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Digitale Revolution

Digitale Revolution Dating-Apps – So funktioniert das digitale Geschäft mit der Liebe

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KI soll Betrüger aufspüren

Damit das funktioniert, muss das Unternehmen die Vermittlungsplattform sauber halten. Mit einer selbstlernenden Software versucht Parship, Betrügern auf die Spur zu kommen und sie bereits im Vorfeld auszusortieren. Maschinelles Lernen erkennt Muster in deren Verhalten bei der Registrierung und schlägt Alarm. Aber es sind nicht nur Heiratsschwindler, sondern auch Werbefirmen, die getarnt als Partnersuchende die Mailadressen erfragen.

Wert legt die Parship Group auch auf das sichere Speichern der sensiblen Daten. In eigenen Rechenzentren in Berlin und Frankfurt stehen die Server des Unternehmens; eine Verlagerung in die Cloud lehnt Parship ab. „Wir haben gerne unsere Daten im Griff“, sagt Marc Schachtel, als Managing Director verantwortlich für Technologie. Datensicherheit ist beim Onlinedating ein sensibles Thema.

Das eigentliche Produkt im Onlinedating-Markt ist die Datenbank mit den richtigen Menschen, die zueinanderfinden wollen. „Da stecken wir viel rein, um das aufrechtzuerhalten“, sagt Parship-Manager Schachtel. Um diese Menschen zu finden, investieren die Firmen beispielsweise Millionen von Euro für Werbekampagnen. „Der Markt ist dynamisch und wächst sehr stark“, meint CEO Schiffers. Das lockt weitere Anbieter an.

Arne Kahlke, Mitgründer von Elite-Partner und in späteren Jahren auch Macher der „Alle elf Minuten ...“-Parship-Kampagne, hat vor drei Jahren eine neue digitale Partnervermittlung ins Leben gerufen: Lemonswan schreibt sich auf die Fahne, weibliche Türsteherinnen zu haben, die die Nutzer genau unter die Lupe nehmen. Das müsse man sich vorstellen wie in einem Club, sagt Kahlke. „Dadurch gewährleisten wir eine hohe Qualität der männlichen Mitglieder.“ Der Firmengründer will allerdings weder den Umsatz noch die Zahl der Mitarbeiter oder gar die Anzahl der Mitglieder der Partnervermittlung mit dem grünen Schwan als Logo verraten.

Früher fanden sich Paare meist über gemeinsame Freunde, heute ist das Chatten im Netz die häufigste Kennenlernform, berichten Forscher von der Stanford University. Ein Markt mit Zukunft. Nicht nur für Partnervermittlungen, sondern vor allem auch für Datingportale. Ein Markt, der sich allerdings nicht leicht monetarisieren lässt, wie Start-up-Gründer Kahlke findet.

Analysten schätzen, dass der weltweite Markt für Dating-Apps bis 2025 bei mehr als neun Milliarden Dollar liegen wird. „Es gibt ein großes Interesse an schnellen und oberflächlichen Kontakten“, meint Lemonswan-Chef Kahlke. Zugleich gebe es eine immer größer werdende Sehnsucht nach einer festen Partnerschaft. „Die Menschen haben heute immer mehr Probleme, sich zu binden.“

Getrieben werden die Plattformen von einem mächtigen Anbieter: der Dating-App Tinder, die zur amerikanischen Match Group gehört und weltweit 4,1 Millionen zahlende Nutzer zählt. Das 2012 gegründete Unternehmen hat das Wischen (neudeutsch: Swipen) nach rechts (für „gut“) und nach links („schlecht“) erfunden.

Wenn Parship-CEO Schiffers über Parship spricht, zieht er oft Vergleiche zu dem amerikanischen Herausforderer Tinder. Auch wenn das Interesse der Tinder-Nutzer an einer ernsten Beziehung nicht allzu hoch eingestuft wird, so gibt es doch Überschneidungen der Dienste. Vor allem der spielerische Ansatz des US-Anbieters sowie seine konsequente Ausrichtung auf Bilder zeigen Schiffers, wohin die Reise geht.

