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Digitale Revolution

#DigitalDictionary Blackboxing – Warum Menschen mit Technik überfordert sind

Wer schon heute das Morgen verstehen will, muss die Sprache der Zukunft sprechen. Dabei hilft einmal pro Woche das digital dictionary unserer digitalen Bildungsplattform ada. In Folge 16: blackboxing.
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Je erfolgreicher eine Technik ist, desto undurchsichtiger wird sie. Quelle: unsplash
Blackboxing

Je erfolgreicher eine Technik ist, desto undurchsichtiger wird sie.

(Foto: unsplash)

Düsseldorf Hand aufs Herz: Könnten Sie die Zwei-Faktor-Authentisierung erklären? Wie ein Cookie funktioniert? Oder das Prinzip der Netzneutralität? Solche Fragen stellte das US-Meinungsforschungsinstitut Pew für eine aktuelle Studie 4300 Amerikanern.

Die Forscher wollten herausfinden, wie gut sich die Menschen mit digitalen Themen auskennen, mit Cybersicherheit zum Beispiel oder mit dem Geschäftsmodell der Sozialen Netzwerke. Das Ergebnis war ernüchternd. Von zehn Fragen beantworteten die Menschen im Schnitt vier korrekt. Nur 20 Prozent schafften mehr als sieben Richtige, gerade mal zwei Prozent erzielten die volle Punktzahl.

Bruno Latour würde das nicht wundern. Der französische Soziologe und Philosoph beschäftigte sich bereits im Jahr 1999 mit dem Verhältnis zwischen Mensch und Technik – und kreierte einen Begriff, der noch heute relevant ist. Vielleicht sogar mehr als je zuvor. Im Glossar seines Buchs „Pandora’s Hope“ verwendete Latour das Wort „blackboxing“: Darunter verstand er „das Unsichtbarmachen wissenschaftlicher und technischer Arbeit durch ihren eigenen Erfolg“.

Latour erklärte das Konzept damals am Beispiel eines Overhead-Projektors. Während eines Vortrags summt er still vor sich hin und wird daher für selbstverständlich gehalten – aber wehe, er geht mal kaputt. Dann wird uns nicht nur die Existenz des Gerätes schlagartig bewusst, sondern gleichzeitig unsere eigene Unzulänglichkeit im Bezug auf dessen Funktionsweise – weil er wortwörtlich eine „black box“ ist.

„Wenn eine Maschine reibungslos läuft, braucht nur noch auf Input und Output geachtet zu werden, nicht mehr auf ihre interne Komplexität“, schrieb Latour. Aber genau dadurch ergebe sich ein Paradox: Je erfolgreicher eine Technik ist, desto undurchsichtiger werde sie. Und das lässt sich auch in der modernen Arbeitswelt beobachten.

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) beschäftigt sich in einem aktuellen Report (.pdf) damit, warum psychische Probleme zugenommen haben. Dabei spielt auch blackboxing eine Rolle, sogar in doppelter Hinsicht. Zum einen haben sich viele Arbeitsprozesse aus den Büros und Fluren in die Gehäuse, Kabel und Clouds verlagert – und sind deshalb für Dritte schwerer zugänglich (und für die meisten Beteiligten unverständlich).

ada - Heute das Morgen verstehen

Zum anderen laufen auch die Organisation und Kommunikation weitgehend über digitale Assistenten, Geräte und Verbindungen – und verschwinden aus dem sichtbaren Blickfeld. Das ist natürlich erfreulich, weil uns die Technologie vieles erleichtert und manches abnimmt. Es führt aber andererseits zur Anonymisierung, Entfremdung und Überforderung.

Nun wäre es utopisch, jedes technische Hilfsgerät bis ins Detail verstehen zu wollen. Es kann aber nicht schaden, sich mehr mit der Funktionsweise neuer Technologien zu beschäftigen und zumindest die Grundzüge zu verstehen. Gleichzeitig sollten wir uns die eigene Abhängigkeit zuweilen bewusst machen – und immer einen Plan B parat haben, falls die Technik mal schlapp macht.

Mehr: Daniel Rettig ist Redaktionsleiter der digitalen Bildungsplattform ada. Wenn auch Sie schon heute das Morgen verstehen wollen, schauen Sie doch mal vorbei: join-ada.com

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