlust von 20% zu rechtfertigen. Wenn alle in Quarantäne gehen, oder gar erkranken, ist der Schaden viel größer.
      Leider haben bei mir die negativen Erfahrungen weit überwiegt: Chaos in der Kommunikation mit Kunden und Lieferanten, wo die Mitarbeiter im Home Office regelrecht verschwunden sind, klare Fälle von Mißbrauch wegen mangelnden Kontrollmöglichkeiten. Auch wird es den wenigsten Arbeitgebern möglich sein, den gleichen Standard von Büroarbeitsplätzen parallel zu Hause zu bieten: vom Glasfaseranschluss bis zur Beleuchtung. 7,5 Stunden Arbeit am Notebook am Küchentisch ist nicht die Lösung, wenn wieder Produktivität gefordert ist. Zu sozialistischen Experimenten mit Recht auf Home Office, wo Arbeitnehmerräte entscheiden, wer das machen darf (steht so im Entwurf einer Betriebsvereinbarung!) können die meisten Arbeitgeber nur eine Absage erteilen. Konsequenterweise müssten dann die gewerblichen Beschäftigten, die ihre Produktionsanlagen ja nicht nach Hause nehmen können, irgendwie "entschädigt" werden. Und die Wettbewerbsfähigkeit in unserer Höchstlohnindustrie fällt weiter. Home Office kann in der Industrie nur ein Ausnahmefall bleiben.

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