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Digitale Revolution

Direktor des McKinsey Global Institute Jacques Bughin im Interview: „Wir erleben eine Balkanisierung des Internets“

Der Ökonom glaubt, dass erst ein Viertel des digitalen Potenzials in der Wirtschaft ausgeschöpft ist. Außerdem sieht Bughin eine Aufspaltung des Internets.
07.08.2019 - 03:53 Uhr Kommentieren
Länder wie China und Russland haben ihr eigenes Internet, das nach ihren eigenen Regeln funktioniert. Quelle: AFP
Internet-Konferenz in China

Länder wie China und Russland haben ihr eigenes Internet, das nach ihren eigenen Regeln funktioniert.

(Foto: AFP)

Brüssel gilt nicht gerade als die Hauptstadt der digitalen Revolution. Der gebürtige Belgier Jacques Bughin glaubt aber, gerade dort viele wichtige Trends der Tech-Branche aufzuspüren.

Herr Bughin, wie weit sind wir mit der Digitalisierung nach 25 Jahren E-Commerce gekommen?
Die Digitalisierung hat eine enorme Dynamik, und es dauert manchmal lange, um die ganzen Veränderungen zu verdauen. Diese Anpassungszeit kann in verschiedenen Bereichen von Wirtschaft und Gesellschaft sehr unterschiedlich sein.

Wie viel des Potenzials der neuen Technologien haben wir schon ausgeschöpft?
Wenn wir die Digitalisierung in der Informations- und Kommunikationsbranche (ICT) als Gradmesser nehmen, dann haben die anderen Sektoren der Wirtschaft vielleicht 20 bis 25 Prozent ihres Potenzials ausgeschöpft. Das ist nicht viel. Es dauert lange, bis neue Technologien vollständig absorbiert werden.

Das Internet startete als globales World Wide Web. Jetzt befürchten viele ein „Splinternet“, also die Aufspaltung des Internets in zwei von China und den USA dominierte Technosphären.
Anfangs gab es die Hoffnung, dass alle im gleichen Maß von den neuen Technologien profitieren würden. Tatsächlich erleben wir aber eine Balkanisierung des Internets. Länder wie China und zuvor Russland haben ihr eigenes Internet, das nach ihren eigenen Regeln funktioniert.

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    „Globale Plattformen sind nicht grundsätzlich schlecht.“
    Jacques Bughin

    „Globale Plattformen sind nicht grundsätzlich schlecht.“

    Ist das gut oder schlecht?
    Für viele Technologien wurde versucht, so etwas wie einen globalen Standard aufzustellen. Das ist jedoch auch aus politischen Gründen nicht immer möglich. Denken Sie an den Mobilfunk, auch dort gab es unterschiedliche Standards, und das europäische GSM hat sich erst sehr spät in den USA durchgesetzt. Unterschiedliche Standards befördern auch den Wettbewerb. Der Traum von einem einheitlichen, globalen Internet ist schon deshalb schwer zu realisieren, weil das Wertesystem in verschiedenen Weltregionen sehr unterschiedlich ist. Gesichtserkennung wird in China akzeptiert, in Europa sieht man sie dagegen sehr kritisch.

    Das Internet wollte die soziale Ungleichheit verringern. Heute beherrschen große Internetplattformen wie Google und Facebook das Netz.
    Globale Plattformen sind nicht grundsätzlich schlecht. Im Gegenteil: Sie erfüllen oft wichtige Funktionen als Marktbereiter. So hat das Bezahlungssystem von Alibaba den Onlinehandel in China und aus China heraus erleichtert. Viele mittelgroße chinesische Exporteure sind darauf angewiesen. Das ist ein Riesenunterschied zu Amazon, das nicht nur in den USA den Onlinehandel dominiert.

    Hat die digitale Ungleichheit nicht dennoch zugenommen?
    Mobile Plattformen haben dazu beigetragen, dass in Afrika Frauen stärker am Geschäftsleben teilnehmen können. Ebay hat in den USA dabei geholfen, dass Menschen aus sozialen Schichten, die sonst keine Chance auf einen Marktzugang hätten, jetzt online Geschäfte machen können. Das hat die Chancengleichheit sicherlich verbessert. Anders ist es bei sozialen Medien wie Facebook. Hier schaut die große Masse auf die Kommentare von wenigen, teilt sie und verstärkt deren Wirkung enorm. Die Idee eines wirklichen Meinungsaustauschs auf Augenhöhe hat sich hier nicht durchgesetzt. Das liegt jedoch mehr am Verhalten der Nutzer als an der Technologie.

    Was ist der nächste große Technologiesprung, der uns über KI und 5G hinausbringt?
    Ich sehe drei große Trends: Edge-Computing, HPC (High Performance Computing) und einen Schub in Virtual Reality, zum Beispiel bei der Stadtentwicklung oder der Erforschung des menschlichen Körpers. Edge-Computing und HPC sind Werkzeuge, die in der Lage sind, die immer größer werdenden Datenmengen zu verarbeiten.

    Herr Bughin, vielen Dank für das Interview.

    Mehr: Nach einem Vierteljahrhundert ist der digitale Handel im Internet aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Seine Vorteile sind jedoch sehr ungleich verteilt.

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