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Digitale Revolution

Digitale Revolution Wo lernende Rettungsroboter an ethische Grenzen stoßen

Rettungskräfte können in Situationen geraten, in denen sie existenzielle Entscheidungen treffen müssen. „Trolley Dilemmata“ zeigen die Grenzen des Einsatzes von KI auf.
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Bei solchen Rettungseinsätzen könnten in Zukunft verstärkt lernende Roboter zum Einsatz kommen. Quelle: dpa
Feuerwehr sucht nach Vermissten

Bei solchen Rettungseinsätzen könnten in Zukunft verstärkt lernende Roboter zum Einsatz kommen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfOb bei Rettungseinsätzen oder bei der Erkundung von schwer zugänglichem Terrain – lernende Roboter werden Rettungskräfte künftig noch stärker in gefährlichen Umgebungen unterstützen können. Das geht aus dem Bericht der Arbeitsgruppe „Lebensfeindliche Umgebungen“ der Plattform „Lernende Systeme“ hervor, der an diesem Donnerstag veröffentlicht wird. Die Plattform wurde 2017 vom Bundesforschungsministerium gegründet.

Lernende Systeme könnten Rettungskräfte bei Terroranschlägen, Chemieunfällen, Großbränden und Naturkatastrophen in Zukunft noch stärker unterstützen, schützen und die Rettungsarbeiten beschleunigen, schreiben die Autoren des Berichts.

Doch wie weit sind wir noch vom ultimativen „Rettungsroboter“ entfernt, der menschliche Rettungskräfte in lebensbedrohlichen Gefahrensituationen ersetzt und ihnen lebensentscheidende Urteile abnimmt? Hauke Speth, Branddirektor der Stadt Dortmund und Mitglied der Arbeitsgruppe „Lebensfeindliche Umgebungen“ der Plattform „Lernende Systeme“, sieht solche Zukunftsszenarien skeptisch. Die Entwicklung von Rettungsrobotern stehe noch am Anfang. Vom unterstützenden Einsatz KI-gesteuerter Roboter in Gefahrenlagen aber ist er überzeugt.

„Wenn man sich ein bisschen von der Science-Fiction-Vision eines Roboters löst, der mehr oder weniger alles selbst kann und unkontrollierbar durch die Gegend läuft, dann wird klar, dass Roboter Einsatzlücken, die derzeit noch bestehen, schließen und Einsatzzeiten verkürzen können“, sagt Speth.

Er glaubt, dass Roboter und Mensch in Zukunft gemeinsam Menschenleben retten werden. Allerdings werde der Roboter bei Rettungseinsätzen immer auf den Menschen angewiesen sein. Denn bei solchen Einsätzen geht es auch um existenzielle Fragen.

Wenn beispielsweise ein Feuerwehrmann ein brennendes Gebäude betritt, dann muss er in kürzester Zeit abwägen, wen er als erstes rettet und ob er im Zweifel jemanden zurücklassen muss. Für solche „Trolley-Dilemmata“ müsse beim Einsatz von künstlich intelligenten Robotern ein formaler Rahmen gefunden werden, der technische, rechtliche und ethische Ebenen einbezieht, schreiben die Autoren des Berichts „Lernende Systeme in lebensfeindlichen Umgebungen“.

Speth glaubt, dass die KI von Rettungsrobotern an dieser Stelle an ihre Grenzen stößt. „Es gibt gewisse Entscheidungen, die nie von einer Maschine getroffen werden können“, sagt er. „Es müsste jede einzelne Situation mit allen erdenklichen Einflussmöglichkeiten abgebildet werden. Deswegen glaube ich nicht, dass die Frage, wer als erstes gerettet werden soll, durch einen Algorithmus abgebildet werden kann.“

Schwierig gestaltet sich auch die Beantwortung der Frage nach der Verantwortung: Wer ist Schuld, wenn Rettungsrobotern Fehler unterlaufen und Menschen deswegen sterben? Es werde auch in Zukunft immer der Mensch sein, der die endgültige Entscheidung trifft, glaubt Speth. Dazu sei es nötig, dass er auch bei selbstlernenden Systemen und Robotern jederzeit eingreifen könne.

Statt der komplett autonomen Rettungsroboter werde die Entwicklung laut Speth deswegen auf ein kooperatives System zwischen Mensch und Maschine hinauslaufen. Autonom fliegende Drohnen erstellen bereits heute Lagebilder von Einsatzorten deutlich schneller als Menschen. Auch werden lernende Roboter in Zukunft noch stärker in schwer zugänglichen Gebieten zum Einsatz kommen, zum Beispiel nach Unfällen mit radioaktiver Strahlung oder Giftstoffen. Sie werden nach Erdbeben vermehrt in instabilen Gebäuden oder Trümmern nach Überlebenden suchen, ohne dass eine Rettungskraft ihr Leben aufs Spiel setzen muss.

Dennoch werden es auch in Zukunft Menschen sein, die diese Robotereinsätze überwachen werden, um im Falle von „Trolley-Dilemmata“ schnell eingreifen zu können.

Mehr: Mit der Digitalisierung steigt die Nachfrage nach moralbegabten Algorithmen. Unternehmen müssen verhindern, dass sich ihre Systeme im Ton vergreifen oder Menschen schädigen.

Egal, ob es um Künstliche Intelligenz oder um Blockchain geht – die Geschwindigkeit, mit der neue Schlagwörter aus der digitalen Welt auf uns einprasseln, ist enorm. Doch was davon hat Substanz, was ist nur Hype? In unserer neuen Multimedia-Rubrik „Digitale Revolution“ beleuchten Handelsblatt-Redakteure, wie Digitalisierung unsere Unternehmen, unsere Gesellschaft und unseren Alltag verändert. Jede Woche nehmen sich die Redakteure eines Schwerpunktthemas an. Die unterschiedlichen Aspekte werden in mehreren Beiträgen multimedial aufbereitet. Dabei kommen interaktive Grafiken, Videos oder Bildergalerien zum Einsatz.

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