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Digitale Revolution

Hu Huazhi Chinas Mr. Flugtaxi will in die Massenproduktion einsteigen

Hu Huazhi will mit seiner „Ehang 216“ die Zukunft der Mobilität einläuten. In China konnte er DHL als Partner für unbemannte Lieferungen gewinnen.
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Der Gründer will mit EHang hoch hinaus in globalen Megacitys. Quelle: Bloomberg
Hu Huazhi

Der Gründer will mit EHang hoch hinaus in globalen Megacitys.

(Foto: Bloomberg)

Wien Am Anfang stand der Tod von zwei Freunden. Sie seien bei Flugzeugabstürzen ums Leben gekommen, erinnert sich Hu Huazhi. Das habe ihn dazu bewogen, etwas grundsätzlich anders machen zu wollen. „Ich will, dass jeder Mensch so frei und sicher wie ein Vogel fliegen kann“, sagt Hu.

Mit einem schwarzen Pullover steht er auf einer Bühne in Wien. In Österreich wirbt er für seine Idee, mit der er die Fortbewegung in Großstädten verändern will. Während er das sagt, breitet er seine Arme aus – ganz so, als hätte er Flügel und könnte im nächsten Moment abheben. Aber noch braucht er ein Hilfsmittel, um vom Boden gen Himmel starten zu können. „Ehang 216“ ist der Name der Maschine, die die Zukunft der Mobilität einläuten soll.

Das Gerät sieht aus wie ein Golfauto mit acht Armen und 16 Propellern. Hinter einer Frontscheibe sind zwei Sitzplätze. Angetrieben wird das Gefährt mit Strom. Bis zu 75 Kilometer Reichweite bei einer maximalen Geschwindigkeit von 150 Kilometer pro Stunde verspricht Hu. Im Inneren der Maschine gibt es keinen Steuerungsknüppel oder Schalter. Dafür schauen Passagiere auf zwei Monitore.

„Der Computer soll das Fliegen sicher machen“, sagt Hu. Seine Vision ist, ein Fortbewegungsmittel zu kreieren, mit dem man zu hundert Prozent sicher durch die Lüfte schweben kann. „Sie bestimmen nur den Zielort. Der Autopilot erledigt den Rest“, sagt Hu. Er pendle bereits zwischen seiner Wohnung und dem Büro im südchinesischen Guangzhou mit dem Fluggerät.

Hu ist ein Tüftler. Der 43-Jährige hat an der renommierten Tsinghua-Universität in Peking Informatik studiert. Über Jahre entwickelte er Lösungen für Cloud-Dienste, Videosteuerung und intelligente Stadtplanung. Das Fliegen war lange Zeit sein Hobby. Doch dann wollte er seine private Begeisterung mit technologischem Fachwissen verknüpfen. 2014 gründete er EHang mit Freunden zusammen. Heute ist er CEO und Präsident des Unternehmens.

Ein Flugtaxi aus China soll in Österreich durchstarten

Schon zwei Jahre nach Gründung der Firma präsentierte Hu die erste Version seines Flugtaxis. Wenig später gab er Pläne bekannt, noch im Sommer des Jahres 2017 einen regelmäßigen Dienst von Flugtaxis in Dubai anbieten zu wollen. Die lokale Verkehrsbehörde wurde als Partner präsentiert. Doch bis heute ist wenig passiert.

Auf die Frage nach dem Projekt in Dubai überlegt Hu einen kurzen Moment, dann sagt er: „Es fehlen noch die nötigen Genehmigungen.“ Die Chancen für das Projekt hätten sich anfangs besser angehört, doch dann habe sich das Verfahren verzögert. Immerhin: Testflüge soll es schon geben.

Große Absatzchancen in den Megametropolen

Zu seinen Geldgebern zählen chinesische Fonds wie GP Capital, auch über einen Börsengang in diesem Jahr wird spekuliert. Das Jahr 2019 will Hu zum Wendepunkt für seine Firma machen: Nicht Dubai, sondern Wien soll EHang zum Erfolg verhelfen. Denn in Österreich hat Hu einen Partner gefunden, der die Geräte massentauglich herstellen soll: der Flugzeugzulieferer FACC. Auf der Digitalmesse 4Gamechangers in Wien wurde die Kooperation präsentiert.

„Wir sind überzeugt, dass großes Potenzial in dem Markt steckt“, sagt FACC-Chef Robert Machtlinger. Sein Unternehmen bringe die Fachkompetenz mit, um die Prototypen von EHang in eine Fertigung großer Stückzahlen überführen zu können. Bis zum Jahresende 2019 peilen die Partner an, etwa 150 Flugdrohnen zu produzieren.

