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Digitale Revolution

#DigitalDictionary Deplatforming – Wenn soziale Netzwerke das Mikro abdrehen

Wer schon heute das Morgen verstehen will, muss die Sprache der Zukunft sprechen – und dafür gibt es ab sofort einmal pro Woche das digital dictionary unserer digitalen Bildungsplattform ada. In Folge 15: Deplatforming.
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Aktivist*innen der Nichtregierungsorganisation Campact bei einer Demo gegen Hate Speech im Netz. Quelle: dpa
Gegen Hass und Hetze

Aktivist*innen der Nichtregierungsorganisation Campact bei einer Demo gegen Hate Speech im Netz.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Große Internetplattformen gleichen einer Bar mit offener Bühne, auf der jede*r aufführen oder mitteilen darf, was er möchte. Und hier beginnt das Problem.

So eine offene Bühne ist immer ein Risiko. Wer das Mikro einmal in der Hand hält, kann dieses nicht nur dazu nutzen, neue Lieder, Bücher oder Produkte anzupreisen, sondern kann die Zuhörer*innen beleidigen, krude Verschwörungstheorien verbreiten oder rassistische Parolen brüllen.

Für solche Fälle haben die meisten Bars mit offener Bühne klare Regeln. Wer dagegen verstößt, fliegt raus. Immerhin haben die Barbetreiber*innen das Hausrecht auf ihrer Seite und dürfen bestimmen, wen sie bewirten und wen nicht.

Plattformen wie Youtube, Reddit, Facebook oder Twitter sind die digitale Version des Open-Mic-Prinzips. Mit der Registrierung bekommt jede*r ein virtuelles Mikro in die Hand gedrückt und kann loslegen – nur diesmal ohne Zeitbegrenzung und vor potenziell riesigem Publikum. 

Auch hier gilt das Hausrecht, sollte man meinen: Wer sich nicht an die klar definierten Regeln hält, wer rassistische, diskriminierende oder beleidigende Inhalte verbreitet, fliegt raus. Deplatforming heißt das in der Online-Welt und bezeichnet den Ausschluss einzelner Personen oder Gruppen von sozialen Netzwerken, Online-Dienstleistern oder Providern.

ada - Heute das Morgen verstehen

Das jüngste Beispiel ist der rechtsradikale Aktivist Martin Sellner, dessen Youtube-Kanal mit mehr als 100.000 Abonnenten wegen Verletzung der Community-Richtlinien vorübergehend gesperrt wurde. Bezahldienstleister wie Paypal hatten das Konto der Österreicher Identitären Bewegung, der Sellner angehört, bereits in der Vergangenheit gesperrt.

In den USA haben ähnliche Fälle zur Debatte geführt, ob Deplatforming ein legitimer Ausschluss nach Regelverstoß ist oder die Meinungsfreiheit einschränkt. Kritiker*innen befürchten außerdem, dass ein öffentlichkeitswirksamer Rauswurf den Hassprediger*innen im Netz nur zu noch mehr Aufmerksamkeit und Reichweite verhilft – insbesondere, wenn sie wie Martin Sellner nach kurzer Zeit wieder zur Plattform zugelassen werden.

Fakt ist: Deplatforming führt nicht dazu, dass die Hassprediger aufhören, ihre Botschaften zu verbreiten. Sie suchen sich einfach eine neue Bühne. Abseits der großen Plattformen entstehen immer wieder kleinere, radikalere Communities – etwa das mittlerweile eingestellte Forum 8chan, in dem die Attentäter von Christchurch und El Paso ihre Manifeste veröffentlichten, bevor sie Massenmorde begingen.

Bleibt die Frage, was der Gesellschaft größeren Schaden zufügt: Eine kleine Bühne mit maximal radikalem Publikum, das bei Hass und Hetze jubelt statt widerspricht? Oder ein Millionenpublikum, das Extremist*innen ungeahnte Reichweiten für ihre Ideen bietet, aber auch Gegenwind? Es ist legitim, das Mikro auf der Hauptbühne abzudrehen. Aber nur, wenn man genau hinsieht, was danach auf den Nebenbühnen passiert.

Mehr: Milena Merten ist Reporterin für die digitale Bildungsplattform ada. Wenn auch Sie schon heute das Morgen verstehen wollen, schauen Sie doch mal vorbei: join-ada.com

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1 Kommentar zu "#DigitalDictionary: Deplatforming – Wenn soziale Netzwerke das Mikro abdrehen"

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  • Fangt ihr jetzt an, uns diese bescheuerten Gender-Stzernchen aufzuzwingen, die den ganzen Textfluss kaputt machen, nur um eine sehr kleine, aber laute Gesellschaftsschicht zu bedienen? Was soll das?