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Digitale Revolution

„JPM Coin“ JP Morgan startet eine eigene Kryptowährung – Was das für den Bitcoin heißt

Die größte US-Bank, JP Morgan, hat eine eigene Digitalwährung aufgelegt. Der „JPM Coin“ könnte den Zahlungsverkehr revolutionieren. Für die Kryptowelt bedeutet das einen lang ersehnten Durchbruch.
Update: 15.02.2019 - 10:14 Uhr Kommentieren
Der JP-Morgan-Chef galt lange als Kritiker von Kryptowährungen wie Bitcoin. Quelle: NBCUniversal/Getty Images
Jamie Dimon

Der JP-Morgan-Chef galt lange als Kritiker von Kryptowährungen wie Bitcoin.

(Foto: NBCUniversal/Getty Images)

New York, FrankfurtAusgerechnet JP Morgan! Wie die größte US-Bank am Donnerstag mitteilte, hat sie die Entwicklung einer eigenen Kryptowährung abgeschlossen, die nun als Prototyp getestet wird. 

Auf den ersten Blick erstaunt der Schritt des Instituts. JP-Morgan-Chef Jamie Dimon gilt als skeptischer Beobachter der Kryptowelt. Die wichtigste Digitalwährung, Bitcoin, hat Dimon 2017 als „Betrug“ bezeichnet und den starken Preisanstieg mit der holländischen Tulpenmanie verglichen, einer Spekulationsblase im 17. Jahrhundert.

Und doch ist die Strategie der Bank folgerichtig. Denn so skeptisch ihr Chef gegenüber Bitcoin und Co. aufgetreten war, so nachdrücklich arbeitete JP Morgan an der zugrunde liegenden Blockchain-Technologie, die die dauerhaft nachvollziehbaren Kryptozahlungen ermöglicht.

JP Morgan Chase hat 2018 mehr als 31 Milliarden Dollar verdient und gibt einen dreistelligen Millionenbetrag im Jahr für die Erforschung der Blockchain-Technik aus. Aus dem Bankenkonsortium R3, das deren Potenziale testet, ist JP Morgan 2017 ausgetreten. Stattdessen hat die Bank mit Unterstützung von Ethereum-Entwicklern eine eigene Blockchain namens Quorum aufgebaut. Diese bildet nun die Plattform für den JPM Coin.

„JPM Coin ist aktuell ein Prototyp, der mit einer kleinen Zahl von Geschäftskunden getestet wird“, erklärt Umar Farooq, der die Blockchain-Projekte und den digitalen Zahlungsverkehr des Instituts leitet. Später im Jahr werde das Pilotprogramm ausgeweitet. „Wir haben in der aktuellen Phase keine Pläne, ihn für Endkunden anzubieten.“

Damit ist klar, was der JPM Coin – Stand jetzt – alles nicht ist: Er soll keine Konkurrenz sein für Bitcoin und Co. Er entsteht nicht in einem offenen Netzwerk. Und er richtet sich nicht an Privatkunden. Sein Ansatz ist ein anderer: Der JPM Coin ist ein bankeigenes Verrechnungsmittel für die Netze von JP Morgan. Er ist 1:1 an den Dollar gebunden, die Bank garantiert den unbegrenzten Umtausch. Weitere Währungen wie der Euro sollen bald angebunden werden.

Doch was ist der Vorteil eines Coins, der ausschließlich intern Verwendung findet? Laut Farooq soll die Kryptowährung Zahlungen beschleunigen und Transaktionen vereinfachen. Für die Kunden könnten diese damit deutlich billiger werden.

Hat zum Beispiel ein japanischer Konzern einen US-amerikanischen Geschäftspartner und beide sind Kunden bei JP Morgan, könnte der JPM Coin künftig Mittel der Wahl sein. Will die japanische Firma ihrem US-Partner Geld überweisen, muss sie bislang ihr Yen-Guthaben in Dollar umtauschen. Im Anschluss überweist die japanische JP Morgan das Geld über den Atlantik. Erst wenn die Zahlung angekommen und bestätigt ist, kommt der US-Kunde an sein Geld.

Der Prozess kann mehrere Tage dauern und ist teuer. In Zukunft könnte die japanische Firma ihr Konto direkt mittels JP Coin führen. Über die Blockchain kann dieser binnen Minuten manipulationssicher transferiert werden, der US-Kunde direkt darauf zugreifen. Durch Zeit- und Kostenersparnis sollen beide Seiten profitieren.