Die größten Absatzchancen für die Geräte dürften aber nicht in Europa liegen, sondern eher in asiatischen Megametropolen mit zehn oder zwanzig Millionen Einwohnern. „Dort können Flugtaxis kurze Reisezeiten garantieren“, erklärt Machtlinger.

Für den FACC-CEO ist die Zusammenarbeit mit einem chinesischen Partner nicht neu. Der Haupteigentümer hinter dem in Wien börsennotierten Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 781 Millionen Euro ist der chinesische Staatskonzern AVIC.

Das Unternehmen aus Peking spielt eine Schlüsselrolle dabei, eigene Kompetenzen für die Produktion von Flugzeugen in China aufzubauen. Peking will sich langfristig von Airbus und Boeing unabhängig machen. EHang würde das Portfolio ergänzen. Wenn es denn gelingt, die Geräte wirklich massentauglich zu fertigen.

Die Lieferung aus der Luft spart Energie und Kosten. Quelle: DHL
DHL-Drohne mit Basisstation

Die Lieferung aus der Luft spart Energie und Kosten.

(Foto: DHL)

Norbert Hofer, bis vor Kurzem noch Österreichs Verkehrsminister und nunmehr Chef der von der „Ibiza-Affäre“ gebeutelten, rechtspopulistischen Partei FPÖ, will sein Land zu einem Vorreiterstandort für Flugtaxis machen. In Kooperation mit europäischen Luftfahrtbehörden sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, damit die Technik bald zum Einsatz kommen kann.

Der Wiener Stadtplaner Gregory Telepak zeigt sich hingegen skeptisch. Bevor die neue Technik zum Einsatz kommen könne, müsse noch eine Reihe von Fragen geklärt werden, passende Start- und Landeorte etwa.

Zudem müsse klar sein, ob und inwieweit dafür andere Verkehrsmittel eingeschränkt würden. „Wir müssen uns nach dem öffentlichen Mehrwert richten“, sagte Telepak. Neue Ideen dürften nicht überstürzt werden. Wien sei nicht mit einer asiatischen Metropole vergleichbar. „In 15 Minuten lassen sich viele Orte zu Fuß erreichen“, sagte Telepak. Daher gebe es vielleicht gar nicht den Bedarf, in ein Flugtaxi zu steigen, um von einem Ort zu einem anderen in der Stadt zu fliegen.

Während der Passagiertransport noch auf sich warten lässt, hat EHang bei unbemannten Flügen bereits eine praktische Anwendung gefunden. DHL Express schloss Mitte Mai eine strategische Partnerschaft mit EHang für Drohnenlieferungen in China ab.

Kooperation mit DHL

In einem Pilotprojekt werden vom DHL-Service-Zentrum in der südchinesischen Stadt Dongguan in der Provinz Guangdong Sendungen zu einem acht Kilometer entfernten Standort eines Kunden transportiert. Die Lieferzeit im Vergleich zur Straße reduziere sich von 40 auf acht Minuten, teilte Wu Dongming, CEO von DHL Express China, mit. Das führe zu einem geringeren Energieverbrauch, einer besseren CO2-Bilanz sowie Kosteneinsparungen von bis zu 80 Prozent.

Doch weltweit tüfteln dutzende Unternehmen an der Idee von Flugtaxis. Airbus und Boeing haben Projekte vorgestellt, Daimler und Audi entwickeln Ansätze. Und in direkter Konkurrenz zu EHang gibt es Start-ups wie Lilium von Ingenieuren der Technischen Universität München, die einen elektrisch betriebenen Senkrechtstarter bauen. Oder das Start-up Volocopter aus Bruchsal bei Karlsruhe, das einen besonders leichten und mit Strom betriebenen Helikopter entwickelt.

EHang-Gründer Hu ist sich sicher, dass sich Flugtaxis durchsetzen werden. „Ich freue mich, dass immer mehr Firmen der Idee folgen“, sagt er. Er begreife die Konkurrenz als Antrieb. Je mehr Firmen sich mit dem Thema beschäftigten, desto schneller würden Luftfahrtbehörden Regeln erstellen, damit künftig Flugtaxis über die Städte kreisen dürfen. Hu meint: „Die Idee ist super. Jetzt muss sie nur noch massentauglich umgesetzt werden.“

Mehr: Bis 2050 könnten weltweit fast 100.000 Passagierdrohnen im Einsatz sein. Lesen Sie hier, welche politischen Hürden bis dahin überwunden werden müssen.

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