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Digitale Revolution

Digitale Revolution Wie Japan den Rückstand auf Google beim autonomen Fahren wettmachen will

Die Google-Mutter Alphabet ist bei selbstfahrenden Autos der Konkurrenz weit enteilt. So versucht Japan, bei maschinenlesbaren 3D-Karten aufzuholen.
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Japans zehn Autohersteller sowie diverse Kartenunternehmen nehmen sich unter der Führung des Satelliten- und Technikkonzerns Mitsubishi Electric die Vermessung der Straßen vor. Quelle: Reuters
Nissan-Modell mit dem Fahrassistenten ProPilot

Japans zehn Autohersteller sowie diverse Kartenunternehmen nehmen sich unter der Führung des Satelliten- und Technikkonzerns Mitsubishi Electric die Vermessung der Straßen vor.

(Foto: Reuters)

Tokio Die meisten Ingenieure sind sich einig: Um autonomes Fahren massentauglich zu machen, sind hochauflösende, dreidimensionale Karten unerlässlich. Aus Sicht von Daimler ist die Technik sogar so wichtig, dass die Schwaben Here im Schulterschluss mit den Rivalen BMW und Volkswagen 2015 für 2,6 Milliarden Euro von Nokia gekauft haben.

Mit Here versucht die deutsche Autoindustrie Millionen von Fahrzeugen zu vernetzen und forciert den Angriff auf die Google-Mutter Alphabet. Das ist auch bitter nötig, denn der Tech-Gigant ist bei selbstfahrenden Autos weit enteilt.

Auch die Japan AG will Google beim Übergang zu autonomen Autos das Kartenmonopol abjagen. Und um das zu schaffen, starteten der Staat und die Privatwirtschaft eine konzertierte Aktion. Die Regierung installierte in den vergangenen Jahren ein eigenes Satellitennetz, um auch in den Hochhaus- und Bergschluchten des Landes eine zentimetergenaue Positionsbestimmung zu erlauben. Seit November 2018 arbeitet der Dienst.

Japans zehn Autohersteller sowie diverse Kartenunternehmen nahmen sich unter der technischen und finanziellen Führung des Satelliten- und Technikkonzerns Mitsubishi Electric die Vermessung der Straßen vor.

Im Juni 2016 gründeten sie zuerst das Konsortium Dynamic Map Platform (DMP), um gemeinsam die hochpräzisen 3D-Karten für autonome Autos zu erstellen. Die Vermessungstechnik lieferte dabei Mitsubishi Electric. 2017 wurde das Konsortium dann mit einer Kapitalspritze des halbstaatlichen Investmentfonds INCJ in ein richtiges Unternehmen umgewandelt, um zwei Vorhaben zu finanzieren.

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Das erste ist die Vermessung von 29.205 Straßenkilometern. Dabei handelt es sich vor allem um Autobahnen, auf denen Japans Autobauer zuerst autonomes Fahren einführen wollen. Diese Arbeit wurde im März 2019 abgeschlossen. Der erste kommerzielle Anwender ist Renault-Partner Nissan. Der hat Mitte Mai ankündigt, die Karten als Grundlage für seinen Fahrassistenten ProPilot 2.0 einzusetzen.

Zweitens soll DMP global expandieren. Anfang des Jahres schossen daher der INCJ 150 Millionen Euro sowie Mitsubishi Electric und die von Hitachi und der Megabank MUFG gegründete Japan Infrastructure Investment Company eine nicht genannte Summe nach. Mit dem Geld kaufte DMP dann das amerikanische Kartenstartup Ushr.

Der Kauf passe sehr gut zum eigentlichen Ziel, erklärte Mitsubishi-Electrics-Chef Takeshi Sugiyama damals. Die Schaffung eines globalen Kartenstandards für autonome Autos „ist ein sehr wichtiger Bestandteil unserer Strategie.“

Teile der entwickelten Technik exportiert Mitsubishi Electric auch bereits in die Welt. So hat der Konzern 2017 mit Bosch, Geo++ und u-blox die Sapcorda Services GmbH gegründet, die zentimetergenaue Satellitenortung nach Deutschland bringen will.

