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Digitale Revolution

#DigitalDictionary Robocaller: Die Epidemie der Spam-Anrufe

Wer schon heute das Morgen verstehen will, muss die Sprache der Zukunft sprechen. Dabei hilft das digital dictionary unserer digitalen Bildungsplattform ada. Folge 30: die Robocaller.
03.02.2020 - 08:00 Uhr Kommentieren
Automatisierte Anrufe sollen die überrumpelten Opfer dazu bringen, bei einer bestimmten Nummer anzurufen oder gleich einen hohen Geldbetrag zu überweisen.
Unerwünschte Anrufe

Automatisierte Anrufe sollen die überrumpelten Opfer dazu bringen, bei einer bestimmten Nummer anzurufen oder gleich einen hohen Geldbetrag zu überweisen.

Düsseldorf Das Telefon klingelt. Am anderen Ende meldet sich strenge Stimme. Sie stellt sich als Finanzbeamter vor und weist darauf hin, dass Steuerhinterziehung strafbar sei. Der Angerufene solle gefälligst umgehend seine offenen Steuerschulden begleichen. Die Polizei sei bereits auf dem Weg.  

Ein solcher Anruf kann einen schon mal in Angst und Schrecken versetzen. Dahinter steckt aber nicht das Finanzamt, sondern eine Stimme vom Band, ein sogenannter Robocaller. Die automatisierten Anrufe sollen die überrumpelten Opfer dazu bringen, bei einer bestimmten Nummer anzurufen oder gleich einen hohen Geldbetrag zu überweisen.

Solche verbotenen Spam-Anrufe sind keine Seltenheit: Allein im Jahr 2018 wurden nach Schätzungen des „Global Robocall Radar Report“ weltweit 85 Milliarden Robocalls getätigt. Die Betrüger*innen kontaktieren gezielt ältere und für Betrug anfällige Menschen – etwa Migrant*innen mit schlechten Sprachkenntnissen, denen suggeriert wird, sie hätten ein Formular der Einwanderungsbehörde falsch ausgefüllt und stünden kurz vor der Abschiebung. Die Anrufer*innen verschleiern ihre Identität durch Fake-Nummern. Meist nutzen sie dafür eine Nummer mit der Ortsvorwahl des Opfers. 

In den USA hat das Problem betrügerischer Anrufe inzwischen solche Ausmaße angenommen, dass das Justizministerium dagegen vorgeht. Und zwar nicht nur gegen die Betrüger*innen selbst, sondern auch gegen die Unternehmen, die Robocalls ermöglichen.

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    Die Callcenter in Indien, von denen die meisten der Anrufe ausgehen, greifen nämlich auf sogenannte „Voice over Internet Protocol“-Systeme (VoIP) zurück, die Anrufe über das Internet statt über Telefonleitungen durchstellen. Und die Anbieter dieser VoIP-Systeme haben ihren Sitz oftmals in den USA.

    ada - Heute das Morgen verstehen

    Allein das US-Unternehmen TollFreeDeals.com soll 720 Millionen Robocalls durchgestellt haben – in einem Zeitraum von 23 Tagen. Das US-Justizministerium hat TollFreeDeals und eine Handvoll weiterer Unternehmen deshalb in der vergangenen Woche verklagt. 

    Während Robocalls in Deutschland noch vergleichsweise selten sind, gibt es in den USA längst Apps, die automatisch erkennen, ob es sich bei einem Anrufer um einen echten Menschen oder eine Maschine handelt. Die Software dürfte es aber zunehmend schwer haben, Trickbetrug zu erkennen. Denn dank künstlicher Intelligenz nutzen Robocaller längst nicht mehr nur Aufnahmen vom Band, sondern Bots, die immer realistischer klingen und auf Rückfragen passend reagieren können. Manche nutzen sogar Pausen und Verlegenheitslaute wie „Ähm“ oder „äh“, um echt zu wirken. 

    Im Internet wimmelt es inzwischen vor Tipps, wie sich ein Anrufer schnell als Bot identifizieren lässt. Bei Zweifeln solle man einfach unvermittelt anfangen, mitten im Gespräch zu flüstern oder zu singen und abwarten, wie der Anrufer darauf reagiert. Kreativ ist das allemal. Aber vermutlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Bot ins Lied mit einstimmen kann.

    Mehr: Milena Merten ist Reporterin für die digitale Bildungsplattform ada. Wenn auch Sie schon heute das Morgen verstehen wollen, schauen Sie doch mal vorbei: join-ada.com

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