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Digitale Revolution

Mobile World Congress 3D-Chip für die Kamera: Infineons zweiter Anlauf auf dem Smartphone-Markt

Der Chiphersteller hat sich lange vergeblich als Handy-Ausrüster versucht. Den Durchbruch könnte ein Sensor bringen, der auch im Auto eingesetzt wird.
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Das Unternehmen stellt für verschiedenste Anwendungen Computerchips her – nur in Handys funktioniert das bisher noch nicht. Quelle: dpa
Infineon

Das Unternehmen stellt für verschiedenste Anwendungen Computerchips her – nur in Handys funktioniert das bisher noch nicht.

(Foto: dpa)

MünchenAuf dem Mobile World Congress in Barcelona zeigen die Hersteller in der kommenden Woche Dutzende neue Modelle. Der Chipproduzent Infineon indes interessiert sich nur für ein einziges Gerät: Das G8 ThinQ von LG.

Die Münchener hoffen auf einen durchschlagenden Erfolg des Oberklasse-Smartphones. Denn das Handy enthält eine Technologie, die der Dax-Konzern seit fast einem Jahrzehnt entwickelt und die sich hinter dem Namen „Time of Flight“ (ToF) verbirgt. Bislang aber sind alle Versuche gescheitert, die ToF-Anwendung in großem Stil zu vermarkten.

Infineon hofft nun, dass das Gerät von LG zum Bestseller wird und sich auch andere Hersteller für ToF entscheiden. „Das ist erst der Anfang“, sagte Infineon-Manager Martin Gotschlich dem Handelsblatt. Inzwischen sei das Interesse der gesamten Smartphone-Branche an der Technologie erwacht. Gotschlich: „Wir reden mit allen.“

Kern der Anwendung ist ein Infineon-Sensor. Der Chip ist wird in eine 3D-Kamera eingebaut, sie vermisst die Umgebung per Infratotlicht und erzeugt daraus ein dreidimensionales Bild.

Der Sensor erfasst die zurückkehrenden Strahlen. Entscheidend für das Bild ist, wie lange das Licht unterwegs ist. Dieses System ist Infineon zufolge fast unabhängig vom Umgebungslicht und äußerst zuverlässig, schnell und effizient.

Vor allem bei der Gesichtserkennung sei das laut Gotschlich wichtig. Das Handy lasse sich so auch über die Venenerkennung entsperren oder durch Gesten steuern. Zudem verbrauche die Anwendung weniger Strom als derzeit übliche Technologien.

Infineons Ausflug in die Welt der Smartphones ist keine Selbstverständlichkeit für das Unternehmen. Bis Anfang der Jahrzehnts haben die Bayern praktisch das komplette Innenleben eines Telefons angeboten. Doch gegen wesentlich größere Wettbewerber wie den US-Konzern Qualcomm tat sich die ehemalige Siemens-Tochter schwer. Der damalige Vorstandschef Peter war daher heilfroh, als Intel Anfang 2011 für Infineons Handybereich mehr als eine Milliarden Euro bot.

Klare Fokussierung

Deutschlands größter Chiphersteller schien sich damit endgültig aus dem Geschäft verabschiedet zu haben. Doch es kam anders. Inzwischen beliefern die Münchener die Telefonhersteller wieder im großen Stil. Von Apple über Huawei und Lenovo bis Samsung stehen alle bekannten Namen der Branche in der Kundenkartei.

Im Gegensatz zu früher bedient der Konzern heute allerdings nur ausgewählte Bereiche, in denen er eine führende Position einnimmt. Das sind insbesondere Chips für Handy-Ladegeräte, aber auch Mikrofone. Nun sollen die Sensoren für die 3D-Kamera hinzukommen – und das obwohl das Geschäft mit Smartphones weltweit kaum noch wächst.

Doch für Infineon ist ein gewaltiger Markt. Alleine in Deutschland werden die Konsumenten für die Geräte dieses Jahr 10,4 Milliarden Euro ausgegeben. Dem IT-Verband Bitkom zufolge entspricht das einem Plus von drei Prozent gegenüber 2018. Der Durchschnittspreis pro Gerät werde von 444 Euro vergangenes Jahr auf 453 Euro klettern. Mit dem Sensor für die 3D-Kameras will Infineon daran mitverdienen.