Doch dies ist nicht die einzige japanische Karteninitiative mit globalen Ambitionen. Toyotas mit 2,8 Milliarden Dollar kapitalisiertes Startup TRI-AD (Toyota Research Institute Advanced Development) will neben Künstlicher Intelligenz für autonome Autos auch eine smarte Open-Source-Plattform für Straßenkarten entwickeln, mit der Autohersteller die Karten durch die Kamera- und Sensordaten ihrer Autos selbst auf dem neuesten Stand halten können.

Ehrgeizige Ziele

Der zuständige Mann ist Mandali Khalesi, der früher für TomTom und Nokia Here in Asien gearbeitet hat. Er verfolgt ein ehrgeiziges Ziel: „Wir wollen automatische Kartenerstellung für alle ermöglichen, auch in Entwicklungsländern und auf dem Land.“

Noch mehr Schwung wird das Projekt durch den Aufbau von 5G-Netzen erhalten. Der Mobilnetzkonzern Softbank, der zum Universum des globalen Technikinvestors Softbank gehört, wird die zentimetergenaue Satellitenortung in weiten Teilen des Landes noch ausbauen. Damit wollen die Mobilfunker hochpräzise Positionierung auch dort anbieten, wo DMP niemals hinkommen wird: auf Feldern, Baustellen und in Fabriken.

Doch auch an Lösungen für die Straße arbeitet der Mobilnetzkonzern. Im Juni führte das Unternehmen auf einem 14 Kilometer langen Autobahnabschnitt in Japan vor, wie Lastwagen gekoppelt über das 5G-Netz automatisch in enger Kolonne fahren. Noch sitzt im ersten Lkw ein Fahrer. Aber wenn die rechtliche Lage es erlaubt, kann auch dieser ersetzt werden. Die Kartendaten für die Steuerung der Autos existieren bereits.

Zusätzlich gibt es diverse andere Initiativen, mit denen Japans Hersteller Google und anderen Wettbewerbern den Zugriff auf die Fahrdaten der Autos erschweren wollen. Toyota hat beispielsweise das Konsortium Automotive Grade Linux initiiert, das eine Art Betriebssystem inklusive Infotainment und digitalem Tacho für das Auto entwickeln soll. Kürzlich trat nach Daimler auch VW dem Projekt bei.

Ein anderes Projekt ist Monet Technologies, das mit einer gemeinsamen Kraftanstrengung die Grundlage für autonome Mobilitätsdienste in Japan errichten soll. 2018 wurde es von Softbank und Toyota gegründet. Toyota brachte neben Kapital seine Plattform für Mobilitätsdienste ein, die der Autobauer durch Kooperation mit den Mitfahrdiensten seines Partners Softbank wie Uber, Grab in Singapur und Didi Chuxing in China global ausrollen will.

Dieses Jahr investierten zudem Honda und Toyota-Nutzfahrzeughersteller Hino in das Start-up. Darüber hinaus hat das Quartett ein Konsortium gegründet, dem sich bereits 88 Unternehmen aus zehn Industrien angeschlossen haben. Darunter sind die Bahngesellschaft JR East und Coca-Cola.

Bleibt autonomes Fahren eine Utopie?

Mehr: Autonom fahrende Autos brauchen exakte Karten. Mit der Gemeinschaftsfirma Here – Daimler, BMW und Volkswagen sind beteiligt – will die deutsche Autoindustrie Google den Kampf ansagen.

Egal, ob es um Künstliche Intelligenz oder um Blockchain geht – die Geschwindigkeit, mit der neue Schlagwörter aus der digitalen Welt auf uns einprasseln, ist enorm. Doch was davon hat Substanz, was ist nur Hype? In unserer Multimedia-Rubrik „Digitale Revolution“ beleuchten Handelsblatt-Redakteure, wie Digitalisierung unsere Unternehmen, unsere Gesellschaft und unseren Alltag verändert. Jede Woche nehmen sich die Redakteure eines Schwerpunktthemas an. Die unterschiedlichen Aspekte werden in mehreren Beiträgen multimedial aufbereitet. Dabei kommen interaktive Grafiken, Videos oder Bildergalerien zum Einsatz.

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