Hier zeigen sich denn auch die Grenzen des Ansatzes: Da die genutzte Blockchain nicht dezentral ist, sondern zentral von der Bank gesteuert wird, müssen sich alle Geschäftspartner darauf verlassen, dass das Geldhaus bei Bedarf den Coin-Bestand auf dem virtuellen Konto sofort in reales Geld umtauscht. JP Morgan dürfte von Großkunden ausreichend Vertrauen entgegengebracht werden. Für andere, kleinere Banken gilt das nicht automatisch. Außerdem müssen alle Nutzer Kunden von JP Morgan sein, Interbankenzahlungen mit diesem System sind derzeit nicht möglich.

JP Morgan könnte jedoch auch an diesem Punkt erneut überraschen: Auf ihrer Homepage teilt die Bank mit, der JPM Coin könne grundsätzlich auch mit anderen Blockchain-Netzwerken als der hauseigenen Quorum-Plattform funktionieren. 

JP Morgan ist nicht die erste Bank, die Kryptowährungen als Zahlungsmittel testet, allerdings bekommen die Kunden von den bisherigen Experimenten meist nichts mit. Im Rahmen des Bankenkonsortiums R3 erproben eine Reihe an Geldhäusern den Einsatz. Seit 2016 testet die japanische Mitsubishi UFJ Financial Group einen eigenen Coin.

Die schwedische Bank SEB transferiert mithilfe der von Banken bevorzugten Währung Ripple bereits Gelder zwischen Stockholm und New York hin und her. Und die britische HSBC experimentiert mit der Blockchain-Technik im Devisenhandel. Auf der hauseigenen Plattform „FX Everywhere“ habe das Bankhaus so die Abwicklungskosten um ein Viertel senken können, sagte der zuständige Manager Mark Williamson der Nachrichtenagentur Reuters.

Dennoch ist die Entscheidung von JP Morgan, auf einen eigenen Coin zur Abwicklung von Kundenzahlungen zu setzen, ein bedeutender Schritt. Sie bricht mit der an der Wall Street lange vorherrschenden Meinung, dass die Blockchain-Technik zwar zur Transaktion von Informationen vielversprechend sei, zur Transaktion von Werten aber nicht geeignet ist.

Der frühere Blackrock-Banker Adam Grimsley, Chef des Londoner Krypto-Hedgefonds Prime Factor Capital, sagt, lange hätten Banken im Verborgenen an der Technik geforscht. Mit dem Schritt von JP Morgan ändere sich nun der Blick auf den Markt. „Hier stellt sich eines der weltweit größten regulierten Finanzinstitute mit einer Bilanzsumme von 2,6 Billionen Dollar hinter ein digitales Asset. Ich glaube nicht, dass auch nur ein Kunde, der diesen Coin hält, Zweifel hat, an sein Geld zu kommen.“

Ob JP Morgan einen Standard setze, der von anderen Banken verwendet wird, sei jedoch schwierig zu sagen. Aber da JP Morgan die bevorzugte Bank vieler US-Großkonzerne sei, stünden die Chancen gut, sagt Grimsley. Da der JPM Coin technologisch auf der Ethereum-Blockchain basiere, könne die Nachricht dem gesamten Kryptouniversum Auftrieb geben, so seine Hoffnung.

Andrew Keys, der die Kapitalmarkt-Aktivitäten der Blockchain-Firma Consensys leitet, geht davon aus, dass auch andere Großbanken mit ihrer eigenen Kryptowährung auf den Markt kommen könnten. Für reguläre Kryptowährungen gibt es derzeit einen Standard, ERC-20 genannt, mit dem die verschiedensten Token auf der Ethereum-Blockchain genutzt werden können. „Gut möglich, dass es demnächst einen Standard für institutionelle Token geben wird“, so Keys. 

Am Freitagmorgen war von neuer Euphorie am Markt allerdings noch nichts zu sehen. Bitcoin, Ethereum und andere große Kryptowährungen notierten praktisch unverändert. „Für den Großteil der Anleger scheint die Nachricht auf taube Ohren zu stoßen“, kommentierte Analyst Timo Emden von Emden Research.

Vielleicht ist diese Skepsis sogar gerechtfertigt. Sollte es tatsächlich zum breiten Siegeszug bankeigener Coins kommen, droht der anarcho-libertäre Urvater der Kryptowelt, der Bitcoin, abgehängt zu werden.

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