Infineon setzt auf 3D-Boom

„Damit haben die Nutzer ein einzigartiges und sicheres Verifizierungssystem zur Verfügung“, so Chang Ma, Leiter der Produktstrategie von LG Mobile Communications. Gesichtserkennung ist inzwischen weit verbreitet bei Smartphones. Die Hersteller nutzen unterschiedliche Verfahren – nicht immer sind sie verlässlich.

„Infineon will den Markt revolutionieren“, gibt sich Andreas Urschitz angriffslustig. Der Manager leitet die Sparte Power Management & Multimarket (PMM) bei Infineon. Es ist der mit Abstand profitabelste Bereich des Konzerns, er steht für knapp ein Drittel vom gesamten Umsatz.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr, es endete am 30. September, sind die Erlöse um acht Prozent auf gut 2,3 Milliarden Euro geklettert. ToF soll dazu beitragen, dass es bei PMM weiter kräftig aufwärts geht. Urschitz: „Wir erwarten, dass 3D-Kameras in den nächsten fünf Jahren in den meisten Smartphones zu finden sind. Dazu wird Infineon erheblich beitragen.“

Vor zwei Jahren hatte das Management bei Infineon allerdings schon einmal geglaubt, der Durchbruch sei gelungen. Damals bauten Lenovo und Asus den Sensor in Handys ein. Zudem war die Technologie Teil des Projekts „Tango“ von Google, einem Konzept, das Handys eine räumliche Wahrnehmung verleihen sollte. Mit seinem Betriebssystem Android beherrscht Google einen Großteil der Mobilfunkwelt.

Der Chip funktioniert auch im Auto

Damals gingen die Konzerne davon aus, dass die sogenannte Augmented Reality die Kunden begeistern würde. Virtuelle Dinosaurier trampeln dabei durchs Kinderzimmer, wie aus dem Nichts schwebt die neue Kommode in den Flur, die eben noch blütenweiße Wand zieren auf einmal bunte Regale.

Mit der Infineon-Technologie lassen sich künstliche Gegenstände in die wirkliche Welt einblenden. Die Nutzer wussten jedoch wenig damit anzufangen, so verschwanden die Chips wieder aus den Telefonen und Google gab „Tango“ auf. „Die Killer-Anwendung hat gefehlt“, gibt sich Gotschlich selbstkritisch. Mit einem 50-köpfigen Team ist der Österreicher dafür zuständig, ToF weiter zu entwickeln und zu vermarkten.

Infineon muss neue Geschäftsfelder erschließen, denn der Konzern hat sich selbst unter Druck gesetzt. Vorstandschef Reinhard Ploss hat den Anlegern ein strammes Wachstum versprochen. Im Schnitt soll der Umsatz jedes Jahr um neun Prozent zulegen. Dazu braucht es innovative, marktfähige Technologien.

Investoren sehen die Firma auf gutem Weg: Die Wachstumsstory sei intakt angesichts des größer werdenden Einsatzgebiets der hergestellten Chips, meint Analyst Achal Sultania von der Credit Suisse.

Robotertechnik als Hoffnungswert

ToF bietet das Unternehmen nicht nur den Handyproduzenten an. Vom nächsten Jahr an würde die Technologie in einer Oberklasse-Limousine eingesetzt, um den Innenraum zu überwachen, teilt Infineon mit. Damit lasse sich die Position der Insassen bestimmen, um zum Beispiel den Airbag bei einem Unfall gezielt auszulösen. Darüber hinaus lässt sich mit ToF das Infotainmentsystem mit Gesten steuern. Die Automarke nennt Infineon nicht.

Das ist noch nicht alles. Manager Gotschlich sieht auch große Chancen bei Robotern. Die arbeiten immer häufiger Seite an Seite mit Menschen. Die Maschinen sollen die Menschen aber nicht verletzen. Im Infineon-Werk in Dresden hat Gotschlichs Team einen selbstfahrenden Roboter mit ToF ausgestattet, damit er den Mitarbeitern nicht in die Quere kommt. Infineon arbeitet mit dem Dresdner Start-up Wandelbots zusammen, um mittels ToF Roboter durch Gesten zu steuern.

Womöglich wird die Technologie eines Tages sogar in Hotels zu finden sein. Der chinesische Internet-Konzern Alibaba hat gerade ein Hotel in Hangzhou eröffnet, in dem die Gäste per Gesichtserkennung einchecken und ihre Rechnung begleichen.

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