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Digitale Revolution

Digitale Revolution Smartphone als Personalausweis – So soll die digitale Verwaltung gelingen

Die Digitalisierung der Verwaltung in Deutschland braucht nutzerfreundliche und sichere technische Lösungen. NRW und Thüringen gehen jetzt mit Pilotprojekten voran.
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Künftig könnten Verwaltungsdienstleistungen bequem per Smartphone abgerufen werden. Quelle: Taxi/Getty Images
Digitale Verwaltung

Künftig könnten Verwaltungsdienstleistungen bequem per Smartphone abgerufen werden.

(Foto: Taxi/Getty Images)

Berlin, Düsseldorf Deutsche Behörden hängen im Jahr 2019 immer noch im Papierzeitalter fest: Bund, Länder und Kommunen haben sich zwar mit dem „Onlinezugangsgesetz“ vor zwei Jahren das Ziel gesetzt, bis 2022 alle staatlichen Dienstleistungen digital anzubieten. Doch die Umsetzung verläuft schleppend. Der für den Bürokratieabbau zuständige Normenkontrollrat mahnte vergangene Woche, dass sich bei der Digitalisierung der Verwaltung ein „strukturelles Defizit“ aufgebaut habe.

Die Zeit drängt. Denn international fällt die Bundesrepublik immer weiter zurück. In einem EU-Ranking zur Verwaltungsdigitalisierung belegt Deutschland unter den 28 Mitgliedstaaten inzwischen nur noch Platz 24.

Als Reaktion darauf hat die Bundesregierung die digitale Aufholjagd im Bereich des E-Government ausgerufen: Behörden von Bund, Ländern und Gemeinden sollen künftig Bürgerdaten untereinander austauschen können, die Bundesregierung soll nur noch elektronisch kommunizieren, und der öffentliche Dienst soll für IT-Fachkräfte attraktiver werden.

Beim E-Government setzt die Politik auch auf Unterstützung aus der Privatwirtschaft: „Idee der Union ist es, dass der Staat auch die Kreativität und Innovationskraft beispielsweise von Start-ups oder etablierten Unternehmen nutzt, um seine Dienstleistungen und Angebote besser zu machen“, sagt Tankred Schipanski, digitalpolitischer Sprecher der CDU-Bundestagsfraktion.

Doch wie kann eine nutzerfreundliche digitale Verwaltung aussehen, die besonders sensible Daten der Bürger verlässlich schützt?

Grundvoraussetzung dafür ist eine sichere digitale Identität – und in diesem Bereich mischen zahlreiche Anbieter mit: Da ist zum einen der Dienstleister Governikus, der im Auftrag des Bundes die AusweisApp2 entwickelt hat und komplett der Stadt Bremen gehört. Oder das Darmstädter Cybersecurity-Start-up Authada mit seiner App Authada Ident. Beide bieten Lösungen zur Nutzung der Online-Ausweisfunktion des elektronischen Personalausweises (eID) an.

Mit der eID-Funktion können sich Bürger online ausweisen und Verwaltungsdienste abrufen. Im Ausweis ist ein sogenannter kontaktloser RFID-Chip integriert („Radio Frequency Identification“), der nach einer Pin-Eingabe mit einem externen Kartenlesegerät oder einem NFC-fähigen Smartphone per Nahfeldkommunikation ausgelesen werden kann. Die Funktion nutzen aber vergleichsweise wenige Bürger.

„Der Identity-Markt im E-Government-Bereich ist unübersichtlich“, sagt Rebekka Weiß, Leiterin des Bereichs Vertrauen und Sicherheit beim IT-Branchenverband Bitkom. Bislang habe sich kein einheitlicher Identifizierungsmechanismus durchgesetzt, vieles sei noch in der Diskussion.

