Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Digitale Revolution
Die Flugtaxi-Unternehmer

Die Gründer der Firma Lilium: Matthias Meiner, Patrick Nathen, Daniel Wiegand und Sebastian Born.

(Foto: Lilium)

Konkurrenzkampf in der Luft Dieses neue Flugtaxi von Lilium soll die Mobilität revolutionieren

Das Start-up präsentiert seinen neuen Fünfsitzer, der spätestens 2024 in Serienfertigung gehen soll. Das heizt den Wettbewerb um die Mobilität der Zukunft kräftig an. 
4 Kommentare

Düsseldorf, FrankfurtEs sind ambitionierte Ziele. Das Flugtaxi-Startup Lilium aus Wessling bei München will in den nächsten Jahren nicht nur einen selbstentwickelten Mini-Jet auf den Markt bringen - das junge Unternehmen will seine Flugzeuge ab 2025 auch selbst betreiben und eine Art Taxi-Dienst für die Luft anbieten. Das sagte Daniel Wiegand, Mitgründer und CEO des Jungunternehmens, dem Handelsblatt. „Unsere Kunden haben dann die Lilium App auf dem Smartphone, die ihren Standort kennt, ihnen den Weg zum nächsten Landeplatz zeigt, und einen Platz im Jet reserviert.“

Dass es die umtriebigen Entwickler ernst meinen, zeigt sich an diesem Donnerstag. Dann präsentieren die Bayern Interessierten und Investoren den ersten Prototypen ihres Flugtaxis mit fünf Sitzen, so wie er dann auch in die Serienfertigung gehen soll. „In weniger als zwei Jahren ist es uns gelungen, ein Luftfahrzeug zu entwerfen, zu bauen und erfolgreich zu fliegen“, sagte Wiegand. Den Jungfernflug habe der Lilium-Jet Anfang Mai absolviert. 

Namhafte Investoren konnte das Flugtaxi-Start-up damit schon überzeugen; unter den Geldgebern sind der chinesische Internetkonzern Tencent, Skype-Gründer Niklas Zennström und Obvious Ventures, hinter dem Twitter-Gründer Ev Williams steht. Insgesamt hat Lilium bereits über 100 Millionen Euro eingesammelt.

Mit seinem neuen Jet, der nach Angaben des Unternehmens 300 Kilometer pro Stunde zurücklegen kann, heizt Lilium den Wettbewerb im hart umkämpften Markt noch einmal kräftig an. Weltweit ist ein regelrechter Hype um die neuen Flug-Vehikel entbrannt. In China arbeitet zum Beispiel die Firma Ehang an so einem Gerät. In den USA beschäftigen sich unter anderem die Firmen Workhorse und Joby Aviation mit dem Thema.

Auch die beiden Flugzeugbauer Airbus und Boeing haben mittlerweile entsprechende Projekte vorgestellt. Der Boeing-Prototyp hob zum Beispiel Anfang Februar erstmals ab. Auch der Prototyp des City-Airbus vom Rivalen Airbus A3 Vahana stieg kürzlich erstmals in die Luft.  In Deutschland wiederum ist vor allem das Karlsruher Unternehmen Volocopter ein direkter Konkurrent von Lilium.

Fast alle Firmen eint, dass sie von sich behaupten, der technologische Marktführer zu sein. Eine Bewertung der Validität solcher Aussagen ist allerdings schwer. Auch wenn sich die Konzepte mit vielen elektrisch betriebenen Propellern häufig ähneln, ist es kaum möglich festzulegen, wer in dem Wettstreit wirklich führt. Ehang etwa will schon in zwei Jahren in der österreichischen Stadt Linz fliegen – und das sogar autonom. Volocopter plant die Zulassung seines gleichnamigen Gerätes innerhalb der nächsten zwei bis fünf Jahre. In ähnlichen Zeiträumen denkt auch Lilium.

