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Fraport-Manager Pierre Dominique Prümm „Wir planen noch in diesem Jahr Testflüge mit Frachtdrohnen“

Das künftige Fraport-Vorstandsmitglied sieht viel Potenzial in der Kooperation mit dem Flugtaxi-Startup Volocopter. In Frankfurt sollen Testflüge stattfinden.
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„Wir sind stolz darauf, dass wir der erste Flughafenbetreiber sind, der eine solche Kooperation mit einem Flugtaxi-Startup hat.“ Quelle: dpa
Pierre Dominique Prümm zur Zusammenarbeit mit Volocopter

„Wir sind stolz darauf, dass wir der erste Flughafenbetreiber sind, der eine solche Kooperation mit einem Flugtaxi-Startup hat.“

(Foto: dpa)

Am 1. Juli übernimmt Pierre Dominique Prümm im Vorstand des Flughafenbetreibers Fraport AG die Verantwortung für die Bereiche Flughafenbetrieb und Infrastruktur. Eine seiner Aufgabe in dieser Funktion ist das Thema Flugtaxen. Gemeinsam mit dem deutschen Startup Volocopter will Fraport die Chancen ausloten, die die neuen Flugvehikel bieten.

Für Prümm sind Flugtaxis ein Hype mit Substanz, denn die Menschen würden merken, dass die existierenden Verkehrsträger an ihre Grenzen stoßen. Deshalb sieht er viel Potenzial. Fraport will sich darum als Betreiber von Bahnhöfen für Flugtaxen etablieren. Als Infrastruktur-Dienstleister mit viel Erfahrung etwa bei den notwendigen Bodenprozessen vor und nach einem Flug habe Fraport gute Chancen, meint Prümm – auch im Ausland.

Lesen Sie das komplette Interview:

Herr Prümm, Fraport kooperiert mit dem Bruchsaler Flugtaxi-Startup Volocopter. Was genau haben Sie vor?
Wir sehen, dass sich Mobilität in den nächsten Jahren sehr verändern wird. Es kommen neue Anbieter und neue Formen der Mobilität hinzu. Flughäfen waren immer schon ein Punkt, an dem verschiedene Verkehrsträger zusammenkommen. Deshalb meinen wir, dass Passagierdrohnen oder Flugtaxen für kurze Flüge dazugehören werden, sofern sie sich am Markt durchsetzen. Und wir sind stolz darauf, dass wir der erste Flughafenbetreiber sind, der eine solche Kooperation mit einem Flugtaxi-Startup hat.

Werden sich Flugtaxen denn durchsetzen? Ist da nicht gerade ein gewaltiger Hype im Markt?
Es gibt einen gewissen Hype, aber der hat Substanz. Es gibt ein Interesse und eine Nachfrage. Und die wird getrieben durch die Erkenntnis, dass alle unsere bestehenden Verkehrsträger zunehmend an ihre Grenzen kommen. Wir sehen deshalb in Flugtaxen mittelfristig ein großes Potenzial.

Wie wollen Sie dieses Potenzial mit Volocopter heben?
Fraport kann hier eine große Expertise einbringen. Volocopter konzentriert sich auf die Technik, die Buchung und die Abrechnung des Fluges. Aber zu jedem Flug gehören Bodenprozesse. Hier haben wir als Infrastruktur-Dienstleister sehr viel Erfahrung, die Volocopter oder auch anderen Flugtaxi-Unternehmen fehlen.

Sind diese Bodenprozesse denn wirklich so wichtig?
Oh ja. Die werden regelmäßig unterschätzt. Bei Drohnen sind diese Prozesse vielleicht sogar noch komplexer als beim Flugzeug. Hier müssen die Batterien aufgeladen oder ausgetauscht werden. Dazu kommen Themen wie Sicherheitskontrollen oder die Reinigung. Das ist alles andere als trivial und mitentscheidend für das Gesamtprodukt Flugtaxi.

Geht es nur um die Bodenprozesse oder insgesamt um die notwendige Infrastruktur am Boden.
Genau um die Infrastruktur geht es, die Prozesse, die Abwicklung und damit natürlich um die übergeordnete Frage, wie so ein „Flughafen“ oder „Bahnhof“ für Flugtaxen ausgestaltet werden muss.

Fraport als Betreiber von Flughäfen für Flugtaxen, ist das die Idee?
Wenn Sie so wollen – Ja.

Wie weit sind Sie mit der Umsetzung dieser Idee?
Wir haben Anfang des Jahres die Zusammenarbeit mit Volocopter begonnen. Ein Ziel sind prototypische Flüge in Deutschland, auch hier in Frankfurt, um herauszufinden, was die Herausforderungen und was die Chancen sind. Der andere Teil ist eher strategisch-konzeptionell. Dabei geht es um die Frage, wie die Prozesse an so einem Flugtaxi-Bahnhof oder Volo-Port aussehen müssen. Sie sehen, die Kooperation mit Volocopter ist ein wenig so wie die Zusammenarbeit von Airlines und Flughäfen.