Das hat auch damit zu tun, dass bei Verwaltungsdienstleistungen gemäß der eIDAS-Verordnung zwischen drei Vertrauensniveaus unterschieden wird („niedrig“, „substanziell“ und „hoch“) und somit verschiedene Identifizierungsverfahren erlaubt sind. Die eIDAS-Verordnung regelt die Identifizierung für die grenzüberschreitende Abwicklung von Verwaltungsdienstleistungen auf EU-Ebene.

Spezialisten unter sich

Zudem gestaltet sich eine Abgrenzung der Marktteilnehmer schwierig, da sich viele Anbieter auf bestimmte Anwendungsfälle spezialisiert haben und nicht nur miteinander konkurrieren, sondern auch kooperieren: So nutzt die Identitätsplattform Verimi für die erstmalige Verifizierung der Accounts sowohl das eID-Verfahren der AusweisApp2 des Bundes als auch das Video-Ident-Verfahren des Dienstleisters WebID.

Beim eID-Verfahren arbeitet der AusweisApp2-Entwickler Governikus mit der Bundesdruckerei zusammen, die wiederum als einer von 13 Gesellschaftern bei Verimi investiert ist. „Wir bündeln verschiedene bestehende Identifizierungsverfahren in einer Plattform, um den Nutzern viele Ausweismöglichkeiten zu bieten. Wenn wir diese jeweils einzeln entwickeln würden, würden wir zu viel Zeit verlieren“, sagt Verimi-Geschäftsführer Roland Adrian.

„Der Markt für digitale Identitäten entsteht gerade.“ Quelle: Miles & More
Roland Adrian

„Der Markt für digitale Identitäten entsteht gerade.“

(Foto: Miles & More)

Das 2017 gegründete Berliner Unternehmen mit namhaften Gesellschaftern wie der Deutschen Bank, Daimler oder Lufthansa im Rücken hat den Anspruch, zur branchenübergreifenden Plattform für die gesamte digitale Identität des Nutzers aufzusteigen.

„Vor allem regulierte Bereiche wie Banken, Versicherungen und E-Government sind für uns interessant, denn diese brauchen verifizierte Identitätsdaten für das Onboarding ihrer Kunden“, sagt Adrian. Man wolle aber nicht als reine Log-in-Allianz wahrgenommen werden.

Hauptsächlich gehe es darum, die Identität eines Nutzers einmalig zu bestätigen, um sie anschließend für alle möglichen Anwendungsfälle wiederzuverwenden, zum Beispiel bei der Eröffnung eines Bankkontos, beim Abschluss einer Versicherungsleistung oder beim E-Government. In diesem Zusammenhang spricht man auch von einer abgeleiteten Identität.

Verschiedene Log-in-Varianten gehören zum Gesamtpaket, wie zum Beispiel der Log-in via Handynummer (Mobile Connect) oder die Zwei-Faktor-Authentifizierung, die seit der Einführung der Zahlungsdienstrichtlinie der EU (PSD2) beim Onlinebanking und beim Einkaufen im Internet ohnehin gesetzlich verpflichtend geworden ist.

Regulatorische Hürden
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1 Kommentar zu "Digitale Revolution: Smartphone als Personalausweis – So soll die digitale Verwaltung gelingen"

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  • Warum kupfern wir nicht bei erfolgreich digialisierenden Ländern ab, zum Beispiel in Indien?
    Auch wenn es allen Datenschützern die Nackenhaare aufstellt, das Aadhaar-System (https://de.wikipedia.org/wiki/Aadhaar) läuft seit drei Jahren erfolgreich.

    Als ich noch IT-Standards entwickelte hieß es: "The nice thing about standards is there are so many to choose from". Die Quadratur des Kreises ist unmöglich: Wir können nicht darauf warten, dass sich unter Marktmechanismen ein Standard durchsetzt, "Identität" ist eine Infrastruktur, die der Staat vorgeben muss.

    Wir haben schließlich auch keine konkurrierenden Stromnetze mit verschiedenen Spannungen und Frequenzen oder verschiedene Schienennetze mit verschiedenen Spurweiten und hoffen dann darauf, dass sich am Markt eines der Netze durchsetzt.