Instagram ist auch eine Art Dating-App

„Die Welt wird immer bilderlastiger. Da denken wir schon darüber nach, wie wir damit umgehen“, sagt Schiffers. Auch die Kommunikation auf den Plattformen von Parship und Elite-Partner hat sich verändert. Die Portale begannen einst mit einer Art E-Mail-System. „Heute ähneln sie eher Messaging-Systemen“, meint Technologiechef Schachtel.

Es sind die Zeichen der Zeit: Nicht nur Facebook mit seinen insgesamt 2,4 Milliarden Mitgliedern wird den Datingmarkt verändern. Auch andere Unternehmen sind hinzugekommen. So startete eine Tinder-Gründerin die Dating-App Bumble, bei der die Frauen die Initiative beim Kennenlernen ergreifen. In Frankreich wurde die Tinder-Alternative Once gegründet, die nur eine begrenzte Anzahl von Kontaktvorschlägen pro Tag zulässt und sich damit als „Slow-Dating-App“ versteht. Und als europäisches Pendant zu der amerikanischen App Bumble gilt wiederum Pickable.

Laut Ines Imdahl, Chefin des Marktforschungsinstituts Rheingold Salon, ist Facebook längst auf dem Datingmarkt präsent – und zwar inoffiziell mit seiner Bilder-Tochter Instagram. „Auf der Plattform geht es vorrangig um ‚Sehen und Gesehenwerden‘“, meint die Psychologin. Vor allem jüngere Nutzer würden das Portal bereits als Dating-App nutzen.

Gesellschaftlich hat die Digitalisierung der Liebe weitreichende Folgen. „Es findet eine Versachlichung der Liebe statt“, sagt Imdahl. Die Algorithmen sollen dafür sorgen, dass „Liebe ohne Herzschmerz“ geschieht. Ein Irrglaube, wie sie sagt.

In der Studie der Werbeagentur Havas heißt es: Mehr als ein Drittel der Befragten ist mehr am Empfang der Nachrichten interessiert als an einer wirklichen Begegnung mit einem Menschen. Haben sich die Online-Dater zu einer Partnerschaft durchgerungen, nage oft ein Restzweifel an ihnen. Die große Auswahl potenzieller Partner mache es auch schwieriger, sich auf „den einen“ festzulegen. Mehr als ein Drittel der Befragten geben zu, dass sie manchmal in einer Beziehung sind und sich fragen, ob da draußen nicht noch jemand Besseres wartet. Ewige Verabredung statt ewiger Liebe, heißt es dann. Längst haben sich Datingprofil-Optimierer wie Meredith Golden aus New York am Markt etabliert.

„Der Datingmarkt wird künftig immer spitzer“, glaubt Werberin Vanessa Kerkhoff, Managing Director von Havas Düsseldorf. Es kommen immer mehr Anbieter auf den Markt, die kleinste Zielgruppen ansteuern, von Fitnessfanatikern über Disney-Fans bis hin zu Cannabisrauchern. Der Elektronikkonzern Samsung hat sogar eine App gestartet, mit der Singles Partner anhand von Bildern ihres Kühlschrankinhalts auswählen.

Auch die Analyse der DNA könnte bald eine Rolle im Datingmarkt spielen. Laut der Havas-Studie ist ein Drittel der Befragten aufgeschlossen gegenüber DNA-Tests, wenn es um eine Vorauswahl der Kandidaten geht. Die US-Matchingplattform DNA Romance wertet solche Ergebnisse bereits aus und stellt geeignete Kandidaten einander vor. „Je mehr technologische Möglichkeiten es gibt, desto eher versuchen Menschen, sie auszuschöpfen, um ihr Liebesglück zu optimieren“, meint Werberin Kerkhoff. Die Entwicklung wird voranschreiten. Eine Haarprobe ersetzt dann bald den ersten tiefen Blick in die Augen des Gegenübers.

Mehr: Dating-Portale im Internet gaukeln den Nutzern eine Berechenbarkeit der Liebe ohne Drama vor, glaubt Psychologin Ines Imdahl. Die Verantwortung wird auf den Algorithmus abgewälzt.

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