Damit wirken die Pläne von Lilium und Volocopter einerseits eher konservativ. Andererseits ist es vielleicht die weitaus realistischere Planung. Denn Experten sehen die Hersteller und Betreiber von Flug-Taxen noch vor gewaltigen Herausforderungen. „Für den kommerziellen Einsatz von Passagier-Drohnen müssten grundsätzlich dieselben Vorschriften gelten wie für die kommerzielle Luftfahrt“, sagt Gerald Wissel von Luftfahrtberatungsunternehmen Airborne Consulting. Das bedeute durchaus strenge Auflagen.

„So muss zum Beispiel für die Wartung der Fluggeräte ein externer und zertifizierter Betrieb ausgewählt werden“, sagt der Berater. Auch Versicherungsfragen müssten geklärt werden. „Alles das muss bei der Entwicklung eines belastbaren Geschäftsmodells für Flugtaxen berücksichtigt werden“, warnt Wissel. Hinzu kämen Themen wie die Pilotenausbildung. Überhaupt müsse erst einmal ein funktionierendes Geschäftsmodell gefunden werden.

Wiegand von Lilium ist überzeugt, dass er viele dieser Hürden bewältigen kann. Eine spezielle Piloten-Ausbildung soll zum Beispiel nicht notwendig sein. Der Lilium-Jet sei so konstruiert, dass er sich in die bestehenden „Führerscheinklassen“, die es in der Luftfahrt gibt, einfügt. Auch seien die Behörden eng eingebunden, weshalb der Lilium-CEO keine unüberwindbaren Probleme bei der Zertifizierung sieht: „Was bei den Experten in den Behörden gut ankommt, ist, dass unser Jet viel sicherer ist als zum Beispiel ein Helikopter.“ Falle einer der insgesamt 36 Elektro-Propeller aus, könne man immer noch eine sichere Landung darstellen. Dennoch werde die Zulassung sicher noch einige Jahre dauern.

36 Elektromotoren treiben das Flugtaxi von Lilium an.
Konsequenter Leichtbau

36 Elektromotoren treiben das Flugtaxi von Lilium an.

Auch Ideen für Geschäftsmodelle hat Wiegand. Er denkt an Verbindungen zu Flughäfen oder Messen, aber auch an die Anbindung von Städten an das Umland. Starten und landen sollen die Gefährte auf Parkhäusern oder Bürogebäuden sowie in Industriegebieten. Da der Lilium-Jet ein sogenannter Senkrechtstarter ist, braucht er keine Startbahnen, ihm reicht recht wenig Platz. Damit ist der Aufbau komplexer Infrastrukturen nicht notwendig. Die Motoren sind laut Wiegand zudem sehr leise.

Dennoch könnte gerade die Frage der Start- und Landplätze noch ein Problem für die Münchener Jungfirma werden. Denn für das Landen auf Dächern gibt es sehr strenge baurechtliche Vorgaben. Die Dachkonstruktion muss deutlich mehr als das reine Gewicht des Flug-Vehikels aushalten. Sie muss auch einen „Absturz“ des Geräts aus einer gewissen Höhe verkraften. Viele Dächer sind dafür nicht ausgelegt. Deshalb dürften in den Metropolen vorerst wohl vor allem jene Landeplätze in Frage kommen, auf denen jetzt schon Hubschrauber zugelassen sind.

Eine andere Herausforderung ist der Plan der Lilium-Führung, den Senkrechtstarter selbst in Serie fertigen zu wollen – und zwar in fast voller Fertigungstiefe. So plant das Unternehmen vier Produktionsstandorte in Deutschland – einen für die Elektrotriebwerke, einen für die Batteriepakete, einen für das Flugzeug aus Karbon und einen für die Endmontage. Die Mitarbeiterzahl werde deshalb von aktuell 300 um noch einmal einige Hundert anwachsen, sagte Wiegand.