Wann sollen die ersten Testflüge stattfinden?
Schon relativ bald. Wir planen noch in diesem Jahr Flüge hier in Frankfurt mit Fracht, etwa mit Blutkonserven auf der letzten Meile vom Flugzeug zum Einsatzort. Und wir planen Flüge mit Volocopter und einem Piloten. Das wird nicht sofort sein, aber auch keine fünf Jahre mehr dauern. Klar ist aber: Wir sind noch weit entfernt von völlig autonomen Flügen mit Passagieren an Bord. Es ist ja zum Beispiel nicht geklärt, wie die Flugtaxen regulatorisch einsortiert werden. Sind es Flugzeuge, sind es Helikopter oder muss eine ganz neue Klasse geschaffen werden? Auch hier unterstützen wir Volocopter mit unseren Kontakten zu den Behörden.

Behörden sind ein gutes Stichwort. Die Regulierung dürfte eine der größten Herausforderungen für den kommerziellen Einsatz von Passagierdrohnen sein. Sind bei Ihrem Projekt auch Institutionen wie die Deutsche Flugsicherung im Boot?
Wir müssen diese Partner alle einbinden, schon um die Testflüge hier in Frankfurt genehmigen zu lassen. Wir arbeiten zum Beispiel eng mit der Deutschen Flugsicherung zusammen. Übrigens: Dass die Behörden bei der Genehmigung von Flugtaxen sehr genau hinschauen, ist absolut richtig. Denn Sicherheit hat im Luftverkehr immer oberste Priorität.

Wie wollen Sie denn die Drohnen hier am Frankfurter Flughafen integrieren? Der ist doch eh schon eng.
Da stimmt, wir haben hier in Frankfurt einen der dichtesten Lufträume. Das ist eine Herausforderung, die wir lösen müssen und wollen – gemeinsam mit der Flugsicherung. Es gibt noch ein anderes Problem. Drohnenflüge etwa in die Stadt, die in der Nähe unserer Terminals starten, müssten die Nordwestbahn kreuzen. Auch hierfür müssen wir eine Lösung finden. Zwar haben wir auch Flächen nördlich der Nordwest-Bahn. Aber das ist so weit vom Terminal weg, dass der Vorteil des Flugtaxis verloren gehen würde. 

Flüge in die Innenstadt von Frankfurt – ist das wirklich ein sinnvolles Szenario? Jede S-Bahn ist doch effizienter.
Das ist natürlich richtig. Zudem werden Flugtaxen zu Beginn sehr teuer sein. Dennoch glauben wir, dass es eine Klientel gibt, die bereit ist, dafür Geld zu bezahlen.

Das Flugtaxi als VIP-Shuttle?
Zu Beginn wird das Flugtaxi ein Nischenprodukt sein. Aber man will sich heute nicht mehr auf ein Verkehrsmittel festlegen, man will die Auswahl. Gut möglich, dass Flugtaxen in Zukunft auch zu dieser Auswahl gehören. Der Mix wird in Zukunft entscheidend sein.

Sprechen Sie denn mit der Stadt Frankfurt? Die Flugtaxen müssen ja dort auch irgendwo wieder herunterkommen.
Ja, aber hier stehen wir ganz am Anfang. Das ist eine sehr spannende Diskussion. Die beginnt mit der regulatorischen Frage, wer überhaupt so einen Volo-Port bauenund betreiben darf. Und es geht bis zur Frage der gesellschaftlichen Akzeptanz. Wenn überall solche Flugtaxen in einer Stadt fliegen und damit auch ein gewisser Lärm entsteht, wird das dann auch reguliert? Auch Sicherheitsthemen spielen eine Rolle, etwa das Risiko von Terrorangriffen mit Flugtaxen.

Bei all diesen Hürden, lohnt ihr Engagement überhaupt?
Auf jeden Fall. Wir sehen ein großes Potenzial und wollen daran partizipieren. Wir halten es für wichtig, das Thema Passagierdrohnen mit zu entwickeln und zu begleiten. Auch wenn natürlich keiner weiß, ob diese Vehikel jemals abheben werden. Unser Vorteil als Fraport ist zudem, dass die Flugtaxen ja nicht zwingend in Deutschland abheben müssen.

Sie spielen aufs Ausland an?
Das Potenzial von Flugtaxen sehen wir auch jenseits von Frankfurt. Wir haben viel Erfahrung im Ausland, wir können also auch den Betrieb von Flugtaxi-Bahnhöfen ins Ausland exportieren. Und ohne Infrastruktur ist ein Verkehr mit Flugtaxen nun einmal nicht möglich. Das zeigt, an welch zentraler Stelle wir als Flughafenbetreiber angesiedelt sind, wenn Flugtaxen marktreif werden sollten.Gewinner werden in jedem Fall die sein, die Kundendaten besitzen und Mobilitätsplattformen anbieten, sowie diejenigen, die die Infrastruktur haben. Denn die wird an einem Ort jeweils immer nur einmal gebaut.

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