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Digitale Revolution

#DigitalDictionary Proplifting: Tote Pflanzen leben länger

Wer schon heute das Morgen verstehen will, muss die Sprache der Zukunft sprechen. Dabei hilft einmal pro Woche das ada-digital dictionary. In Folge 14: Proplifting.
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Proplifter suchen auf dem Boden von Baumärkten oder Gartencentern nach heruntergefallenen Pflanzenstücken und nehmen sie mit nach Hause, um ihnen ein zweites Leben zu geben. Quelle: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH
Zimmerpflanzen

Proplifter suchen auf dem Boden von Baumärkten oder Gartencentern nach heruntergefallenen Pflanzenstücken und nehmen sie mit nach Hause, um ihnen ein zweites Leben zu geben.

(Foto: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH)

Düsseldorf Zweifelsohne hat das Internet nicht nur Gutes über die Menschheit gebracht. Doch es lässt sich nicht bestreiten, dass in Zeiten der globalen Vernetzung jeder noch so kleine Spleen Gleichgesinnte findet. Das ist manchmal beängstigend, manchmal, aber auch rührend. So wie im Falle einer Gemeinschaft, die auf dem Diskussionsportal Reddit inzwischen schon mehr als 55.000 Mitglieder hat.

Sie haben sich dem so genannten „Proplifting“ verschrieben. Das Wort ist abgeleitet vom englischen Begriff für Ladendiebstahl. Aber keine Sorge, die Mitglieder sind juristisch auf der sicheren Seite. Dafür ist ihr Hobby umso ungewöhnlicher.

„Proplifting” ist ein Kofferwort aus den englischen Wörtern „shoplifting“ (Klauen) und „propagating”, dem Fachbegriff für den Anbau neuer Pflanzen aus Saatgut oder Stecklingen. Und das geht so: Proplifter suchen auf dem Boden von Baumärkten oder Gartencentern nach heruntergefallenen Pflanzenstücken, bevorzugt von Sukkulenten. Dann nehmen sie die Blätter oder Sprossen mit nach Hause, in der Hoffnung, dass sie ihnen dort ein zweites Leben einhauchen – und ihre Erfolge und Niederlagen dokumentieren sie in der entsprechenden Online-Community.

Gegründet wurde die Gemeinschaft von einer 26-Jährigen namens Sarina, vermeldete kürzlich die US-Journalistin Eliza Brooke. Erwachsene Menschen berichten im Forum voller Begeisterung, wie sie die armen Blätter und Sprossen vor dem grausamen Schicksal des Besens oder Staubsaugers retteten. Ästhetisch anspruchsvoll sind die Aufnahmen nicht. Aber den Nutzern geht es auch nicht darum, die Realität wie bei Instagram mit Fotofiltern zu beschönigen. Vielmehr sind die Bilder Zeugnis eines fast schon übernatürlichen Aktes.

ada - Heute das Morgen verstehen

Eben noch dem sicheren Verschwinden im Mülleimer geweiht, sollen die kleinen Sprossen nun in der Obhut des sicheren Blumentöpfchens neue Wurzeln schlagen. Und nicht selten gelingt das den Nutzer*innen auch, wie sie mit Vorher-Nachher-Fotos beweisen.

Sind die Proplifter geistige Nachfahren der Guerillagärtner*innen, die heimlich Pflanzensamen auf öffentlichen Grünflächen verteilen? Mitnichten, Rebellentum ist der Gemeinschaft völlig fern. Vielmehr setzt sie ausdrücklich auf Pazifismus und Gesetzestreue. Proplifter legen Wert darauf, dass sie ausschließlich lose Stücke vom Boden aufheben – Abzupfen ist verpönt. Manche fragen die Mitarbeiter*innen im Gartencenter sogar vorher, ob sie die Pflanzenreste wirklich mitnehmen dürfen.

Sicher, man kann das lächerlich finden. Aber neben einem skurrilen Hobby beweist die Gemeinschaft vor allem eines: Längst nicht jedes anonyme Forum im Internet driftet irgendwann ab in persönliche Beschimpfungen und Verschwörungstheorien. Proplifter sind ausschließlich an der Sache interessiert. Wer weiter daran glauben will, dass das Internet auch gute Seiten hat, findet hier einen beruhigenden Beleg.

Mehr: Daniel Rettig ist Redaktionsleiter der digitalen Bildungsplattform ada. Wenn auch Sie schon heute das Morgen verstehen wollen, schauen Sie doch mal vorbei: join-ada.com

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