Damit wagt sich Lilium in eine durchaus komplexe Serienfertigung mit einer aufwendigen Logistik. Auch wenn die Stückzahlen nicht vergleichbar sind, so zeigen doch die Probleme des US-Unternehmens Tesla, wie anspruchsvoll eine eigene Serienfertigung sein kann. In der Luftfahrt kommt hinzu: Beim Bau von Flugzeugen und Helikoptern, die kommerziell genutzt werden sollen, muss jeder Schritt aufwendig dokumentiert werden. Jedes Bauteil muss üblicherweise zertifiziert werden. Es wartet also noch viel Arbeit auf das Team von Lilium.

Auch kostet die Fertigung viel Geld. Das weiß Wiegand: „Es wird noch einige Finanzierungsrunden geben, bis wir auf dem Markt sind und die Produktion aufgebaut haben. Die genaue Summe möchte ich nicht kommentieren.“  Er ist aber zuversichtlich, dass die Firma das alles  stemmen kann. Schließlich habe man jetzt schon eine kleine Fertigungshalle.

Zugeknöpft zeigt sich der Lilium-Chef bei der Frage, wo die ersten der brandneuen Jets abheben werden. Man führe vielversprechende Gespräche auf der ganzen Welt. Immerhin: Während sich der Rivale Volocopter vor allem auf Orte im Ausland wie etwa Dubai oder Singapur konzentriert, kann sich Wiegand  auch Deutschland als eine  der ersten Regionen vorstellen. Ob das zum Beispiel München, der Sitz von Lilium, sein könnte, das will er aber nicht sagen. 

Fest steht hingegen: Die Experten von Roland Berger haben für München das Marktpotenzial schon mal durchgerechnet. 2030 könnten hier schon 100 Passagier-Drohnen in Betrieb sein, 2050 kann diese Zahl dann auf 800 steigen. 

Auf kleinen Flügeln


Startseite

Mehr zu: Konkurrenzkampf in der Luft - Dieses neue Flugtaxi von Lilium soll die Mobilität revolutionieren

4 Kommentare zu "Konkurrenzkampf in der Luft: Dieses neue Flugtaxi von Lilium soll die Mobilität revolutionieren"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Man möge sich nur vorstellen, dass nur 1 Promille der täglichen Pendelfahrten Großstadt - Umland durch Flugtaxis erledigt würde. Das würde praktisch keine Entlastung des Verkehrs am Boden bringen, aber tausende Niedrigflüge über den Köpfen der Bewohner. Wer will das? Wer lässt das zu und steht das politisch durch? Wie ist die Lärmbelastung wirklich? Auch "leise" Elektromotoren sind in Kombination mit Propellern laut - insbesondere wenn sie relativ niedrig über die Köpfe der Menschen fliegen. Da ist dann der reine Lärmwert Dezibel gar nicht das richtige Maß, sondern die Störung der Bewohner. Schon eine einzige der kleinen Spielzeugdrohnen stört in vielen 100 m Umkreis, auch wenn der messbare Lärm gar nicht groß ist. Wie ist das erst bei PKW-großen Drohnen? Wie ist die Energiebilanz? Das wären doch einmal die Themen in so einem Beitrag und nicht, ob so etwas technisch möglich ist und wie futuristisch das aussieht. Mich erinnert die Diskussion sehr an den Transrapid vor eiinem Vierteljahrhundert. Da wurden die entscheidenden Fragen auch nicht gestellt und immer weitere Forschungsgelder letztlich sinnlos hineingesteckt.

  • Ich kann mir gut vorstellen, dass die besser betuchten Manager und Privatiers es leid sind, mit ihren teuren Autos deutscher Premiumhersteller im täglichen Stau- und Verkehrschaos zu stecken und deshalb nach Alternativen Ausschau halten. Ich sehe bei dieser Klientel weltweit einen hohen bis sehr hohen Bedarf an alternativer Mobilität.

  • Wir haben mehrfach versucht mit dem Unternehmen wegen einer Linie als Kunde in Kontakt zu treten; vergebens. Wer zu viel VC-Money hat, braucht keinen Kunden mehr. Trotzdem viel Erfolg.

  • was elektrisch alles geht...ein Hoch auf die Elektro Dynamik

Serviceangebote