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Digitale Revolution

Handelsblatt KI Summit „Keiner will seine Daten rausrücken“ – Warum viele KI-Projekte scheitern

Künstliche Intelligenz ist ein Versprechen. Doch viele Firmen tun sich schwer, die nötigen Daten zu sammeln – ohne Strategie geht das nicht.
23.09.2020 - 20:32 Uhr Kommentieren
Künstliche Intelligenz braucht Daten – doch die sind nicht so einfach zu bekommen. Quelle: dpa
Roboter und Mensch Hand in Hand

Künstliche Intelligenz braucht Daten – doch die sind nicht so einfach zu bekommen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Mal klemmen Türen, mal fällt das Getriebe aus, mal läuft die Klimaanlage nicht. Wenn die Technik streikt, kommt es bei der Bahn zu Verspätungen und Ausfällen – und die Fahrgäste beschweren sich. Diese Probleme will Siemens in neuen Modellen weitgehend verhindern: Der Zughersteller stattet die Fahrzeuge mit Sensoren aus, die zahlreiche Komponenten permanent überwachen, und prognostiziert mit Algorithmen Schäden. So kommen die Waggons rechtzeitig in die Werkstatt.

Die vorausschauende Wartung zeigt, wie Siemens mit Künstlicher Intelligenz Produkte besser macht. Der Dax-Konzern nutzt die Technologie auch, um die Emissionen seiner Gasturbinen zu senken oder Gebäudetechnik effizienter zu machen. Michael May, der im Unternehmen die Kerntechnologien verantwortet, ist trotzdem noch nicht zufrieden. An Ideen mangelt es zwar nicht, aber Daten, um diese umzusetzen. Deswegen, so der Manager, entwickle der Konzern derzeit eine Datenstrategie.

Es ist ein Thema, das viele Unternehmen umtreibt: Algorithmen mit Künstlicher Intelligenz können nur so gut sein wie die Daten, die für ihre Entwicklung genutzt werden. Daran hapert es jedoch oft, wie am Mittwoch auf dem „KI Summit“ deutlich wurde, den das Handelsblatt digital veranstaltete.

Jedes Jahr entstehen zwar unvorstellbare Informationsmengen, doch oft gelangen die Entwickler nicht an die relevanten Daten oder müssen diese aufwendig aufbereiten. Dafür benötige eine Organisation einen gewissen „Reifegrad“, betonte Siemens-Manager May.

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    Wie Siemens haben viele Unternehmen Künstliche Intelligenz als eine Querschnittstechnologie erkannt, die in allen Geschäftsbereichen neue Produkte, effiziente Prozesse und bessere Entscheidungen verspricht. Die Investitionen werden sich nach Einschätzung des Marktforschers IDC von diesem Jahr bis 2024 auf 110 Milliarden Dollar weltweit verdoppeln. Die Anwendungen sind schier unendlich, vom Kundenservice mit Chatbots über die Qualitätskontrolle in der Fabrik bis zum Autopiloten für die Autobahn.

    Dafür braucht es Sprachaufnahmen, Maschinendaten oder Videos und Radarbilder von der Straße. Die Folge: 94 Prozent der Firmen in Deutschland, die sich mit KI beschäftigen, erwarten für die Zukunft einen steigenden Bedarf an Daten, wie eine Umfrage des IT-Verbands Bitkom zeigt.

    Bei Mittelständlern mangelt es an digitaler Infrastruktur

    Damit ist es indes nicht getan, wie Christoph Peylo berichtete, der bei Bosch das „Center for Artificial Intelligence“ leitet: „Die Sammlung und Aufbereitung der Daten macht 80 Prozent der Arbeit aus – das ist der Hauptaufwand.“ Mehr noch: Davon hängt ab, ob Projekte gelingen oder scheitern. „Es gibt interessante Fragestellungen, die wir nicht angehen konnten, weil es keine Trainingsdaten gab oder die Datenlage nicht gut war.“

    Bosch hat inzwischen viele Erfahrungen mit Künstlicher Intelligenz gesammelt – damit die Technologie im gesamten Konzern zum Einsatz kommt, hat das Management die Grundlagenforschung mit Produkteinheiten verknüpft und eigens 250 Führungskräfte über die Potenziale geschult. Inzwischen, so Peylo, sei allen klar: „Man muss erst herausfinden: Hat man Zugriff auf die Daten, sind die verfügbar, liegen sie in einer entsprechenden Qualität vor?“

    Das ist indes nicht so trivial. Gerade bei Mittelständlern mangele es an einer digitalen Infrastruktur, um Daten zu sammeln, berichtete Jörg Bienert, Partner bei der Beratung Alexander Thamm und Vorsitzender des KI-Bundesverbands: „Da rächen sich die Versäumnisse der letzten Jahre und Jahrzehnte.“ Daher brauche es staatliche Unterstützung.

    Neben der Technik ist die Unternehmenskultur zentral. Es gebe häufig ein „Silodenken“, sagte Siemens-Manager May: „Keiner will seine Daten rausrücken“ – was bereichsübergreifende Projekte erschwert. Um ein Bewusstsein zu schaffen, veranstaltet der Konzern jedes Jahr eine interne Konferenz über Künstliche Intelligenz. „Es hilft schon, das Thema dort immer wieder zu platzieren.“

    Gesetz für Datennutzung ist in Arbeit

    Auch die Politik sieht Daten als zentrale Ressource für Künstliche Intelligenz. Da Unternehmen und Forschungseinrichtungen über ganz Europa verteilt sind, brauche es ein digitales Ökosystem, „damit etwas Großes erwachsen kann“, sagte Marco-Alexander Breit, Referatsleiter für Digitalpolitik im Bundeswirtschaftsministerium.

    Der Staat könne die Zusammenarbeit fördern – mit der Initiative Gaia X, die eine digitale europäische Infrastruktur schaffen soll, mit einem klaren Reglement dafür, „was in den Datenräumen geht und was nicht“, aber auch mit einem Gesetz für die Veröffentlichung von Verwaltungsdaten.

    Gerade „Open Data“ birgt Potenzial für innovative Anwendungen wie Apps für Mobilität oder Wettervorhersagen. Daran hapert es noch. „Wir arbeiten an einem Datennutzungsgesetz, von dem Sie in den nächsten Monaten hören werden“, versprach Breit.

    Auch die Gesetzgebung beschäftigt die Wirtschaft, besonders der Datenschutz. Es gebe gerade bei der EU Bestrebungen, Künstliche Intelligenz streng zu reglementieren, warnte Bienert – und ermunterte Breit, über „Regulatory Sandboxes“ Ausnahmeregelungen zu schaffen.

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